CD/Blu-ray Besprechung:
Händels Oper um den römischen Feldherren Julius Caesar wurde zum größten, seines an Erfolgen nicht armen Lebens. 1724 in London uraufgeführt hält sich die Oper seit dreihundert Jahren auf den internationalen Spielplänen, das ist eine beispiellose Rezeptionsgeschichte.
George Frideric Handel
Giulio Cesare in Egitto
Bachchor Salzburg
Le Concert d’Astrée
Emmanuelle Haïm
Unitel C major 773304
von Peter Sommeregger
In sehr modernem, jedem kaiserlichen Glanz beraubten Ambiente siedelt Regisseur Dmitri Tcherniakov seine Produktion im Haus für Mozart für die Salzburger Festspiele 2025 an. Graue Betonwände eines Bunkers mit mehreren engen Räumen schaffen eine klaustrophobische Atmosphäre, und stehen wohl für die Auswegslosigkeit der Lage der handelnden Personen.
Gespielt wird in mäßig geschmackvoller Alltagskleidung, außer Matratzen gibt es kaum Versatzstücke, Tcherniakov reduziert das Drama auf das vielschichtige Beziehungsgeflecht der Protagonisten, wie gewohnt inszeniert er sehr körperintensiv. Bedauerlich nur, dass optische Hässlichkeit den ganzen Abend dominiert, über drei Stunden zwingt er dem Publikum diese Optik auf. Tcherniakov zählt heute zu den interessantesten Regisseuren, durch seine Vielbeschäftigung läuft er aber allmählich Gefahr, sich intellektuell zu verausgaben. Inspiration ist für Niemand unbegrenzt abrufbar.
Das ausgewogen besetzte Ensemble lässt dagegen keine Wünsche offen.
Vier der acht Rollen sind mit Countertenören besetzt, die einmal mehr beweisen, welche Vielfalt innerhalb dieses Stimmfaches anzutreffen ist.
Christophe Dumaux gelingt ein viriles Porträt der Titelfigur, sein geschmeidiger Counter klingt in allen Lagen sicher und markant. Sein Gegenspieler Tolomeo wird von Yuriy Mynenko mit schneidender Schärfe ausgestattet. Der Sesto von Federico Fiorio meistert nicht nur seine schwierige Partie mit Bravour, er scheint auch ein wahrer Akrobat zu sein, so virtuos bewegt er sich über die Bühne, Purzelbäume und Salti eingeschlossen. Andrey Zhilikhovsky als Intrigant Achilla setzt den Countertenören seinen gepflegten agilen Bariton entgegen.
Olga Kulchynska verleiht der Königin Cleopatra Liebreiz und Nachdruck, mit ihrem sehr lyrischen, technisch perfekten Sopran gelingt eine intensive Ausformung der Rolle. Perfekt konterkariert wird sie vokal von Lucile Richardots Cornelia, die einen warm timbrierten Mezzosopran für die dramatische Partie mitbringt.
Die klug ausgewählte Besetzung ist ein hervorragendes Beispiel für die große Vielfalt von Stimmfarben und deren Zusammenklang. Große Einzelleistungen verbinden sich zu einem perfekten Zusammenspiel und formen ein Ensemble von höchster Qualität.
Der Bachchor Salzburg ergänzt die Solisten klangschön, Emmanuelle Haïm bereitet mit dem Spitzenorchester Le Concert d’Astrée den sicheren Boden für eine geglückte Aufführung.
Das Publikum feiert am Ende das gesamte Team für eine außergewöhnliche, aber in sich stimmige Aufführung.
Peter Sommeregger, 29. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at