Opernabend mit Klaus Florian Vogt
Ulf Schirmer Dirigent
Klaus Florian Vogt Tenor
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Konzerthaus Berlin, 17. September 2026
von Peter Sommeregger
Der Tenor Klaus Florian Vogt, der vor seiner Gesangskarriere als Hornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg spielte, polarisiert seit dem Beginn seiner erfolgreichen Laufbahn die Klassikszene. Ergehen sich die Einen in überschwänglichem Lob, so wird er von Anderen, speziell im Wagnerfach, vehement abgelehnt.
Vogts zwar kräftige, aber sehr weiße Stimme, der jeglicher baritonaler Kern fehlt, ist von ihrem Typus eher eine Anti-Wagner-Stimme – Wagners tenorale Helden verlangen aber sehr viel eher nach einer virilen, dunkleren Stimme. Gleichwohl hat es der Sänger geschafft, sich nicht zuletzt bei den Bayreuther Festspielen als Wagnersänger zu etablieren.
So verwundert es nicht, dass bei dem so genannten Opernabend im Berliner Konzerthaus zum größten Teil Wagner gespielt und gesungen wurde. Unter dem Dirigenten Ulf Schirmer spielte das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Vogt war der einzige Solist. Nach einem Meistersinger-Vorspiel, bei dem im Orchester noch deutlich Luft nach oben war, betrat Vogt das Podium, und griff nach dem Mikrophon. Gleiches tat er dann vor jeder Gesangsnummer, die verbindenden Texte „gewürzt“ mit Anekdoten seiner Bühnenlaufbahn gerieten allerdings reichlich platt.
Aber hauptsächlich sang er ja, nach dem Stolzing den Max aus Webers Freischütz, den Parsifal, den Tannhäuser , den Parsifal und den Lohengrin, unterbrochen von mäßig inspiriert gespielten Ouvertüren, Vorspielen, zu den jeweiligen Opern. Also ein typischer Ablauf eines solchen Konzertes mit der Zielgruppe Silberlocke, die unübersehbar den Saal dominierte, wobei viele, sehr viele Plätze trotz vergleichsweise moderater Preise leer blieben.
Vogts Stimme hat in den letzten Jahren deutlich an Kraft gewonnen, was wohl der Erweiterung seines Rollenspektrums geschuldet ist, schließlich singt er inzwischen sogar Tannhäuser, Tristan, die beiden Siegfriede und Loge. Was nach wie vor fehlt, ist ein brauchbares Legato, ist eine differenzierte Textbehandlung und vor allem eine Gestaltung der jeweiligen Rolle. Auch ein fehlendes natürliches Vibrato lässt die Stimme steif erscheinen, die Spitzentöne werden getroffen, ihnen fehlt aber die Einbindung in eine Gesangslinie.
Die Überraschung war dann die lapidare Bemerkung: „Nun sind wir bei der Operette angekommen.“ Das war schon ein ungewöhnlicher Sprung von Wagners Helden zu Franz Lehar. Die Defizite blieben die gleichen, der Dauerbrenner „Freunde, das Leben ist lebenswert“ einst für Richard Tauber komponiert, war Meilen von dessen charismatischem Vortrag entfernt. Ein wenig entlarvt hat sich am Ende auch das Publikum: Konnte Vogt nach den Opernszenen freundlichen bis starken Applaus verbuchen, so brach der Saal nach den insgesamt drei Lehar-Nummern in frenetischen Jubel aus. Das verlieh der Veranstaltung am Ende eben doch das Prädikat „Bunter Abend“.
Peter Sommeregger, 18. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at