Olivia Betteridge und Caspar Sasse berühren als Cinderella und Prinz

A Cinderella Story, Ballett von John Neumeier (2. Besetzung)  Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 17. September 2026

Olivia Betteridge (Cinderella) und Caspar Sasse (Prinz), dahinter Futaba Ishizaki (Cinderellas Tante und Stiefmutter), Greta Jörgens  und Paula Iniesta (Cinderellas Cousinen), Evan L‘Hirondelle und Jack Bruce (Minister) sowie Florina Pohl (Der König) (Foto: RW)

Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 17. September 2026

A Cinderella Story, Ballett von John Neumeier

Die zweite Besetzung

Die Cinderella und den Prinzen aufwühlenden Gefühle wie Trauer, Sehnsucht, Leidenschaft, auch Enttäuschung, vor allem aber eine die Zeiten überdauernde Liebe wurden von Betteridge und Sasse berührend in den Erkennungsszenen und den Pas de deux verkörpert.

Von Dr. Ralf Wegner

Während bei der Premierenbesetzung das Melancholische stark in die tänzerische Darstellung einfloss, war gestern Abend ein glückliches, vom Publikum offensichtlich ins Herz geschlossenes Liebespaar zu erleben. Olivia Betteridge legte ihre Rolle als Cinderella etwas schüchterner, lieblich-zurückhaltender an als Charlotte Larzelere bei der Wiederaufnahme, aber immer in dem Bewusstsein, irgendwann den Richtigen zu finden. Und den fand sie in Caspar Sasse, der nach seinen großartigen Interpretationen als Protagonist in John Neumeiers Ballett Epilog sowie als Kostja in dessen Möwe gestern mit der Partie des Prinzen erneut sein großes dramatisches Talent bewies.

Der Tanz war bei ihm Ausdruck innerer Empfindung. Sasse setzte seine Emotionen mit expressiver Körpersprache in Tanz um. Das sind Qualitäten, die man bei einem Ersten Solisten erwartet und nicht von einem Gruppentänzer, der er nach wie vor ist. Von der rein technischen Seite her wirkte Sasse gelegentlich noch etwas unsicher, nicht ganz im Fluss der tänzerischen Linie. Es war aber, das darf nicht vergessen werden, der erste öffentliche Auftritt in der männlichen Hauptrolle dieses Balletts, und Sasse ist auch erst Anfang zwanzig.

Die Cinderella und den Prinzen aufwühlenden Gefühle wie Trauer, Sehnsucht, Leidenschaft, auch Enttäuschung, vor allem aber eine die Zeiten überdauernde Liebe wurden von Betteridge und Sasse berührend in den Erkennungsszenen und den Pas de deux verkörpert. Manche Gefühlswallung erinnerte an Romeo und Julia, nur dass Cinderella und der Prinz das  Warten nicht verlernt hatten.

Ida Praetorius (Cinderellas Mutter), Pepijn Gelderman (Cinderellas Vater), Ida Stempelmann (Prinzessin aus einem anderen Land und Mädchen mit Fächer), Caspar Sasse, Olivia Betteridge sowie Bruno Garibaldi (ein junges Paar) (Foto: RW)

Auch andere Rollen waren neu besetzt. Paula Iniesta und Greta Jörgens standen als Cousinen Cinderellas der ersten Besetzung in nichts nach, Ida Praetorius zelebrierte elegisch und hingebungsvoll den Geist der Mutter, und Pepijn Geldermann erwies sich als agiler Tanzpartner Cinderellas.

Die 26-jährige, an der Hamburger Ballettschule ausgebildete, später in Dortmund und beim Ballett am Rhein tanzende Charlotte Kragh war als Solistin von Demis Volpi nach Hamburg engagiert worden. Große Rollen hatte sie hier bisher nicht tanzen dürfen oder können, jedenfalls nicht, dass ich mich an ihre Interpretationen erinnern könnte. Dabei hatte sie mich 2023 in Düsseldorf als eine der ganz wenigen Tänzerinnen beeindruckt. Denn als Bathilde in Giselle war sie diejenige, die über eine ausgezeichnete Technik verfügte und darstellerisch voll überzeugte. Da zeigte sich ihre Ausbildung beim Hamburg Ballett.

Charlotte Kragh (fremde Prinzessin sowie Dame mit Hut) (Foto: RW)

Wie bei der Wiederaufnahme war Kragh diesmal erneut als Fremde Prinzessin sowie als Dame mit Hutbesetzt. Mit welcher Eleganz und Körperbeherrschung sie bis ins kleinste Bewegungsdetail diese Partien tanzte, war beeindruckend. Ihre Person war mir schon bei der Wiederaufnahme während des Balls als den König faszinierende Fremde mit tänzerischer Perfektion aufgefallen. Ich habe die Rolle wegen ähnlicher Kostümierung aber zunächst ihr nicht zuordnen können. Das spricht für tänzerische Qualität, denn wenn die uns bekannten Stars tanzen, sieht man ihnen wohl manches eher nach. Ebenso faszinierte die fast bis zur Unkenntlichkeit kostümierte Ida Stempelmann als Prinzessin aus einem anderen Land sowie als Mädchen mit dem Fächer. Eleanor Broughton, Ghanima Choffat und Lin Zhang tanzten ganz bezaubernd die drei Freundinnen, Lormaigne Bockmühl und Bruno Garibaldi überzeugten als junges Liebespaar.

Während der Vorstellung hielt sich das Publikum zum Glück mit den Fluss der Aufführung unterbrechenden Beifallsbekundungen weitgehend zurück, um am Ende umso mehr den hervorragenden Tänzerinnen und Tänzern zuzujubeln. Und am Ende flogen wieder zahlreiche Blumensträuße auf die Bühne.

Dr. Ralf Wegner, 18. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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