Ein Retro-Rigoletto langweilt
Unter den Linden in Berlin

Giuseppe Verdi, Rigoletto,  Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 2. Juni 2019

Foto: © Brinkhoff / Mögenburg
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 2. Juni 2019
Giuseppe Verdi, Rigoletto (Neuinszenierung )

Andrés Orozco-Estrada Musikalische Leitung
Bartlett Sher Inszenierung
Christopher Maltman Rigoletto
Michael Fabiano Herzog von Mantua
Nadine Sierra Gilda

von  Peter Sommeregger

Als sich der Vorhang bei dieser Premiere in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin hebt, will man es erst gar nicht glauben: plüschig rotes Ambiente, Chor und Statisterie im Look der 1950er-Jahre, ein paar Uniformen und sehr viel Statik in der Personenführung. Diese Optik ist so aus der Zeit gefallen, dass man meinen könnte, eine uralte Inszenierung wäre wiederbelebt worden. Bei aller Fragwürdigkeit so mancher aktueller Inszenierungen ist aber eines klar: So geht es nun wirklich nicht mehr. Die Produktion ist laut Programmheft auch an der Metropolitan Opera in New York zu sehen, die ja für ein eher konservatives Publikum bekannt ist. Das mag der Grund, kann aber keine Entschuldigung für eine in ihrer Schlichtheit schon peinliche Realisierung dieses dankbaren Stoffes sein.

© Brinkhoff / Mögenburg

Schauspielerisch begabte Sänger könnten auch unter diesen Voraussetzungen noch etwas retten, aber Michael Fabiano und Nadine Sierra können sich darstellerisch vom Händeringen und An-der-Rampe-entlang-Laufen nicht lösen. Fabiano verfügt über einen schönen Tenor mit kräftigem Strahl, den er streckenweise etwas zu laut einsetzt, und der im Forte schnell etwas belegt und körnig klingt. Am Ende kassiert er dafür einige Buhrufe.

Christopher Maltman stattet den Titelhelden mit großem, kernigem Bass aus, beherrscht akustisch jederzeit die Szene, wobei er es leider an den subtileren Zwischentönen mangeln lässt und stellenweise für eine rekordverdächtige Lautstärke sorgt.

© Brinkhoff / Mögenburg

Die sängerisch eindeutig beste Leistung bietet an diesem Abend eindeutig die Sopranistin Nadine Sierra als Gilda. Die Stimme verfügt über ein schönes, farbenreiches Timbre, und Sierra versteht es bestens, damit umzugehen. Sie ist ausgesprochen höhensicher, lediglich in extremen Lagen klingt sie ein wenig kehlig. Tapfer behauptet sie sich in den Duetten mit Rigoletto und dem Duca, trotz der großen Lautstärke der Beiden.

Andrés Orozco-Estrada am Pult dirigiert ausgesprochen sängerfreundlich, eine besondere persönliche Handschrift kann man aber nicht feststellen. Die Gewittermusik des dritten Aktes beispielsweise klingt ein wenig lahm und uninspiriert, wie überhaupt der ganze Abend wenig Glanz ausstrahlt. Den Unmut des Publikums bekommt auch das Regieteam zu spüren.

Peter Sommeregger, 2. Juni 2019 für
klassik-begeistert.de

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