„Lübeck, wir bleiben!“

Instrumenten-Wettbewerb der Deutschen Stiftung Musikleben, Possehl-Stiftung  Lübeck, 23. Oktober 2026

Die Possehl-Stiftung verlängert die Förderung für den Instrumenten-Wettbewerb der Deutschen Stiftung Musikleben

Lübeck, Musik- und Kongresshalle, 23. Oktober 2026

von Dr. Andreas Ströbl (Text und Fotos)

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten für den Kulturbetrieb! Die Förderung „alles Guten und Schönen in Lübeck“ hat sich die Possehl-Stiftung in der Hansestadt seit 1919 auf die Fahnen geschrieben; unter vielem anderem verfolgt die traditionsreiche Einrichtung die Pflege von Kunst und Wissenschaft. Nun wurde beschlossen, die Förderung für den Instrumenten-Wettbewerb der Deutschen Stiftung Musikleben in Lübeck bis 2032 zu verlängern. Wie segensreich das vor allem für junge Talente wirkt, wurde bei einem Pressegespräch in der Lübecker Musik- und Kongresshalle am 23. Oktober 2026 deutlich.

Eine beispielhafte Kooperation

Kulturförderung funktioniert am besten, wenn alle an einem Strang ziehen. Hat man dann noch solch prominente Kooperationspartner, wie die Musikhochschule und das Theater Lübeck, dann steht einem erfolgreichen Unterfangen nichts mehr im Wege. Der Instrumenten-Wettbewerb der Deutschen Stiftung Musikleben bietet jungen, hochbegabten Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, wertvolle historische Streichinstrumente als Leihgabe zu gewinnen. Rund 280 Streichinstrumente umfasst die Sammlung, darunter Geigen, Bratschen und Celli von Meistern wie Stradivari, Guadagnini, Vuillaume, Carcassi oder Ruggeri. Das Ganze geschieht jährlich in einer dreitägigen Veranstaltung am letzten Februarwochenende; krönender Abschluss ist ein öffentliches Konzert in der Lübecker Musikhochschule.

Im vergangenen Jahr holte die Possehl-Stiftung diesen renommierten Wettstreit zum ersten Mal nach Lübeck und erklärte sich zu einer dreijährigen Förderung bereit. Die Hansestadt ist deswegen optimal geeignet, weil die Musikhochschule über hervorragend geeignete Räume verfügt; zudem können die Preisträger in einem Solokonzert mit dem Lübecker Philharmonischen Orchester brillieren. Dass der Klangkörper in den vergangenen Jahren enorm an Qualität zugelegt hat, ist mittlerweile auch weit über die Grenzen Norddeutschlands hinweg bekannt. Nicht zuletzt gibt es hier ein Publikum, das diese Wertigkeit zu schätzen und eben auch zu unterstützen weiß.

Unisono für eine beispiellose Förderung

Bettina Bermbach, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Musikleben, moderierte das Pressegespräch; sie machte begeistert deutlich, was es für ein Glücksfall ist, den Nachwuchswettbewerb langfristig in der Hansestadt zu halten und damit wesentliche Unterstützungsarbeit für junge Talente zu leisten. Unter anderem hob sie die einzigartige Chance hervor, auf solchen aus der „Schatzkammer“ der Stiftung stammenden Instrumenten spielen zu können – der Klang des wertvollsten Stücks, einer Guadagnini-Violine von 1772, sollte später noch zu erleben sein.

„Der Lübecker Himmel hängt voller Geigen“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Vorstandsvorsitzender der Possehl-Stiftung. So gar nicht floskelhaft oder altväterlich klang, dass er die Kooperation in Lübeck „im Sinne des Schönen und Guten“ würdigte; das war schlichtweg enthusiastisch und tatsächlich richtig.

Ebenso galt dies für Dr. Clemens Trautmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Musikleben, der von der „wunderbaren Musikstadt Lübeck“ schwärmte, in die der Wettbewerb perfekt passe. Auch er pries die „Allianz für den exzellenten Streichernachwuchs in Deutschland“ und sprach von einer „zentralen Initiative für Auftrittsmöglichkeiten als Basis einer Karriere“.

Prof. Dr. Bernd Redmann als Präsident der Musikhochschule Lübeck sprach von „Schicksalsfäden, die sich selbst gesponnen haben“. Rund 500 Studentinnen und Studenten aus mehr als 40 Nationen machten die Lübecker Musikhochschule zu einer hochinternationalen Einrichtung, in der die immensen Schätze der Vergangenheit an die Talente von morgen weitergegeben würden. Alle, die diese Hochschule verließen, seien wenigstens in die Professionalität, meist aber in den Exzellenz-Bereich gefördert worden.

GMD Stefan Vladar schloss sich in dem Enthusiasmus an. „Großartiges Musikantentum ist ansteckend“, wusste er, und machte ebenfalls klar, dass diese Karrierechancen für die Vita junger Musikerinnen und Musiker eine sehr große Hilfe seien. Damit stellte er die Geigerin Victoria Wong vor, die am Sonntag beim 2. Symphoniekonzert in Lübeck mit Tschaikowskys Violinkonzert als Solistin auftreten wird. „Es gibt kein unwichtiges Konzert – und dies ist ein sehr wichtiges!“, so Vladar.

Zum Abschluss der Veranstaltung spielte Victoria Wong auf der genannten Guadagnini-Violine das Rezitativ und Scherzo-Caprice op. 6 von Fritz Kreisler, und hatte damit bereits die Herzen der anwesenden Medienvertreter gewonnen. Sie bestach durch virtuose Wiedergabe dieses bei aller Kürze klanglich so vielfältigen Stücks mit ebensoviel wehmütiger In-sich-Gekehrtheit, wie Finesse in ungemein raschen Läufen mit feinstem hohem Piano-Flageolett, bewusst kratzig und mit frecher Frische.

Der Wettbewerb wird vom 26. bis 28. Februar 2027 in der Lübecker Hochschule stattfinden, das Abschlusskonzert gibt es am 1. März im Theater Lübeck.

Zuerst aber wird Victoria Wong am 25. und 26. Oktober 2026 in der Lübecker Musik- und Kongresshalle zu erleben sein (https://www.theaterluebeck.de/produktionen/2-sinfoniekonzert_2026-27.html?m=92

Dr. Andreas Ströbl, 23. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

55 Jahre Deutsche Stiftung Musikleben, Konzert der Stipendiatinnen, klassik-begeistert.de

Benefizkonzert der Deutschen Stiftung Musikleben Elbphilharmonie, Hamburg, 14. Oktober 2024

Interview: Pastorin Susanne Zingel/Kirchenmusiker Alexander Ivanov (Teil II) St. Severin, Sylt, Juni 2026

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert