Ensemble Clazzic – eine Reise durch zwei Musik-Galaxien

Interview, Ensemble Clazzic,  klassik-begeistert.de, 8. November 2021

Foto: © Copyright 2020 Ensemble Clazzic

Jazz und Klassik. Für viele wirkt das, als befänden sie sich auf einer Reise durch zwei verschiedene Galaxien. Dabei sind durchaus Schnittstellen vorhanden, wie Martina Silvester (Flöte) von Ensemble Clazzic im Interview mit Klassik begeistert verdeutlicht. Gemeinsam mit Susanna Klovsky (Klavier), Alex Bayer (Kontrabass) und Thomas Sporrer (Schlagzeug) vereinen die vier Musiker unterschiedliche Genres.

Interview: Jürgen Pathy

Wie würden Sie die Musik beschreiben, die sie mit Ensemble Clazzic machen?

Die Musik, die wir machen, lässt sich gut aus unserem Ensemblenamen und auch dem Titel unseres Albums ableiten: Wir wurzeln in der klassischen Musik, suchen aber die spielerische Begegnung mit anderen Musikstilen. Der englische Begriff „intersection“ gibt diesem Gedanken einen besonderen Raum. Unsere Musik möchte eben diesen Raum schaffen, in dem sich Musikstile begegnen, kreuzen, vermischen, überschneiden können und so neue Wege schaffen – und dies mit viel Spielfreude und Virtuosität.

Jazz und Klassik scheinen so fern. Wie kam es zur Idee, die Genres zu vereinen?

Johann Sebastian Bach wird oft als erster Jazz-Musiker bezeichnet. So weit sind Klassik und Jazz also gar nicht entfernt. Mozart, Beethoven, auch die großen Interpreten vergangener Epochen waren großartige Improvisateure. Bei unserer Musik geht es aber nicht primär darum, Jazz mit Klassik zu vereinen.

Copyright 2020 Ensemble Clazzic

Jazz ist ein Element, das in unseren Werken auftaucht – vielleicht neben der Klassik das am leichtesten erkennbare. Genauso machen wir aber Ausflüge zum Tango, Latin-Jazz, Funk, Pop oder auch zu den verrückten und für uns ungewohnten Taktwechseln, die man in der Musik der Balkanvölker oder der arabischen Musik findet.

The Clazzic Suite: Amadevans“ basiert auf dem ersten Satz von Mozarts Klaviersonate A-Dur. Anfangs, wo es noch in seiner puren, reinen Form zu hören ist, klar zu erkennen. Später allerdings nicht mehr so offensichtlich. Was ist das Mindestmaß, was vom Original erhalten bleiben sollte? 

„The Clazzic Suite“ ist ein Werk, das der israelische Komponist Uri Brener in engem Austausch mit uns für das Ensemble komponiert hat. Die Idee war es, die klassische Form einer Suite zu nehmen und jedem Instrument unseres Ensembles einen Satz auf den Leib zu schreiben.

Dafür haben wir zum einen Themen klassischer Werke genutzt, die man intuitiv mit dem jeweiligen Instrument verbindet, wie Mozarts Klaviersonate in A – Dur (Amadevans) oder Debussys Syrinx, ein Werk für Flöte solo (Syrinxation). Dem Satz „Saltarello“ liegt ein Troubadouren-Thema zugrunde und legt den Fokus auf das Schlagzeug.

„Funky Bird“, ein Satz, der auf Strawinskys Feuervogel basiert, lässt die Möglichkeiten eines Kontrabasses voll ausreizen. Die klassischen Vorbilder dienen also hauptsächlich als Themenspender für die Reise, auf die wir mit Ihnen gehen.

Titel wie „Amadevans“ oder „Walking Bachwards“ sind offensichtlich Wortspiele. Wie entstehen solche Titel? 

In „Amadevans“ vereinen sich Wolfgang Amadeus Mozart und die Jazzpianistenlegende Bill Evans, der diesem Satz auch Pate stand. „Walking Bachwards“ nimmt Anlehnung an den Walking-Bass im Jazz.

Viele Menschen, selbst Musikliebhaber, finden sich beim Jazz nicht zurecht! Gibt es irgendeinen Tipp, eine Stütze, an der man sich entlang hanteln kann?

In unserer Musik findet man rhythmische und harmonische Elemente des Jazz. Aber bevor man sich versieht oder verhört, vermischen sich diese schon mit vielen anderen Musikstilen. Wir haben bei unseren Konzerten festgestellt, dass ein breites Publikum sich für unsere Musik begeistern kann. Liebhaber verschiedener Musikstile finden hier einen Raum, in dem sie sich begegnen und austauschen können.

Klavier, Schlagzeug und Kontrabass bilden beim Jazz in der Regel die Rhythmusgruppe. Trompete oder Saxofon spielen die Melodie. Was macht den Reiz der Querflöte aus?

Es ist sicherlich leichter mit der Querflöte, die natürliche Assoziation mit dem Jazz aufzubrechen. Auch musikalisch ergeben sich durch die Vielseitigkeit und Eleganz der Querflöte andere Möglichkeiten. Die Querflöte ist das perfekte Bindeglied verschiedener Genres: ob Klassik, Jazz oder Tango – überall spielt die Querflöte eine wichtige Rolle.

Weil Corona noch immer aktuell ist: Wie beurteilen sie die Situation? Hat sie nur Nachteile oder können sie ihr etwas Positives abgewinnen?

Es ist generell unsere Einstellung, etwas Positives zu finden! Via Streamingkonzert, was ja leider unsere einzige Auftrittsmöglichkeit für einige Zeit war, konnten wir Menschen aus aller Welt erreichen. Wir hatten Zuschauer aus Israel, Holland, den USA, Frankreich und vielen anderen Ländern. Das war toll, unsere Musik mit so vielen Menschen zu teilen. Per E-Mail bekamen wir wunderbare Reaktionen!

Trotzdem kann das nie das Gefühl eines Livekonzerts ersetzen! Die Energie und die Reaktionen des Publikums zu spüren, haben wir sehr vermisst!!

Eine letzte Frage: Angenommen, es erscheint eine gute Fee. Diese erfüllt Ihnen drei Wünsche. Welche wären das?

  • Mit Bach eine Jamsession zu spielen!
  • In der Carnegie Hall mit Ensemble Clazzic aufzutreten
  • Alle Ziele und Ideen zu verwirklichen, die bisher noch in unseren Köpfen und Notizbüchern schlummern

Jürgen Pathy (Klassikpunk.de), 8. November 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Rezension: Ensemble Clazzic, Intersec#ionklassik-begeistert.de

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