David Afkham © Gisela Schenker
David Afkham kehrt nach Hamburg zurück, privat wie beruflich. In der wunderschönen Laeiszhalle dirigiert der in Bayern lebende Maestro Beethoven und Brahms, in der Hamburgischen Staatsoper sieht er mit Frau und Kindern Humperdinck, Ravel und Strawinsky. Dies nicht zuletzt, weil seine Gattin, die Sopranistin Christiane Karg, dort Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Hamburg war. Im Vorfeld des Konzerts haben wir über Glück hoch zwei, Kent Nagano und Meister Johannes gesprochen. Wir erfahren außerdem, was Maestro Afkham sonst noch in Hamburg macht.
Jörn Schmidt im Gespräch mit David Afkham (Teil 2)
klassik-begeistert: Ihre Position als Chef des Orquesta y Coro Nacionales de España in Madrid haben Sie an Kent Nagano weitergereicht. Welche Tipps haben Sie dem Kollegen mit auf den Weg gegeben?
David Afkham: Wir haben uns tatsächlich schon vor seiner Berufung kollegialiter ausgetauscht … Ich möchte das indes nicht Tipps nennen, sondern einen freundschaftlichen Austausch wie in jedem anderen Job auch. Wie die Musiker denken und fühlen, wer Ansprechpartner ist, Aufgaben jenseits der Musik. Unter anderem darüber haben wir gesprochen. Auch über potentielle Fettnäpfchen, in die man nicht treten möchte …
klassik-begeistert: Was war der größte bzw. wichtigste Meilenstein, den Sie in Madrid erreicht haben?
David Afkham: Wir hatten viele große und kleine Erfolge – Tristan, Elektra und Salome waren großartig. Wir hatten komplette Mahler und Bruckner Zyklen. Gerade waren wir bei den BBC Proms … Aber wenn Sie hören, wie Orchester und Chor heute klingen: Da steckt Schweiß und Blut drin … Darauf bin ich stolz!

klassik-begeistert: Warum haben Sie Ihren Vertrag dann nicht verlängert?
David Afkham: Gerade deshalb. Always stop at the top, das gilt auch hier. So habe ich die Möglichkeit, als Gastdirigent wie zu einer Familie zurückzukehren.
klassik-begeistert: Gibt es weitere Vorteile, jetzt erstmal ohne feste Verpflichtung zu sein?
David Afkham: Die administrativen Aufgaben eines Generalmusikdirektors nehmen mehr Zeit ein, als man denken sollte. Jetzt wieder mehr mit den unterschiedlichsten Orchestern zu arbeiten, das ist äußerst spannend.
klassik-begeistert: Im Mai 2027 kehren Sie mit Schumanns Das Paradies und die Peri zu Ihrem Ex-Orchester zurück. Sie haben dort Ihre Gattin, die Sopranistin Christiane Karg anzuleiten – sie übernimmt dabei die anspruchsvolle und zentrale Hauptpartie der Peri. Ist das eine Belastungsprobe für die Ehe oder Glück hoch zwei?
David Afkham: Das ist pure Freude … So haben wir uns übrigens kennengelernt, bei der Arbeit, durch die Musik. Das war eine Sternstunde: Christiane ist eine Ausnahmeerscheinung, als Künstlerin wie als Mensch! Ich denke, wir machen einen Familienausflug, unsere beiden Kinder nehmen wir auch mit nach Madrid.
klassik-begeistert: Diesen November führt Sie Ihr Weg in die wunderschöne Laeiszhalle. Wird das auch ein Familienausflug? Christiane Karg hatte dort ihren Karrierestart, als Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Hamburg …

David Afkham: Wir leben in Bayern, da sind dann noch Herbstferien. Daher: Ja, wir freuen uns zurückzukehren. Auch, weil meine Schwester dort lebt. Wir haben übrigens schon Opernkarten …
klassik-begeistert: Oh, was wird gegeben?
David Afkham: Auch weil wir mit unseren beiden Kindern anreisen: Dornröschen von Engelbert Humperdinck …
klassik-begeistert: Und für die Erwachsenen?
David Afkham: Wir werden dann noch L’enfant et les sortilèges von Maurice Ravel sehen. An dem Abend im Doppelback mit dem Ballett Petruschka von Igor Strawinsky.
klassik-begeistert: Was haben Sie noch so vor?
David Afkham: Hafen natürlich, mit den Kindern Miniatur Wunderland …Hamburg ist einfach eine wundervolle Stadt, ich habe viele zauberhafte private Erinnerungen an die Stadt. Als meine Frau dort Daphne gesungen hat, da saß ich mit unserem kleinen Sohn in den Proben.

klassik-begeistert: Brahms in der Laeiszhalle zu dirigieren, das ist für Sie business as usual – oder etwas ganz Besonderes?
David Afkham: Etwas Besonderes! Da ist erstmal der Klang des Hauses … ich habe dort bereits Brahms 2. Sinfonie dirigiert … Brahms klingt in der Laeiszhalle anders, bekommt noch mal mehr Sinn.
klassik-begeistert: Auf dem Programm steht auch Ludwig van Beethovens 3. Klavierkonzert, zu Beginn subito con forza von Unsuk Chin. Alle Werke sind in c-Moll. Das ist wohl Zufall?
David Afkham: Nein, das ist eine Hommage an Beethoven. Diese Tonart war für Beethoven ein Symbol für unausweichliches Schicksal und den Kampf damit.
klassik-begeistert: Apropos Beethoven – der Riese, den Brahms immer hinter sich marschieren hörte, wenn es darum ging, eine Sinfonie zu komponieren. Zum Glück hat er sich dann doch getraut … Warum aber hat Brahms keine Oper geschrieben, war da auch ein Riese im Spiel?

David Afkham: Ich hätte wirklich sehr gerne eine Oper von Meister Johannes gehört und dirigiert. Nehmen Sie nur sein Deutsches Requiem: Orchestrierung und Vokalbehandlung vom Feinsten. Oder seine Sinfonien: Allein, wie er die verschiedenen Themen der einzelnen Sätze verzahnt, deren Verwandtschaft offenlegt und das alles in einen ganz natürlichen Fluss bringt … An den Fähigkeiten, eine Oper zu schaffen, hat es keineswegs gefehlt.
klassik-begeistert: Dann bleiben ja nur noch profanere Dinge? Einfach keine Muße gehabt …
David Afkham: Vermutlich kann man eine Antwort an Brahms’ fast schon übergroßen Ansprüchen an die Qualität seiner Werke festmachen. Seine Messlatte lag sehr hoch … Möglicherweise hat er einfach kein Libretto gefunden, das ihm für eine Oper getaugt hat … Das könnte auch bei Bruckner der Fall gewesen sein, denke ich gerade.
klassik-begeistert: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Jörn Schmidt, 20. Oktober 2026, für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
kb im Gespräch mit Maestro David Afkham Dirigent, Teil I klassik-begeistert.de, 19. Oktober 2026
Benjamin Britten, The Turn of the Screw Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 21. April 2026
Interview: kb im Gespräch mit Kent Nagano, Teil I klassik-begeistert.de, 8. September 2025
Interview: kb im Gespräch mit Kent Nagano, Teil II klassik-begeistert.de, 9. September 2025
Interview: kb im Gespräch mit Kent Nagano, Teil III klassik-begeistert.de, 10. September 2025