Zubin Mehta © Monika Rittershaus
Konzert zum 90. Geburtstag von Zubin Mehta
Wolfgang Amadeus Mozart: Symphonie Nr. 40 g-moll
Ludwig van Beethoven: 7. Symphonie A-Dur
Staatskapelle Berlin
Zubin Mehta Dirigent
Staatsoper Unter den Linden, 3. Mai 2026
von Peter Sommeregger
Am Ende eint alle im Publikum der Wunsch, dass dies eine Würdigung, aber noch kein Abschied sein möge.
Die Prominentendichte im Publikum dieses Konzertes war ungewöhnlich hoch, auffällig unauffällige Männer in blauen Anzügen und weißen Hemden waren zum Schutz des anwesenden Bundeskanzlers eingesetzt, der nebst anderer Polit-Prominenz zu diesem besonderen Konzert erschienen war.
Anlass war der 90. Geburtstag des Dirigenten Zubin Mehta, einem der besten und international erfolgreichsten seiner Generation. Auch mit der Berliner Staatsoper und der Staatskapelle verbindet ihn bereits eine gut dreißigjährige Zusammenarbeit.
Dass Mehta zwei Symphonien der Wiener Klassik für diesen Anlass wählte, ist wohl auch seiner starken Verbundenheit mit diesen Komponisten geschuldet. Mehta ist, wie andere prominente Dirigenten seiner Generation, aus der Dirigenten-Schmiede von Hans Swarowsky hervorgegangen.
Mozarts Symphonie Nr. 40 ist die populärste aller g-moll-Symphonien, und Mehta verstand es, die zarte Traurigkeit des Andante in ihrer ganzen emotionalen Tiefe auszuloten. Sein Mozart ist delikat ausmusiziert, er arbeitet die Struktur des Werkes klar heraus, ohne sich zu sehr im analytischen zu verlieren.
Frenetischer Jubel des Publikums dankte es ihm. Leider ist Mehtas physische Befindlichkeit aktuell sehr reduziert, er ist auf den Rollstuhl angewiesen, aus diesem und auf das Podium müssen ihn zwei hilfreiche Geister unterstützen.
Seine emotionale Frische kann man dagegen nach der Pause bei der erst kurzfristig auf das Programm gesetzten 7. Symphonie von Beethoven bewundern. Seine Interpretation entfacht genau das in der Partitur angelegte Feuer, auch hier wird die Struktur des Werkes freigelegt und zu großer Wirkung gebracht. Es ist wieder das Andante, dem Mehta tiefe Nachdenklichkeit entlockt. Der virtuos gesteigerte letzte Satz wird mit donnerndem Jubel des Publikums quittiert. Zubin Mehta nimmt ihn gerührt entgegen, es ist deutlich zu erkennen, dass sein wacher Geist in krassem Gegensatz zu seiner Physis steht, diese aber durch sein großes künstlerisches Potential überwindet.
Am Ende eint alle im Publikum der Wunsch, dass dies eine Würdigung, aber noch kein Abschied sein möge.
Peter Sommeregger, 4. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta Musikverein, Wien, 22. Februar 2026
HHH 4: West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta Dirigent Wiener Konzerthaus, 8. März 2025