Leben in Zeiten der Krise: "Hamsterkäufer" ist für mich das Unwort des Jahres

Leben in Zeiten der Krise: „Hamsterkäufer“ ist für mich das Unwort des Jahres

Leben in Zeiten der Krise – klassik-begeistert-AutorInnen berichten….

Foto: klassik-begeistert.de-Herausgeber Andreas Schmidt bei HOFER (ALDI) in Wien am 16. März 2020

Wien, 5. Bezirk, 16. März 2020, 7 Uhr.

Morgens lese ich bei www.spiegel.de folgende Meldung:

„In Österreich wird das öffentliche Leben weiter drastisch eingeschränkt. Das Land müsse wegen der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 auf Notbetrieb heruntergefahren werden, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz auf Twitter mit. Für das ganze Land wurden zudem ab sofort Ausgangsbeschränkungen verhängt, erklärte Kurz der Nachrichtenagentur APA. Es gebe schon ab Sonntag Polizeikontrollen. Größere Gruppen, die sich etwa auf Spielplätzen ansammeln, würden aufgefordert, nach Hause zu gehen.

Kurz präzisierte damit einen neuen Maßnahmenkatalog vom Vormittag. Für Ausnahmen, das Haus zu verlassen, solle es nur drei Gründe geben: je nach Beruf nicht aufschiebbare Arbeit, notwendige Besorgungen oder Hilfe für andere Menschen. ‚Wer im dringenden Fall ins Freie möchte, der darf das ausschließlich alleine machen oder mit den Personen, mit denen er in der Wohnung gemeinsam zusammenlebt’, teilte er auf Twitter mit.“

Na dann mache ich doch mal eine „notwendige Besorgung“. Auf zum HOFER, so heißt im Land der Berge ALDI.

Um 7.40 Uhr stehen schon 50 Menschen vor der Hofer-Filiale in der Nikolsdorfergasse 7-11… Die Filiale öffnet mit 5 Minuten Verspätung. Die Leute haben es sehr eilig, drängeln aneinander vorbei. Nur wenige tragen Mundschutz, die Kassiererinnen auch nicht. Viele Waren sind nicht aufgefüllt worden…. Viele Ölsorten, Dosen mit Fertiggerichten, Mehl, Fisch – Fehlansage… Am Freitag und Samstag hatten die Leute viel eingekauft.

Ich kaufe für 80 Euro (in Deutschland müsste ich nur 60 Euro ausgeben) ein, was noch da ist… Nüsse nicht vergessen, Sugo, etwas Fleisch, Käse, Orangensaft, alkoholfreies Bier, Kartoffeln, Zwiebeln.

Bin ich nun ein „Hamsterkäufer“? Fast alle Menschen haben deutlich vollere Einkaufswägen als ich. Ich habe Verständnis dafür, kann die Ängste verstehen.

Meine Mutter und ihre Familie sind von Hamburg nach Pommern geflüchtet im Zweiten Weltkrieg und wieder zurück. Meine Oma von Pommern nach Hamburg. Mein Vater und seine Eltern auch. Die Geschichten von Wassersuppe, Kartoffeln und Steckrüben haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

Was man hat, das hat man, sage ich mir… Das hat nichts mit Ich-AG zu tun, sondern mit Realismus. Gerade Österreich könnte die drastischsten – also noch drastischere – Schritte in Europa einführen … siehe die Twitter-Meldung von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Und die meisten Länder werden folgen. Wie lange können wir noch frei und ungehindert einkaufen?

Ist das ein „Hamsterkauf“? – für mich das Unwort des Jahres

Ich kenne zahlreiche vor allem kriegsgeschädigte Menschen, die immer ! einen vollen Abstellraum und stets ! drei volle Gefriertruhen haben. Sind diese Senioren „Hamsterkäufer“?

„Hamsterkäufer“ ist für mich das Unwort des Jahres.

So… und jetzt erfreue ich mich erst einmal am Klavierspiel meiner Nachbarin, das durch die Wände dringt… Chopin, Nocturne op. 9, Nr. 1.

Andreas Schmidt, Herausgeber, 16. März 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

2 Gedanken zu „Leben in Zeiten der Krise: „Hamsterkäufer“ ist für mich das Unwort des Jahres“

  1. Lieber Andreas Schmidt,

    vor einigen Jahren hat unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel alle aufgefordert sich einen Vorrat für 14 Tage anzulegen.
    Jeder hat die Verpflichtung zur VORSORGE und damit zur EIGENFÜRSORGE.

    Anscheinend haben das viele nicht begriffen und nicht damit gerechnet, dass so etwas einmal wichtig sein wird.
    Daher jetzt diese „HAMSTERKÄUFE“!

    Im letzten Jahr hatten wir einen Kurzurlaub auf Sylt gebucht. Am letzten Sonntagabend hieß es in den Nachrichten, dass alle Urlaubsgäste unverzüglich die Insel verlassen sollen. Eigentlich ging unser Urlaub noch bis Donnerstag.

    Gleich kam uns der Gedanke, das sind Vorbereitungen für weitere Maßnahmen.

    Am Montagmorgen haben wir uns mit vielen abreisenden Gästen mit 2 Stunden Wartezeit am Sylt Shuttle (Autoreisezug) angestellt. Heute morgen waren wir entspannt Obst und Gemüse einkaufen. Auch hier in den Geschäften waren die Regale mit Nudeln, Mehl und Toilettenpapier leer, was uns natürlich NICHT nervös macht.

    Etwas Positives kann ich für uns bemerken: ENTSCHLEUNIGUNG & GELASSENHEIT.

    Liebe Grüße von Maria und Rüdiger Schmidt, Niedersachsen

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