Gustavo Dudamel und seine New York Philharmonic im Musikverein: Mahlers Fünfte hat viel Luft nach oben

Mahler, Sinfonie Nr. 5, New York Philharmonic, Gustavo Dudamel  Musikverein Wien, 21. Oktober 2026

Gustavo Dudamel © Astrid Ackermann

Gustavo Dudamel und die New Yorker Philharmoniker gastierten mit Mahlers Fünfter Symphonie im Musikverein Wien. Musikalisch blieb der Abend weit hinter den Erwartungen zurück.

Musikverein Wien, Großer Saal, 21. Oktober 2026
New York Philharmonic
Gustavo Dudamel, Dirigent

von Jürgen Pathy

Mahlers Fünfte ist eine enorme Herausforderung. Salopp gesagt ist es ein wildes Durcheinander, das für manche keiner klaren Logik folgt. Dabei lebt diese Symphonie gerade von diesen Gegensätzen. Zwischen Wehmut und Ekstase entfaltet sich ein Drama, das erst durch eine schlüssige Interpretation zu einem großen Ganzen wird. Rund 70 bis 80 Minuten ein Schwenk durch Mahlers Gefühlsleben, der während der Entstehung seiner Fünften Alma Schindler geheiratet hatte.

Einige Baustellen im Orchester

Gustavo Dudamel und das New York Philharmonic fanden sich an diesem Abend in dieser Welt nicht zurecht. Es fehlte an musikalischen wie atmosphärischen Kontrasten, die eine Spannung erzeugen, die fesselt, mitreißt und mittrauern lässt. Dazu trug vor allem die Klangqualität des Orchesters bei. Dadurch blieb vieles von Mahlers emotionaler Vielschichtigkeit auf der Strecke.

Auf Dudamel, der erst seit September 2026 Chefdirigent ist, wartet viel Arbeit – vor allem im Tutti, beim Blech und bei Teilen der Holzbläser. Natürlich stellt die weltberühmte Akustik des Musikvereins auch höchste Ansprüche an ein Orchester und ist alles andere als ein Selbstläufer. Dass das Blech des berühmten US-Orchesters derart intonationsunsicher agierte, wie auch Teile der Holzbläser, war eine große Überraschung. Hinzu kam, dass Dudamel die Ironie und den Spielwitz bei Mahlers Fünfter etwas vernachlässigte.

Goldener Saal, Musikverein © Bwag/Commons

Einzig im Adagietto war etwas von Mahlers Wehmut zu spüren. Obwohl auch da einiges auf der Strecke blieb. Statt romantisch intensiv in dieser Inbrunst an Musik zu schwelgen und alles auszukosten, herrschte eher emotionale Zurückhaltung. Die ist hier fehl am Platz. Schwelgen, bis der Arzt kommt, muss das Motto sein.

Der Applaus spricht eine andere Sprache

Riesenapplaus zum Schluss, der vermutlich dem Weltruf des Dirigenten geschuldet war. Immerhin hatte Dudamel bei der Halbzeitshow des Fußball-WM-Finales 2026 einen Auftritt. Tiefer blickend: enttäuschend das Orchester – Lob gebührt zumindest den Celli, den Bratschen und teilweise den ersten Geigen, die als Einzige dem Ruf des Orchesters in puncto Qualität und Schönheit des Klangs standhielten; Dudamel solide.

Woher die Lobhudelei in manchen Tageszeitungen stammt, ist rätselhaft. Jeder, der dieses Blech, besonders die Solotrompete, lobte, hat entweder einer anderen Vorstellung beigewohnt oder den Hofknicks gemacht. Hofberichterstattung hat es schon immer gegeben.

Jürgen Pathy (klassikpunk.de), 26. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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