CD-Besprechung:
Mozart
Don Giovanni
Budapest Festival Orchestra
Ivan Fischer
Channel Classics CCS 49926
von Peter Sommeregger
Der ungarische Dirigent Iván Fischer gilt als Spezialist für den Komponisten Mozart. Frustriert durch die neue Ästhetik des Musiktheaters verweigert er sich inzwischen weitgehend dem Opernbetrieb. Alternativ hat er die Ivan Fischer Opera Company gegründet, mit der er stilreine Inszenierungen und Aufführungen erarbeitet.
Der Live-Mitschnitt einer „Don Giovanni“-Aufführung aus dem Teatro Olimpico in Vicenza vom Herbst 2025 ist ein sehr gelungenes Dokument von Fischers Mozartstil.
Mit dem von ihm gegründeten Budapest Festival Orchestra lotet er Mozarts Partitur detailreich aus, ohne Effekthascherei zu betreiben. Besonderen Wert scheint er auf die pointierte Wiedergabe der Rezitative zu legen, es gelingt ihm, diese endlich einmal als wichtigen Bestandteil der Arien herauszustellen. Für die Sängerbesetzung stand ihm ein vorzügliches Ensemble zur Verfügung, das mit Sicherheit sorgfältig ausgewählt wurde. Wer, wenn nicht Fischer wüsste genau, wie elementar wichtig das Harmonieren der einzelnen Stimmen in den Ensembleszenen der Opern Mozarts ist.
André Schuen verleiht seinem Titelhelden die Eleganz eines Adeligen, gleichzeitig aber auch die Umtriebigkeit eines Filous. Sein Diener Leporello wird von Luca Pisaroni deutlich proletarischer angelegt, der Unterschied wird speziell in den Rezitativen hörbar. Ebenso differenziert ist die akustische Unterscheidung zwischen dem bäuerlichen Masetto Daniel Noyolas und dem sonoren Commendatore Krisztián Csers.
Bernard Richter als Don Ottavio legt seine Partie betont lyrisch an, speziell in der zweiten Arie gelingen ihm die Koloraturen überzeugend.
Maria Bengtsson als Donna Anna und Miah Persson als Donna Elvira besitzen zwar ähnliche Stimmen, können aber durch sorgfältige Phrasierung die Unterscheidung durchaus unterstützen. Beide Leistungen lassen keine Wünsche offen.
Einen interessanten Kontrast bietet Samantha Gaul als Zerlina. Ihr heller, frischer Sopran erfreut nicht nur in den beiden Arien, er ist auch eine zusätzliche Farbe in den Ensembleszenen.
Orchester und Chor tragen ebenfalls wesentlich zum Gelingen dieser hochkarätigen Aufführung und Einspielung bei. Auf bereits angekündigte Produktionen des Figaro und der Zauberflöte darf man gespannt sein!
Peter Sommeregger, 31. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Budapest Festival Orchestra, Éva Duda Dance Company, Iván Fischer Opernhaus Bonn, 27. September 2025