Bryn Terfel dringt tief in die Psychologie des Boris Godunow ein

Bryn Terfel und Chor des ROH London © 2026 Mihaela Bodlovic

Zum dritten Mal führt das Royal Opera House Covent Garden den Boris Godunow in der Inszenierung von Richard Jones auf. Und zum dritten Mal singt der walisische Bass-Bariton Bryn Terfel die Titelrolle. Er ist ganz klar der Mittelpunkt dieses Abends, an dem er die Rolle des mörderischen Zaren mit stimmlicher Präsenz und viel Tiefgang in der Charakterisierung darstellt.

Modest P. Mussorgski (1839-1881)
BORIS GODUNOW
Oper in elf Bildern (Text vom Komponisten)

Revidierte Edition durch Michael Rot der Fassung von 1869

 Musikalische Leitung:  Mark Wigglesworth

Inszenierung:  Richard Jones
Bühne:  Miriam Buether
Kostüme:  Nicky Gillibrand

Orchester der Royal Opera

Royal Opera House, Covent Garden,  29. Januar 2026

von Jean-Nico Schambourg

Die Inszenierung von Richard Jones ist eine Koproduktion mit der Deutschen Oper Berlin und wurde zuerst 2017 in London gezeigt. Gespielt wird die Version von 1869 in elf Bildern. Diese Version spielt ohne den sogenannten “Polen-Akt” und endet mit dem Tod von Boris Godunow. Diese somit kürzere Oper wird in London an einem Stück ohne Pause gespielt. Das hält die Spannung beim Zuschauer hoch.

„Modest P. Mussorgski (1839-1881), Boris Godunow
Royal Opera House, Covent Garden, 29. Januar 2026“
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Eine Oper kehrt zurück: Und mit ihr eine ganze Biografie

CD/Blu-ray Besprechung:

„Morgiane“ steht stilistisch zwischen den Welten. Zeitlich angesiedelt irgendwo zwischen Verdi und Puccini, klanglich tief in der französischen Tradition verwurzelt. Man hört Offenbach, man hört Massenet, man hört die große Opernmaschine mit Chor, Ensembles und orchestraler Farbenlust. Gleichzeitig gibt es etwas Eigenwilliges, ja Stures an dieser Musik. Sie will nicht gefallen um jeden Preis.

Edmond Dédé
Morgiane, ou Le sultan d’Ispahan

Delos, DE3628

von Dirk Schauß

Was wäre gewesen, wenn man Edmond Dédé gehört hätte, als er noch lebte?

Delos veröffentlicht gemeinsam mit Opera Lafayette und OperaCréole die erste vollständige Einspielung von „Morgiane“, der frühesten erhaltenen Oper eines schwarzen amerikanischen Komponisten. Keine Wiederentdeckung im musealen Sinn, sondern eine echte Offenbarung. Denn dieses Werk war nicht verschollen, weil es schwach war. Es war unsichtbar, weil sein Schöpfer es war. „CD/Blu-ray Besprechung: Edmond Dédé Morgiane, ou Le sultan d’Ispahan
klassik-begeistert.de, 30. Januar 2026“
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Marina Viotti demonstriert ihre stimmlichen Qualitäten im barocken Repertoire

 

CD/Blu-ray Besprechung:

Marina Viotti   Prime Donne

Vivaldi  Porpora  Porta
Andrés Gabetta

Orchestre de l’Opéra Royal

CVS 157

von Peter Sommeregger

 Marina Viotti entstammt einer hoch musikalischen Schweizer Familie. Die Tochter des Dirigenten Marcello Viotti und Schwester des aufstrebenden Lorenzo Viotti studierte zunächst Philosophie, Literatur und Flöte, ehe sie sich zur Ausbildung ihrer Stimme entschloss. In den letzten Jahren nahm ihre Karriere an Fahrt auf, inzwischen singt sie an ersten europäischen Opernhäusern. „CD/Blu-ray Besprechung: Marina Viotti  Prime Donne
klassik-begeistert.de, 30. Januar 2026“
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DIE FREITAG-PRESSE – 30. JANUAR 2026

Symphoniekonzert IV | 27. Januar 2026 | Philharmonie Berlin, Dani Juris, Nikola Hillebrand, Christian Thielemann, Samuel Hasselhorn © Stephan Rabold

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DIE FREITAG-PRESSE – 30. JANUAR 2026

Thielemann begeistert mit dem „Deutschen Requiem“ von Brahms: „Aber des Herren Wort bleibet in Ewigkeit“
Christian Thielemann am Pult formte die einzelnen Abschnitte des Werkes ganz individuell, baute Spannungsbögen auf, und arbeitete klug Höhepunkte, wie „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ mit enormen Steigerungen heraus, um dann auch wieder zu sanfteren Tempi und Lautstärken zurückzukehren.
Von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

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Musik als Hoffnungsträger: Kian Soltani  lässt das Cello singen – und Mahler strahlt

Kian Soltani © Marco Borggreve

Dieser Abend zeigte, was möglich ist, wenn Neugier, Können und Vertrauen zusammenfinden. Kian Soltani überzeugte als Solist mit innerer Haltung. Cristian Măcelaru bewies seine besondere Nähe zu Mahler und zum Orchester. Und das WDR Sinfonieorchester Köln spielte mit einer herrlichen Hingabe, die ansteckte. Musik kann die Welt nicht verändern. Aber sie kann für ein paar Stunden zeigen, wie sie sein könnte.

Pjotr I. Tschaikowsky – Nocturne d-Moll CS 349 für Violoncello und Orchester, Bearbeitung des Nocturne cis-Moll op. 19,4 CS 115 (1873)

Pjotr I. Tschaikowsky – Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 CS 59 für Violoncello und Orchester

Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 5 in cis-Moll (1904)

Kian Soltani, Solist

WDR Sinfonieorchester
Cristian Măcelaru, Dirigent

Alte Oper Frankfurt, 28. Januar 2026

von Dirk Schauß

Es gibt Konzertabende, die mehr wollen, als ein Programm korrekt abzuspielen. Abende, die innere Prozesse sichtbar machen, ästhetische Haltungen offenlegen und Persönlichkeiten sprechen lassen. Dieser gehörte dazu. In der Alten Oper Frankfurt verbanden sich russische Spätromantik und sinfonischer Aufbruch, intime Rentabilität und orchestrale Wucht. Das WDR Sinfonieorchester Köln unter Cristian Măcelaru begegnete mit Kian Soltani einem Solisten, der Musik nicht ausstellt, sondern befragt. Tschaikowsky und Mahler erschienen dabei nicht als historische Monumente, sondern als Suchende. „Kian Soltani, Solist, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru
Alte Oper Frankfurt, 28. Januar 2026“
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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 29. JANUAR 2026

Maria Nazarova (Adina), Edgardo Rocha (Nemorino, li.) und Stefan Astakhov (Belcore) in „L’elisir d’amore“ © Wiener Staatsoper / Michael Poehn

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DIE DONNERSTAG-PRESSE – 29. JANUAR 2026

Wien
Und wieder einmal rettet Otto Schenk den Opernabend (Bezahlartikel)
Eine durchschnittliche Aufführung von „L’elisir d’amore“ an der Staatsoper brachte mehrere Rollendebüts. Er zupfte an der Krempe seines Huts herum, drehte ihn ungeschickt in den Händen – und wusste scheinbar nicht, wohin er zuerst blicken sollte: Gleich die ersten Minuten der Oper „L’elisir d’amore“ von Gaetano Donizetti gaben am Dienstagabend in der Wiener Staatsoper eine Kostprobe der Darstellungskunst von Edgardo Rocha. Der Tenor, der in der Rolle des Nemorino erstmals am Haus zu sehen war, war derart überzeugend in seiner Unbeholfenheit und Unsicherheit, dass man seine Figur sofort liebgewann (hier auch ein Kompliment an jene, die Otto Schenks Inszenierung stets einstudieren).
DiePresse.com

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Ich entdecke hörend den wunderbaren Klang der kompositorischen Gegenwart

Schlussapplaus für das ensemble oktopus © Gregory Giakis

Zeitgenössische Musik inklusive zweier Uraufführungen unter Anwesenheit von vier Komponistinnen und Komponisten im Saal. Ich stimme dem anwesenden Komponisten Markus Hechtle zu: er konstatiert „unfassbar hohes Niveau“. Was für ein großartiger Abend!

Interdisziplinäre Signale 2 – Impression 2

ENJOTT SCHNEIDER (Deutschland)
»Obscuriatas. Traumbild« arrangiert für Tenor-Hackbrett und Elektronik (2016/2026)

VASSILIKI KRIMITZA (Griechenland)
»Frozen Sea« für Ensemble (2026, UA, Auftragskomposition der Christoph und Stephan Kaske Stiftung)

MISSY MAZZOLI (USA)
»Ecstatic Science« für Ensemble (2016)

MARKUS HECHTLE (Deutschland)
»Blinder Fleck« für Ensemble (2005)

JUDIT VARGA (Ungarn)
»The Centipede Dances« für Ensemble (2026, UA, Auftragskomposition der Christoph und Stephan Kaske Stiftung)

Tutti-Improvisation des ensemble oktopus mit dem griechischem Laute Spieler und Workshop-Gast Vasilis Kostas

ensemble oktopus
Leitung: Konstantia Gourzi

Reaktorhalle, München, 27. Januar 2026

von Frank Heublein

An diesem Abend führt das ensemble oktopus, ein Ensemble der Hochschule für Musik und Theater, in der Reaktorhalle in München das Programm „Interdisziplinäre Signale 2 – Impression 2“ auf. Zeitgenössische Musik auf höchstem Niveau unter Anwesenheit von vier Komponistinnen und Komponisten im Saal. Nur Missy Mazzoli ist nach dem gemeinsamen Proben mit den studentischen Musikerinnen und Musikern bereits zurück auf dem Weg in die USA. „ensemble oktopus, Leitung: Konstantia Gourzi
Reaktorhalle, München, 27. Januar 2026“
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Karneval und Zarathustra – wie passt das zusammen?

Andrés Orozco-Estrada © Martin Sigmund

Deutsche Hoch- und Spätromantik gepaart mit modernen Klängen aus der Karibik. Was wie ein gewagtes Potpourri erscheint, wird in Köln Realität. Dass dies nicht nur Herausforderungen an das Publikum bedeutet, räumt der Wiener Dirigent Andrés Orozco-Estrada (48) von Anfang an ein. Auch er, der neue Generalmusikdirektor der Stadt Köln mit Wurzeln in Kolumbien, gesteht in seiner kurzen Einführung die Schwierigkeiten dieser Kombination. So stellt man sich direkt die Frage: Kann das überhaupt gelingen?

Gürzenich-Orchester Köln
Andrés Orozco-Estrada, Dirigent

Christiane Karg, Sopran

Ayanna Witter-Johnson – Bacchanale for orchestra (2025)

Richard Wagner – „Vorspiel“ und „Isoldes Liebestod“ aus „Tristan und Isolde“ WWV 90 (1857-65)

Richard Strauss – Schlussszene aus der Oper „Capriccio“ op. 85, TrV 179 (1942)

Richard Strauss – Also sprach Zarathustra – Tondichtung für großes Orchester op. 30, TrV 176 (1896)

Kölner Philharmonie, 27. Januar 2026

von Daniel Janz

Karibischer Karneval und Wagner – größer könnte der Kontrast nicht sein

Die Uraufführung des Abends stellt Andrés Orozco-Estrada als „spaßigen, erhebenden und energiegeladenen“ Ausdruck Karibischen Karnevals vor. Die in London geborene Komponistin und Sängerin Ayanna Witter-Johnson fühlt sich stilistisch eigentlich zwischen Soul, Hip-Hop und Reggae verankert. Die Britin jamaikanischer Herkunft kombiniert diese Genres aber auch mit Orchestermusik. Tatsächlich liefert sie mit „Bacchanale for orchestra“ ein stilistisches Mischwerk ab, das sowohl den vollen Klang des Sinfonieorchesters bedient, als auch die wilden Rhythmen Mittelamerikas.
„Gürzenich-Orchester Köln Andrés Orozco-Estrada, Dirigent, Christiane Karg
Kölner Philharmonie, 27. Januar 2026“
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Zum ersten Mal seit 1999: Die Wiener Philharmoniker verzaubern Tirol!   

Wiener Philharmoniker © scheffold-media

Gemeinsam mit Karina Canellakis und ihrer hauseigenen Solistin Albena Danailova brachten die Wiener Philharmoniker ihren verzaubernden Klang ins Festspielhaus auf der verschneiten Alpenwiese im malerischen Tiroler Erl. Insbesondere Beethovens zweite Sinfonie wurde zu einem der berührendsten Momente der jüngeren Konzertgeschichte.  

Wiener Philharmoniker

Albena Danailova, Violine
Karina Canellakis, Dirigat

Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven

Tiroler Festspiele Erl, 25. Januar 2026

von Johannes Karl Fischer

Erst zum zehnten Mal überhaupt in ihrer mittlerweile 180-jährigen Geschichte würden die Wiener Philharmoniker heuer im Bundesland Tirol konzertieren, verkündete Präsident Hans Peter Haselsteiner stolz bei seiner Einführungsrede. Nun ja, es gibt anderseits auch so einige Ecken der Welt, da würde man sich überhaupt mal ein einziges Konzert dieses einzigartigen Orchesters wünschen… und kann ganz nebenbei auch nicht mit dem Railjet Express einfach mal schnell in deren Sommerresidenz nach Salzburg fahren. Tiroler Luxusprobleme. A bisserl’ Lokalpatriotismus darf auch sein. „Wiener Philharmoniker, Albena Danailova, Violine, Karina Canellakis, Dirigat
Tiroler Festspiele Erl, 25. Januar 2026“
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DIE MITTWOCH-PRESSE – 28. JANUAR 2026

260124 Essen Philharmonie © John Halvdan Olsen-Halvorsen

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DIE MITTWOCH-PRESSE – 28. JANUAR 2026

Essen
Klaus Mäkelä und die Philharmoniker aus Oslo brillieren in Essen
Der freundliche Herr am Einlass könnte der jüngere Bruder von Pierre Boulez sein. Ein besonderes Konzert steht bevor: Lisa Batiashvili spielt Tschaikowskis Violinkonzert, begleitet von den wunderbaren Musikern des Oslo Philharmonic unter noch-Chef Klaus Mäkelä, der gerade 30 geworden ist.
Allesamt also gern gesehene Gäste an Rhein und Ruhr. Mäkelä, designierter Chefdirigent des Concertgebouworkest, kommt in zwei Wochen mit den Amsterdamern und am 19. März mit dem Orchestre de Paris nach Köln. Er wird zum Ende der laufenden Saison vorzeitig den Posten in Oslo für seine beiden Chefpositionen in Amsterdam und Chicago aufgeben, den in Paris ein Jahr später.
Von Dr. Brian Cooper
Klassik-begeistert.de

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