Gärtnerplatztheater © Frank Heublein
Das Führungstrio Köpplinger, Schreiner und Dubrovsky präsentiert die Spielzeit 2026/27 des Staatsheaters am Gärtnerplatz in München.
Rossinis „Reise nach Reims“, Gounods „Roméo et Juliette“, Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ und Delibes’ „Lakmé“ sind vier Opernneuproduktionen, die jeweils in originaler Sprache gesungen werden.
Für mich ebenfalls dazu gehört Leonard Bernsteins Opern-Einakter „Trouble in Tahiti“ des Opernstudios.
Als Operette wird neu inszeniert „Die Landstreicher“ von Carl Michael Ziehrer. Mit Thomas Zaufkes „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ eine Uraufführung und der europäischen Erstaufführung von Gary Barlows und Eliot Kennedys „Finding Neverland“ sind zwei neue Musicals am Start.
Zwei weitere Uraufführungen steuert das Ballett bei mit „Far West“ und „Buenos Aires 1940“. Dazu Konzerte, Specials, junges Theater, die neue Orchester-Akademie und als Krönchen einen Opernball mit Pfingstkomplettrahmenprogramm. Was für ein Füllhorn!
Staatstheater am Gärtnerplatz, München, 15. April 2026
von Frank Heublein
Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentieren Staatsintendant Josef E. Köpplinger, Chefdirigent Rubén Dubrovsky und Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner an diesem Mittag das Programm der kommenden Spielzeit 2026/27.
Insgesamt stehen neun Premieren an. Die Opern-Lastigkeit erklärt sich mit dem Blick auf ein ausgeglichenes Repertoire der vier Sparten Oper, Operette, Musical und Ballett, so Köpplinger. Drei Uraufführungen sind dabei.
Das Motto der Spielzeit 2026/27 am Gärtnerplatztheater kommt von Christian Morgenstern: „Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe“.
Köpplinger sagt in diesem Zusammenhang: „Die Kunst muss dafür sorgen, dass Schönheit in der Welt bleibt.“ Gerade in einer so unsicheren Welt mit einigen düsteren Bereichen. D’accord!
Vom Vergleichen von Inszenierungen hält Josef E. Köpplinger so wenig wie ich. Seine Begründung: Kunst soll für sich alleine stehen dürfen. Für ebenso wichtig halte ich, den Fokus darauf zu legen, Eindrücke zu beschreiben, mittels denen Sie erkennen können, ob das besprochene Stück Sie anmachen könnte. Ob sich ein Besuch genau dieser Produktion für Sie lohnt. Dazu triggert der Staatsintendant die versammelte Presse, Wiederaufnahmen zu besprechen. Die neuen Besetzungen zu sehen und zu hören und ihnen Raum zu geben in den Feuilletons.

Stücke werden nach meiner Wahrnehmung erstaunlich häufig parallel an einigen Häusern ins Programm gehoben. In diesem Fall kann es an möglichen Einspring-Potenzial-Überlegungen nicht liegen, denn im Gärtnerplatztheater spielt und singt ein hauseigenes Ensemble. Oder vielleicht ungewollt in die andere Richtung, das Gärtnerplatztheater als Sprungbett?
Gleich drei neue Tenöre bekommt das Haus, da sich drei Ensemblemitglieder auf den Weg zu neuen Sangesufern machen.
Die erste Premiere im Haus im Oktober 2026 jedenfalls ist „Die Reise nach Reims“ von Gioachino Rossini. Auch bei den Salzburgern Festspielen können Sie dieses Stück 2026 an Pfingsten und im Sommer besuchen. Regie in München führt Dirk Schmeding, in dieser Spielzeit inszenierte er „Der Liebestrank“ am Haus. Die musikalische Leitung hat Gastdirigent Enrico Lombardi inne.

Die komödiantische Operette „Die Landstreicher“ von Carl Michael Ziehrer aus dem Jahr 1899 feiert im November 2026 Premiere, Christiane Lutz’ erste Inszenierung für das Gärtnerplatztheater. Die musikalische Leitung übernimmt Michael Brandstätter, Erster Kapellmeister und Stellvertretender Chefdirigent.
Es folgt im Dezember Thomas Zaufkes Kammermusical „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, das auf der Studiobühne uraufgeführt wird. Ganz bewusst, da dieses Stück auch von der besonderen Nähe des Publikums profitiert.
Die erste Premiere des Jahres 2027 ist eine weitere Uraufführung, ein Westernballett mit Namen „Far West“, das von Mattia Russo, Antonio De Rosa / KOR’SIA entwickelt und kreiert und choreografiert wird. Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz wird in dieser Produktion geleitet von Gastdirigent Eduardo Browne. Ballettdirektor Schreiner sieht im Western ein unterrepräsentiertes Tanzgenre. Mal sehen, ob die Tänzerinnen und Tänzer schneller als ihre Schatten tanzen (und wenn ein Pferd mit von der Partie ist, heißt das dann natürlich Jolly Jumper). Ich werde, ich will das sehen. Klar, es wird anders als das von mir angesprochene Comic Lucky Luke von Morris.

Die Oper „Romeo und Julia“ von Charles Gounod ist für Köpplinger die stärkste des Komponisten. Diese Produktion können Sie ab März 2027 im Gärtnerplatztheater sehen und hören. Inszenieren wird Herbert Föttinger. Chefdirigent Rubén Dubrovsky steht am Pult. Ebenfalls im März kommt die Belcantooper „Lakmé“ (1883) von Léo Delibes zur halbszenischen Aufführung. Puppenkünstler Nikolaus Habjan führt zusammen mit dem von ihm kreierten Professor Julius Bienenzeisel durch die abenteuerliche Handlung. Sébastien Rouland dirigiert, die szenische Gestaltung verantwortet der Chefassistent des Hauses Alexander Kreuselberg.
Als europäische Erstaufführung hat das Musical „Finding Neverland“ von Gary Barlow und Eliot Kennedy im April Premiere. Der Staatsintendant verantwortet die Regie zusammen mit Adam Cooper, der Co-Regie und Choreografie übernimmt. Die musikalische Leitung hat Gast Andreas Partilla inne. Die Story ist die Entstehung der Figur und des Buches Peter Pan.
Nach einer längeren Premierenpause folgt im Juni Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“. Ein möglicher Grund für die angesprochene Pause könnte sein, dass auch der Chef (Staatsintendant) selbst kocht, also inszeniert. Seine pragmatisch-organisatorischen Überlegungen finde ich interessant. Hier: welche Orchestergröße passt in den Graben seines Theaters? Eins für den „Rosenkavalier“ nicht. Eins für die „Ariadne“ schon. Ein Auswahlkriterium für genau diese Oper. Musikalisch führt den Dirigierstab Michael Balke, Erster Gastdirigent des Gärtnerplatztheaters.
Mit „Buenos Aires 1940“ vollendet Karl Alfred Schreiner eine Trilogie. Die ersten beiden Teile heißen „Berlin 1920“ und „Chicago 1930“. Diese dritte und letzte Uraufführung der Saison erfolgt im Juli 2027. Chefdirigent Rubén Dubrovsky steht am Pult. Als Mensch mit argentinischen Wurzeln ist es für ihn eine besondere Produktion. Es erklingen unter anderem Astor Piazzollas frühe Werke des sinfonisch-tänzerischen Naturalismus und Alberto Ginasteras Kompositionen, die der argentinischen tänzerischen Volksmusik verbunden sind.

Daneben gibt es zahlreiche Wiederaufnahmen, insgesamt werden am Haus in der kommenden Spielzeit dreißig unterschiedliche Produktionen gezeigt. Darunter auch zwei Extras, auf die ich mich ganz besonders freue, die beiden Ballettspecials „Minutemade“ im April 2027 und „Sparks“ gegen Spielzeitende im Juli 2027. Eigentlich auch Premieren. Wie auch Anfang Juli 2027 Leonard Bernsteins Opern-Einakter „Trouble in Tahiti“ in der Regie von Fleur Snow als Finale des Opernstudios.
Konzerte zu den zwei Komponisten Richard Strauss und Béla Bartók, Operettengala, Open Air, die neue Orchester-Akademie neben dem Opernstudio, junges Gärtnerplatz Theater. Josef E. Köpplinger sagt, mehr geht nicht – aus organisatorischen Gründen: die drei verfügbaren Proberäume sind damit komplett belegt.
Die Stücke an neuen anderen Spielstätten zeigen wie etwa in Erl bei den Festspielen? Der dortige Intendant Jonas Kaufmann zeigt nicht nur die „Fledermaus“ Produktion des Hauses in Erl, sondern greift sich den Staatsintendanten auch gleich für eine Inszenierung, wo der Josef doch nur einmal pro Spielzeit fremdinszenieren darf. Ein guter Fang aus meiner Sicht. Das ginge produktionstechnisch. Das würde das künstlerische l’Equipe mitmachen. Doch das bühnentechnische Personal ist für derartige externe „Ausflüge“ zu klein. Volles Programm, volle Energie, viel Lust und…
… und ein Opernball im Gärtnerplatztheater zu Pfingsten am 15. Mai 2027!
Ein Fest für die Musik, die Kunst und das Leben unter dem Motto »Vive la Belle Époque!«.
Josef E. Köpplinger bedankt sich hier beim bayerischen Kulturstaatsminister Blume, denn auch finanziell muss dieser erste Anlauf grundausgestattet werden. Nicht nur ein Ball an einem Abend. Eine öffentliche Generalprobe zu günstigen Eintrittspreisen fürs knapp einstündige geplante Aufführungsprogramm am Vorabend. Zwei Aufführungen, eine des jungen Theaters und ein Hangover-Konzert am Pfingstsonntag. Am Pfingstmontag die Festivität abschließend eine Ottfried Fischer Hommage.
Wenn Sie selbst stöbern mögen, hier kommen Sie zum digitalen Spielzeitbuch. Die Usability finde ich nicht die allerbeste. Beim Scrollen reagiert die Seite eher träge. Nur immer weiter scrollen. Zwischen den Premiereninfos äußern sich die beteiligten Künstlerinnen und Künstler.
Frank Heublein, 15. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Franz Lehár, Der Graf von Luxemburg (1909) Gärtnerplatztheater, München, 27. März 2026, Premiere