Warum man öfter mal Dvořáks vergessene Sinfonien spielen sollte

Cornelius Meister © Sebastian Mare

Johannes Brahms
Klavierkonzert Nr. 1 d-moll op. 15

Antonín  Dvořák
Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 13

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Maxim Lando, Klavier
Cornelius Meister, musikalische Leitung

Alte Oper Frankfurt, 29. September 2025

von Dirk Schauß

Manchmal erwischt es einen eiskalt: Man sitzt im Konzert, halb erwartungsvoll, halb skeptisch, und plötzlich merkt man – hoppla, das klingt ja ganz anders, als erwartet. So ging es am Montagabend in der Alten Oper. Brahms’ erstes Klavierkonzert stand auf dem Programm, jenes Ungetüm, das schon Generationen von Pianisten die Schweißperlen auf die Stirn getrieben hat. Und ausgerechnet ein 23-jähriger Amerikaner, Maxim Lando, setzte sich ans Klavier, als ob er bloß einen alten Freund treffen wollte. Keine Anspannung, keine Spur von dieser steifen „Ich spiele jetzt ein Jahrhundertwerk“-Haltung. Sondern einfach: Musik machen. Punkt. „FOM, Maxim Lando, Klavier, Cornelius Meister, Dirigent
Alte Oper Frankfurt, 29. September 2025“
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Der BR Chor entzündet mein inneres Licht

Das Ensemble beim Schlussapplaus © Alexander Heinzel

Dieses Konzert entzündet einen wunderbaren zutiefst menschlichen Funken in mir. Voll von Wärme, Liebe, Schmerz, Erhabenheit und Zuversicht.

Missa Assumpta est Maria

Chor des Bayerischen Rundfunks
Akademie für Alte Musik Berlin
Denis Comtet  Leitung

Prinzregententheater München, 27. September 2025

von Frank Heublein

Alle Werke dieses Abends im Prinzregententheater in München singt der Chor des Bayerischen Rundfunks zum ersten Mal. Die Werke sind aus der französischen Hemisphäre. Im ersten Teil geht es vom Gregorianischen Gesang über Renaissance und Frühbarock bis hin zur Neuzeit. Zu Lebzeiten der flämischen Komponisten Jean de Ockeghem im 15. und Pierre de Manchicourt im 16. Jahrhundert war Flandern größtenteils französisches Hoheitsgebiet. Im zweiten Teil werden zwei Werke des Hochbarocks von Charpentier für den Sonnenkönig Louis XIV. aufgeführt. „Missa Assumpta est Maria/Denis Comtet Leitung
Prinzregententheater München, 27. September 2025“
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Ein Märchen-Klassiker im neuen Gewand lässt viel Raum für eigene Gedanken

Etwas Besseres als den Tod finden wir überall, Singspiel von Martin Heckmanns und Masha Qrella © Kaspar Wengenroth

Sie sind Esel Grau, Hund Schlau, Katze Schwarz und Huhn Kommun. Rein äußerlich sind sie die Bremer Stadtmusikanten aus dem Märchenbuch der Gebrüder Grimm. Doch die Vier auf dieser Bühne haben ihr Märchen-Gewand längst abgelegt und hadern nicht nur mit dem eigenen Schicksal, sondern mit dem der ganzen Welt. Und trotzdem singen sie und spielen sie, als ob es kein Morgen gäbe.

ETWAS BESSERES ALS DEN TOD FINDEN WIR ÜBERALL
Singspiel von Martin Heckmanns (Text) und Masha Qrella (Musik)

Mit Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin
(Absolventenjahrgang 2027)

Regie: Friederike Heller
Bühne und Kostüme: Sabine Kohlstedt
Live-Musik:

Masha Qrella (Gitarre & Gesang)
Andreas Bonkowski (Bass, Keyboard & Gesang)

Uraufführung am 23. September 2022 am Staatstheater Kassel
Berliner Erstaufführung am 20. September 2025 am Theater an der Parkaue

Theater an der Parkaue, Bühne 1, 29. September 2025

von Ralf Krüger

Esel Grau wurde geschunden von seinem Dienstherrn. Blutig ist sein Rücken und doch wird er dank Körperkraft und Stärke zum tragenden Fundament der Truppe. Hund Schlau ist von der Kette und vom Leben gezeichnet, macht aber seinem Namen alle Ehre. Er erklärt jedem, der es nicht hören will, und uns Zuschauern, wie diese Welt funktioniert. Katze Schwarz betrauert all die Verstorbenen und Vergessenen, die ihren Weg säumten. Sie verkörpert den Pessimismus in Perfektion. Und das bunte Huhn Kommun? Es konnte der Legebatterie entfliehen und sollte im Suppentopf landen! Nun steht es auf der tierischen Pyramide ganz oben und gibt lautstark die Richtung vor. „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall, Singspiel
Theater an der Parkaue, Bühne 1, 29. September 2025“
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Tobias Kratzer überzeugt mit einer intelligenten Inszenierung von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit seinem Dirigenten Omer Meir Wellber (Foto: RW)

Tobias Kratzer befasst sich wie in seiner Münchner Rheingold-Inszenierung mit dem Verlust des Glaubens in unserer einstmals durchgehend christlichen Gesellschaft. Kratzer zeigt die Lücken, die sich in uns auftun.

Das Paradies und die Peri
Weltliches Oratorium in drei Teilen (1843)
Komposition: Robert Schumann

Libretto: Emil Flechsig nach der Dichtung Lalla Rookh von Thomas Moore

Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung Omer Meir Wellber

Chor der Hamburgischen Staatsoper, Leitung Alice Meregaglia

Die Peri:  Vera-Lotte Boecker
Engel:  Ivan Borodulin,   Jüngling:  Lunga Eric Hallam,   Gazna:  Christoph Pohl
Sopran: Eliza Boom, Mezzosopran: Kady Evanyshyn, Alt: Annika Schlicht, Tenor: Kai Kluge

Premiere in der Hamburgischen Staatsoper, 27. September 2025

von Dr. Ralf Wegner

Eigentlich hatte ich nicht hingehen wollen, allein der Name des Stücks „Das Paradies und die Peri“ klingt sehr sperrig und das Schaubild einer Frau mit Engelsflügeln vor einer Müllhalde lud auch nicht dazu ein. Allerdings kamen wir ganz begeistert von Kratzers durchdachter Münchner Rheingold-Inszenierung zurück. Und da auch der dortige Ausstatter Rainer Sellmaier an der Peri beteiligt ist, besann ich mich eines anderen. „Robert Schumann, Das Paradies und die Peri
Hamburgischen Staatsoper, 27. September 2025 Premiere“
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Tobias Kratzer zündet den Hamburger Opernjubel

HSO Das Paradies und die Peri – Kai Kluge, Ivan Borodulin, Vera Lotte Boecker © Monika Rittershaus

Das Paradies und die Peri
Musik von Robert Schumann

Libretto von Emil Flechsig nach Thomas Moore

Hamburgische Staatsoper,  27. September 2025, PREMIERE

Zu Beginn seiner Hamburg-Ära stellt Tobias Kratzer mit einer genialen und wegweisenden Oratoriumsinszenierung samt rein inszenierten Buh-Rufen die Opernwelt auf dem Kopf! Auch die musikalischen Leistungen des Abends rechtfertigen die stehenden Ovationen. 

von Johannes Karl Fischer

Kaum war der letzte Akkord im Graben verklungen, schossen die ersten Zuschauer wie eine Mondrakete aus ihren Sitzen und eröffneten so die stehenden Ovationen für die erste Aufführung der Hamburgischen Staatsoper unter ihrem neuen Intendanten Tobias Kratzer.

Lange Zeit hielt ich das hiesige Publikum nicht zu solchen begeisterten Jubelstürmen fähig – Anekdoten aus der Hochzeit dieses Hauses schienen meinen Verdacht zu bestätigen. Und dann stand heute mit Robert Schumanns „Das Paradies und die Peri“ auch nun wirklich nicht das spannendste Werk der Opern- – Entschuldigung, Oratoriumsgeschichte – auf dem Programm. „Robert Schumann, Das Paradies und die Peri
Hamburgische Staatsoper,  27. September 2025, PREMIERE“
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Hamburg: Ranas Beethoven fegt die Elphi-Konkurrenz von der Bühne

Beatrice Rana © Marie Staggat

Letztes Jahr begeisterte Beatrice Rana bereits mit Ravel die Hamburger Elbphilharmonie, nun gastierte die Überflieger-Pianistin mit ihren schwungvollen Beethoven-Sound erneut in der Hansestadt. Auch die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ließ sich von diesem musikalischen Eifer in eine strudelhafte Brahms 4 mitreißen und sorgte für einen insgesamt umjubelten Konzertabend!   

Elbphilharmonie Hamburg, 29. September 2025

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Beatrice Rana, Klavier
Riccardo Minasi, Dirigent

Werk von Carl Maria von Weber, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms

von Johannes Karl Fischer

Zwei Abende, zwei Solisten, gleiches Werk, gleicher Saal: Während Stephen Hough vor genau zwei Wochen Beethovens 3. Klavierkonzert dezent, angenehm aber „erstaunlich zurückhaltend“ spielte, zündete Beatrice Rana heute aus diesen Noten ein regelrechtes Klavierfeuerwerk! „Beatrice Rana, Klavier / Riccardo Minasi, Dirigent
Elbphilharmonie Hamburg, 29. September 2025“
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Auf den Punkt 71: Riccardo Minasi hinterlässt erstmal eine Schneise der Verwüstung

Riccardo Minasi © Sophie Wolter

Ein Orchester ist dann ganz oben angekommen, wenn nicht die ganze Kraft dabei draufgeht, richtig zu spielen und seinem Dirigenten zu folgen. Sondern den ganzen Abend lang noch genug Körner hat,  um jeder  Note tief gefühlten Ausdruck abzuringen. Das macht jeden Klangkörper regelrecht zu einer Waffe.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Riccardo Minasi // Dirigent

Beatrice Rana // Klavier
Carl Maria von Weber //  Ouvertüre zu „Der Freischütz“ op. 77
Ludwig van Beethoven // Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37
Johannes Brahms // Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Elbphilharmonie, Großer Saal, 29. September 2025

von Jörn Schmidt

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist so eine Waffe. Und setzt die Waffen eines Orchesters höchst unterschiedlich ein, von zerstörerisch bis  bezaubernd. Oder auch karrierefördernd. Der finnische Dirigent Tarmo Peltokoski zum Beispiel ist seit 2022 Principal Guest Conductor der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

„Auf den Punkt 71: Riccardo Minasi
Elbphilharmonie, 29. September 2025“
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Jakub Józef Orliński rockt die Luxemburger Philharmonie

Jakub Józef Orliński © Laurent Humbert

Bei seinem diesjährigen Besuch der Philharmonie in Luxemburg präsentiert Jakub Józef Orliński sein Programm “#LetsBaRock”. Zusammen mit den Musikern Wojciech Gumiński am Kontrabass, Aleksander Dębicz am Klavier und Marcin Ułanowski am Schlagzeug begeistert Orliński ein sichtlich jüngeres Publikum als üblich bei klassischen Konzerten mit seinen modernen Interpretationen von Arien barocker Meister.

kub Józef Orliński & Aleksander Dębicz


Jakub Józef Orliński
Kontratenor
Wojciech Gumiński Kontrabass
Aleksander Dębicz Klavier
Marcin Ułanowski drums

Philharmonie Luxemburg, 29. September 2025

 von Jean-Nico Schambourg

Die Luxemburger Philharmonie steht kopf! Dies allerdings nicht allein aus der Sicht des polnischen Counter-Tenors, der neben seinen vokalen Kunstfertigkeiten auch körperliche Akrobatik präsentiert. Da wird neben gesanglicher Virtuosität kurz mal ein Salto rückwärts oder eine Breakdance-Einlage eingestreut.

„Jakub Józef Orliński & Aleksander Dębicz
Philharmonie Luxemburg, 29. September 2025“
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DIE DIENSTAG-PRESSE – 30. SEPTEMBER 2025

Foto: siko-kob-Jan Windszus

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE DIENSTAG-PRESSE –
30. SEPTEMBER 2025

Berlin/Tempelhof
Mahlers „Sinfonie der Tausend“ im Flughafen Tempelhof: Das Unbeschreibliche – hier ist’s getan
Der Komischen Oper Berlin sei für ihren Mut gedankt, ein Projekt dieser Größenordnung zu wagen. Der offensichtliche Erfolg ist der Lohn für diesen Mut und ein großer Teil des Dankes gebührt James Gaffigan, der souverän die Gesamtleitung handhabte. Ein Erlebnis!
Von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

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Die Oper Zürich begeistert mit klingendem Belcanto in der „Scala di Seta“

La scala di seta © Herwig Prammer

Ein gewöhnungsbedürftiges aber originelles Bühnenbild, zu viel Slapstick und eher dümmliche Späßchen aber vollendeter Belcanto in Rossinis selten aufgeführtem Frühwerk „La scala di seta“. Unter den hervorragenden sängerischen Leistungen ragte der herrliche wohlklingende Belcanto des Levy Sekgapane in der Rolle des Dorvil hervor. Das Zürcher Opernpublikum manifestierte ungeteilte Begeisterung.

Gioachino Rossini
La scala di seta

Musikalische Leitung: Leonardo Sini
Orchester der Oper Zürich

Inszenierung: Damiano Michieletto

Opernhaus Zürich, 25. September 2025
Wiederaufnahme

von Dr. Charles E. Ritterband

Rossini war erst 20 Jahre alt, als er 1812 den Einakter „Die seidene Leiter“ komponierte, eine musikalische Farce. Doch dieses Frühwerk weist bereits sämtliche Aspekte der burlesken Opern Rossinis auf, der ja als populärster Komponist seiner Zeit galt, als „Weltherrscher“, als „Napoleon der Musik“. „Gioachino Rossini, La scala di seta
Opernhaus Zürich, 25. September 2025“
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