Anspruchsvoller Schönberg und begeisternder Tschaikowsky mit Petrenko in der Philharmonie Berlin

Patricia Kopatchinskaja, Kirill Petrenko, Berliner Philharmoniker,  Philharmonie Berlin, 8. März 2019

Kirill Petrenko, © Wilfried Hösl
Philharmonie Berlin, 8. März 2019

Arnold Schönberg Violinkonzert op.36
Peter Tschaikowsky Symphonie Nr.5 e-Moll op.64
Patricia Kopatchinskaja Violine
Kirill Petrenko Dirigent
Berliner Philharmoniker

So schön kann Vorfreude sein! Kirill Petrenko, bereits seit einer gefühlten Ewigkeit designierter Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, hat sich seit seiner Wahl in dieses Amt 2015 in Berlin rar gemacht. Noch ist er in München an die Bayerische Staatsoper gebunden, aber ab der kommenden Saison 2019/20 teilt er seine Zeit zumindest zwischen München und Berlin.

Die Neugier und die Vorfreude darauf machen seine raren Auftritte in Berlin dadurch zu besonderen Ereignissen. So auch die Konzerte am 7., 8. und 9. März in der restlos ausverkauften Philharmonie. Das Programm, eine geschickte Kombination aus Moderne und traditionellem Repertoire, begann mit Arnold Schönbergs selten gespieltem Violinkonzert op.36., das die klassische dreisätzige Form besitzt, ansonsten aber alle Konventionen sprengt. Als Solistin konnte man die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja erleben, die als Spezialistin für die Moderne gilt, und ihrem Ruf mehr als gerecht wurde.

Tollkühn stürzt sie sich in ihren Solopart, der wohl zu den kompliziertesten der jüngeren Geigenliteratur zählt. Diese Zwölftonmusik ist nicht unbedingt das, was das kulinarisch verwöhnte Publikum in der Philharmonie besonders schätzt, aber die Brillanz und die Virtuosität, mit der hier musiziert wird, reißen das Publikum am Ende doch zu Beifallstürmen hin. Es ist immer wieder anrührend, wie Kirill Petrenko bescheiden den Applaus auf die Solistin und das Orchester lenkt. Hier ist kein diktatorischer Egomane am Werk, sondern einer, der das Musizieren als Teamwork begreift.

Tschaikowskys 5. Symphonie in e-moll ist ebenso wie die vorangegangenen ein biographisch bedingt hoch emotionales Werk. Eingeleitet durch einen düsteren Trauermarsch dominieren im gesamten ersten Satz  die dunkleren Farben. Das melodienreiche Andante cantabile wird immer wieder durch den Einbruch des „Schicksalsmotivs“ unterbrochen. Der dritte Satz, Valse überschrieben, schmeichelt mit eindringlicher Melodie. Im Finalsatz schließlich wird das Schicksalsthema hymnisch gesteigert zum finalen Triumphmarsch.

Petrenkos Dirigat zeichnet sich durch energische Straffheit aus, er verhindert so das Ausufern der streckenweise überbordenden Emotionalität der Musik. Das bekommt dem Werk sehr gut, so dicht strukturiert entfaltet es eine großartige Wirkung. Am Ende ist das Publikum völlig hingerissen, und feiert den Dirigenten wie einen Popstar. Auch die Musiker strahlen, man kann schon heute sehen, wie gut der Draht zwischen ihnen und Petrenko funktioniert und wie glücklich das Orchester über seine Wahl ist.

Peter Sommeregger Berlin, 10. März 2019, für
klassik-begeistert.de

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