Rundum schlüssig, rundum kindgerecht, rundum sehenswert: Die "Meistersinger" als Kinderoper

Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, Kinderoper,  Bayreuther Festspiele, 27. Juli 2019

Foto: © Andreas Schmidt

Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg
Kinderoper-Fassung von Katharina Wagner, Markus Latsch

Bayreuther Festspiele, 27. Juli 2019

von Dr. Gerald Hofner

Katharina Wagners Herzensprojekt geht in das 11. Jahr – die Kinderoper auf dem Grünen Hügel. Wie viele andere der Neuerungen unter der Leitung der Urenkelin Richard Wagners soll auch die Institution Kinderoper Wagners Werk aus der elitären Gesellschaft befreien, in der es lange Jahre feststeckte. Gegeben wird die Kinderoper traditionell in einer der Probebühnen auf dem Festspielgelände. Einfacher als in den Festspielen – und dennoch überraschend große Kunst.

Dieses Jahr wurden in der Kinderoper einmal mehr die „Meistersinger von Nürnberg“ gegeben. Vielleicht ist es dasjenige Werk Wagners, das sich am besten für eine Kinderoper eignet, ist in die einfache Story doch bereits im Original die Satire eingewoben. Und die Satire darf nun in der Kinderoper nach Herzenslust erschlossen und ausgebaut werden.

Die Reduktion der Meistersinger (Katharina Wagner, Markus Latsch) auf 80 kindgerechte, unterhaltsame Minuten kommt ohne Chor aus. Ansonsten weist sie alle musikalischen Elemente auf, die auch die großen Meistersinger haben – 13 Solisten, die auch einmal gemeinsam den Chor ersetzen, und ein romantisch besetztes Orchester. Und zusätzlich Elemente der Komödie.

Die Story wurde dann natürlich für Anfängerwagnerianer adaptiert. Die Liebesgeschichte um Eva (Christiane Kohl) und Stolzing (Vincent Wolfsteiner) als Kinderkömödie ist einfach sehenswert – und hörenswert. Vincent Wolfsteiner, der schon mehrfach in den Kinderoper-Produktionen am Grünen Hügel mitwirkte, durfte auch dieses Mal die großen Hits der Oper in wunderbar komödiantischer Weise darbieten, ideal ergänzt durch Armin Kolarczyk (Beckmesser) und Werner van Mechelen (Hans Sachs).

Die Regieführung nimmt die räumliche Begrenzung der Probebühne als Chance wahr und löst die Trennung von Orchester (kein Orchestergraben), Schauspielbühne und Publikum auf. Sowohl das Publikum wird kindertheatertypisch in die Handlung miteinbezogen, als auch der Dirigent Azis Sadikovic, und sein gewohnt zuverlässiges Brandenburger Staatsorchester Frankfurt (Oder), insbesondere die (wie kann es an der Harfe anders sein) bezaubernde Julia Gollner.

© Enrico Nawrath

Für Erheiterung sorgten daneben eingestreuter Nürnberger Dialekt, die Prügelszene als Kissenschlacht sowie das gemeinsame Aufwecken der eingeschlafenen Meistersänger („Wachet auf!“). Und natürlich das „Willkommen im Club!“ für Stolzing. Rundum schlüssig, rundum kindgerecht, rundum sehenswert.

Die Kinderoper der Bayreuther Festspiele wird immer in den ersten 10 Tagen der Festspielsaison gegeben (in 2019 noch bis zum 4. August). Die für Kinder kostenlosen Tickets erhält man über die BF Medien GmbH der Bayreuther Festspiele. Außerdem wird die Kinderoper auch wieder auf DVD erscheinen. Weitere Informationen hier: www.kinderoper.bfmedien.de

Dr. Gerald Hofner, 27. Juli 2019, für
klassik-begeistert.de

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