Das Theater an der Wien wagt einen einschneidenden Eingriff in den „Ring”

Richard Wagner, Die Ring-Triologie,  Theater an der Wien

Foto © © Werner Kmetitsch
Das größte Drama der Bühnengeschichte zerstückelt in eine Trilogie

Die Ring-Triologie
Theater an der Wien, 1. Dezember 2017
Musik und Text von Richard Wagner  – in einer Fassung von Tatjana Gürbaca, Bettina Auer und Constantin Trinks

von Jürgen Pathy

Unter der Regie von Tatjana Gürbaca bringt das Theater an der Wien eine Neuinszenierung des mächtigen „Ring des Nibelungen” von Richard Wagner auf die Bühne. Die gebürtige Berlinerin, von der Fachzeitschrift Opernwelt zur Regisseurin des Jahres 2013 gewählt, erweckt diesen gigantischen Opernzyklus zu neuem Leben – zusammen mit dem deutschen Dirigenten Constantin Trinks und der Dramaturgin Bettina Auer. Aus dem fünfzehn Stunden dauernden Original-Ring wird eine beinahe halbierte, neunstündige Neufassung zu sehen sein.

Im kleinen aber feinen Theater an der Wien, im 6. Wiener Gemeindebezirk, unweit des Wiener Naschmarkts, wird aus der Tetralogie eine Trilogie. Laut dem musikalischen Leiter Constantin Trinks, der 2017 den ECHO Klassik für seine Einspielung der Rott’schen Sinfonie erhielt, „büßt diese Fassung trotzdem nichts an Dramatik ein, die Wucht bleibt auf jeden Fall erhalten” – trotz kleinerer Orchestrierung.

Im Orchestergraben des 1129 Sitzplätze und 50 Stehplätze fassenden Hauses an der Linken Wienzeile gibt es schlichtweg keinen Platz für ein größeres Orchester! Mit circa 62 Musikern versucht der 42 Jahre alte Dirigent das scheinbar Unmögliche: die epochale Wirkung der Wagner’schen Musik trotzdem nicht zu kastrieren. Ob das mit folgenden Kürzungen gelingen wird, ist trotz seiner Euphorie fraglich: statt acht Hörnern nur mehr vier, zwei Harfen statt der üblichen sechs, zwei Klarinetten statt vier, eine Flöte weniger und die Streicher werden von sechzig auf circa vierzig Musiker reduziert.

In dieser Neuinszenierung verlagert die deutsche Regisseurin den Focus, weg vom göttlichen Herrscher Wotan, hin zur zweiten und dritten Generation der Halbgötter. Im Mittelpunkt der Handlung stehen: Am „ersten Abend” Hagen (Samuel Youn), Alberichs Sohn und der Mörder Siegfrieds; am „zweiten Abend” erleben die Zuschauer die Geschichte aus der Sicht des Siegfried (Heldentenor Daniel Brenna), der bei Mime – Alberichs Bruder – aufgewachsen ist; der „dritte Abend” liegt ganz im Focus von Brünnhilde (Sopranistin Ingela Brimberg), Wotans Lieblingstochter und Siegfrieds Geliebte.

Einige Figuren fallen der Kürzung komplett zum Opfer: Fricka, Freia, Donner, die drei Nornen und sieben der neun Walküren verschluckt das ehrwürdige Theater an der Wien! Das Publikum darf gespannt sein, wohin das führen wird.

Musikalisch wird es ein Potpourri aller vier Opern des „Rings” geben: „Hagen” wird eine Mischung aus dem „Rheingold” und der „Götterdämmerung”, „Siegfried” erklingt in einem Mix aus „Siegfried” und der „Götterdämmerung” und zu guter Letzt „Brünnhilde”, die aus der Musik der „Walküre” und der „Göttterdämmerung ” erwachen wird. „Die Götterdämmerung” soll jedoch in voller Originallänge zu erleben sein, lässt die enthusiastische Wagnerianerin Gürbaca durchblicken.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien sorgt für die Beschallung , der Arnold Schönberg Chor – der beste Chor der Welt – für die gesangliche Unterstützung des zerstückelten und verkleinerten Wagner’schen Meisterwerks.

Die Premieren starten: „Hagen” ab 1. Dezember 2017; „Siegfried” ab 2. Dezember 2017 und „Brünnhilde” ab 3. Dezember 2017. Es gibt noch vereinzelt Restkarten zu ergattern.

Für alle die zu Hause bleiben werden, sendet der Radiosender Ö1 jeweils ab 19:30 Uhr: „Hagen” am 8. Dezember 2017; „Siegfried” am 9. Dezember 2017; „Brünnhilde” am 10. Dezember 2017.

Jürgen Pathy (klassikpunk.de), 28. November 2017, für
klassik-begeistert.de

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