Camilla Nylund gelingt der Sprung zur dramatischen Brünnhilde

Richard Wagner Siegfried (1876)   Wiener Staatsoper, 30. Mai 2026

Foto: Siegfried Michael Schager (c) Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Der kräftige Applaus und der Jubel zu den Zwischenvorhängen
nach dem 1. und 2. Aufzug und zum Schluss zeigten einen beeindruckenden Abend.

Richard Wagner
Siegfried (1876)

Wiener Staatsoper, 30. Mai 2026

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Pablo Heras-Casado, der ein großes Orchester der Wiener Staatsoper leitete, entdeckt seine Liebe zu Wagner. Wir hatten ihn bisher als musikalischen Leiter sowohl von den frühbarocken Opern Monteverdis als auch von Ligetis „Le Grand Macabre“ (entstanden 1974 -1977) kennengelernt.

Es war die 31. Aufführung der 18 Jahre alten Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf. Bühne Rolf Glittenberg, Kostüme Marianne Glittenberg. Die Kostüme sind nichtssagend und die Bühnenbilder machten uns nicht recht glücklich. Schon damals arbeitete man mit „Wänden“, die teilweise gekippt werden. Auf diesen werden dann Tiere des Waldes, mit denen Siegfried nach seinen Erzählungen anstelle von Geschwistern und Freunden in Kontakt tritt, in Laufstellung und für unsre Blicke um 90 Grad gedreht statisch angebracht.

Siegfried (c) Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der Feuerwall, von Emil Pretorius in der vorletzten Inszenierung von 1957 noch so eindrucksvoll gestaltet, verliert durch einen bloßen roten Schein im Hintergrund seine bedrohliche Wirkung. Dafür ist die Personenführung, zum Beispiel die Begegnung des Wanderers mit Erda einprägsam. Zuerst befremdete uns die Erweckung Brünnhildes. Im Text ist von einem Helm und einer Ritterrüstung die Rede, von denen Siegfried zu befreien hat. Hier liegt Brünnhilde unter Schleiern, unter denen sie immer mehr hervorschimmert. Der Regisseur nimmt sich diese Freiheit und dadurch können wir besser mitleben.

Siegfried Nylund_Schager (c) Wiener Staatsoper /Michael Pöhn

Die Hauptrollen sind größtenteils mit reifen, erfahrenen Sängern besetzt. Mit Ausnahme von Andreas Schager, der zum dritten Mal an der Wiener Staatsoper den Siegfried gibt, waren die restlichen Teilnehmer alle an diesem Haus Rollendebütanten. Andreas Schager meisterte diese schwere Partie ohne den legendären Stephen Gould zu erreichen.

Gesanglich, aber auch von der Statur her in Augenhöhe Gerhard Siegel als Zwerg (!) Mime.

Auch Michael Volle als Wanderer wurde seinem guten Ruf gerecht. Georg Nigl verkörperte einen Alberich mit einem individuellen, anders als gewohnten Stimmklang. Die Tenor- und Baritonpartien klangen diesmal auffallend näher beisammen.

Von der Marie/Marietta in „Die tote Stadt“ über die „Agathe“ jetzt für uns der geglückte Sprung zur Brünnhilde im 3. Akt von „Siegfried“. Wir können Camilla Nylunds ausgezeichnete Kritiken als dramatische Sopranistin nachvollziehen.

Siegfried Volle-Lehmkuhl (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Schon vor zwölf Jahren bei den Salzburger Festspielen stellten wir bei der Annina im „Rosenkavalier“ weniger eine Verbindung zu einer Italienerin als zu der germanischen Erda her. Jetzt war Wiebke Lehmkuhl in ihrem Element.

Matheus França als Drache Fafner ließ einen gut ausgebildeten Bass zuerst aus dem Off erklingen, bewies jedoch auch auf der Bühne seine Mächtigkeit bis zum tiefen F.

Im Personenverzeichnis lesen wir: Stimme des Waldvogels. Wir kennen es aus eigener Erfahrung. Wir versuchten einen gefiederten Sänger vor unser Objektiv zu bekommen, doch er flatterte sofort wieder weg. In einigen Inszenierungen muss die Sängerin des Waldvogels auf der Bühne erscheinen und bekommt auch choreografische Anweisungen. Florina Ilie, als Najade uns bestens in Erinnerung und die kommende „Stimme vom Himmel“, Monteverdis „Euridice“ und Pamina, ließ ihren schönen Sopran unsichtbar erklingen.

Florina Ilie © Lukas Watzke

Enttäuscht waren wir, dass sie auch vor dem Vorhang nach dem 2. Aufzug fehlte und somit nicht wie Mime, Alberich und Fafner einen Einzelvorhang erhielt.

Lothar und Sylvia Schweitzer, 2. Juni 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Richard Wagner, Siegfried Staatsoper Unter den Linden, 10. Oktober 2025

Richard Wagner, Siegfried Bayreuther Festspiele, 29. Juli 2025

Richard Wagner, Siegfried Wiener Staatsoper, 25. Juni 2025

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