Salonen und die Philharmoniker brillieren bei Ravel und Sibelius

Rudolf Buchbinder und die Wiener Philharmoniker  Wolkenturm  Grafenegg, 3. September 2022

Foto: © Studio Iris – Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H.

Man kann froh sein, dass es Buchbinder tatsächlich schafft, Meisterensembles an Grafenegg zu binden. Und die wunderschöne Tradition des philharmonischen Konzertes dort weiterführt. Es war ein würdiges Finalwochenende des 15-jährigen Bestehens dieses Festivals – mögen noch viele Jahre folgen!

Wolkenturm  Grafenegg, 3. September 2022


Maurice Ravel: Le Tombeau de Couperin

Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur

Jean Sibelius:    Symphonie Nr. 2 in D-Dur op. 43

Solist: Rudolf Buchbinder, Klavier
Dirigent: Esa Pekka Salonen

von Herbert Hiess

Es ist noch gar nicht so lange her – im wunderschönen Monat Mai hatte das Oslo Philharmonic Orchestra und der Jung-Dirigent Klaus Mäkelä ihren großen Auftritt mit allen Sibelius-Symphonien im Wiener Konzerthaus (https://klassik-begeistert.de/oslo-philharmonic-klaus-maekelae-dirigent-wiener-konzerthaus-grosser-saal-22-mai-2022/).

Das Feuilleton überschlug sich mit Lobeshymnen und viele „jung gebliebene“ vor Begeisterung, der sich nicht alle vorbehaltlos anschließen konnten.

Nun hat diese Saison 2022 in Grafenegg bewiesen, dass bei Mäkelä in Sachen Sibelius noch sehr viel „Luft nach oben“ festzustellen war. Nach einer fulminanten 7. Symphonie unter Sir Simon Rattle und dem London Symphony Orchestra brillierte jetzt das Wiener Meisterorchester mit einer außerordentlichen Wiedergabe der berühmten 2. Symphonie und demonstrierte sprichwörtlich „wo der Bartel den Most holt“.

Unter dem 1958 in Helsinki geborenen Komponisten und Dirigenten Salonen zeigten die Philharmoniker, welches Klangreservoir in ihnen steckt. Egal, ob die seidenweichen Streicher, das strahlende Blech und die glitzernden Holzbläser – sie loteten Sibelius Klangwelt der 1902 uraufgeführten Symphonie unnachahmlich aus. War vielleicht der erste Einsatz des Sechs-Viertel-Taktes  der Streicher ein bisschen wackelig, steigerten sich die Musiker unter Maestro Salonen zu einem fulminanten Ende. Äußerst bemerkenswert hier der erste Oboist beim „Lento e soave“ im dritten Satz.

Vor der Pause tauchten die Philharmoniker in Maurice Ravels Klangwelt ein. Ursprünglich für Klavier in sechs Sätzen geschrieben, orchestrierte der französische Komponist dieses Werk für vier Sätze für Orchester.  „Tombeau“ bedeutet soviel wie Grabmal; also ist dieses Werk ein musikalisches Gedenken Ravels an den französischen Barockkomponisten François Couperin. Großartig, wie hier Ravel dieses Klangspektrum eingefangen hat – und ebenso, wie Salonen mit den Philharmonikern das in Goldklänge umgesetzt hat.

Esa-Pekka Salonen; Foto Patrik Klein

Vor der Pause kam dann Grafenegg-Intendant Rudolf Buchbinder nicht zu Wort – dafür aber ans Klavier. Mit dem Klavierkonzert in G präsentierte er seine unerschütterliche Virtuosität und meistert alle technischen Hürden bravourös. Was vielleicht wünschenswert gewesen wäre, dass er mehr die impressionistischen Eigenschaften des herrlichen Werkes hervorgekehrt hätte. Vor allem im zweiten Satz (Adagio assai) fehlt etwas das Cantabile, das Singende. Trotzdem eine Meisterleistung. Und diese kam auch vom Orchester unter Salonen; nur beispielhaft die unvergleichliche Harfensolostelle im ersten Satz oder im Adagio das phantastische Englischhorn-Solo.

Rudolf Buchbinder. Photo: Marco Borggreve

Man kann froh sein, dass es Buchbinder tatsächlich schafft, Meisterensembles an Grafenegg zu binden. Und die wunderschöne Tradition des philharmonischen Konzertes dort weiterführt. Es war ein würdiges Finalwochenende des 15-jährigen Bestehens dieses Festivals – mögen noch viele Jahre folgen!

Herbert Hiess, 4. September 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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