Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker: Stürmischer Auftakt einer Liebesbeziehung

Sonderkonzert Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, Strauss, Beethoven,  Philharmonie Berlin

Foto: Berliner Philharmoniker (c)
Philharmonie Berlin,
24. August 2018
Sonderkonzert Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko Dirigent
Richard Strauss  Don Juan op.20
Tod und Verklärung op.24
Ludwig van Beethoven Symphonie Nr.7 A-Dur op.92

von Peter Sommeregger

Der bereits 2015 zum neuen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker gewählte Kirill Petrenko hat sich seither in Berlin sehr rar gemacht. Seine Verpflichtungen als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München, wo sein Vertrag noch bis 2019/20 läuft, ließen ihm kaum Zeit, um in Berlin Konzerte zu leiten. In der heute begonnenen Saison wird er aber wenigstens zwei Konzertprogramme dirigieren.

Richard Strauss‘ rauschhafte Tondichtung Don Juan ist der perfekte Einstieg in den lange erwarteten, restlos ausverkauften Abend. Ein hoch konzentriertes und erwartungsvolles Publikum erlebt eine Interpretation der Extraklasse. Petrenko schmilzt am Podium förmlich dahin, wiegt sich im Takt der Musik, tanzt beinahe und gibt dabei gestochen scharfe, exakte Einsätze. Das in großer Formation angetretene Orchester folgt ihm willig und freudig. Manche Stellen des Werks meint man so noch nie gehört zu haben, die Musik flirrt sinnlich und schäumt wie Champagner, trotzdem bleibt alles straff geführt und von schlafwandlerischer Präzision. Eingebettet in einen samtenen Streicherklang setzen die Bläser und das Schlagwerk farbige und brillante Akzente. Das Publikum ist schon nach diesem Stück aus dem Häuschen.

Es folgt Tod und Verklärung, ein gemesseneres Stück, mit großen Steigerungen, großflächig breit ausgemalten Streicherpassagen. Auch hier fasziniert Petrenkos Präzision und unbedingter Gestaltungswille. Nach dem gleißenden C- Dur Thema der Verklärungs-Apotheose in den Blechbläsern erneut frenetischer Jubel im Saal.

Höhepunkt des Abends war Beethovens 7. Symphonie, deren diffizile Architektur Petrenkos Dirigat einer sinnvollen, sich von Satz zu Satz steigernden, zwingenden Dramaturgie unterwarf. Das prägnante rhythmische Hauptthema des Kopfsatzes, das in den Flöten tänzelt, ehe es vom vollen Orchester aufgenommen wird, die sanfte Melancholie des Allegretto, Petrenko „tanzt“ es seinen Musikern förmlich vor. Schon im Scherzo steigert er das Tempo, um schließlich im Finale ein Feuerwerk zwischen Anklängen an Militärmärsche und ständigen dynamischen Steigerungen zu entfachen. Nach der krönenden Coda zum Abschluss dringt ein mindestens hundertstimmiger Bravoruf aus dem Publikum. Mit dieser Interpretation reiht sich Petrenko schlagartig in die große Beethoven-Tradition „seines“ Orchesters ein, und muss keinen Vergleich mit seinen großen Vorgängern fürchten.

Man begreift, dass dieser Abend wohl der Beginn einer neuen Ära für die Berliner Philharmoniker ist, gleichzeitig auch der stürmische Auftakt einer Liebesbeziehung zwischen Petrenko, dem Orchester und dem Berliner Konzertpublikum.

Peter Sommeregger, 24. August 2018 für
klassik-begeistert.de

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