Es spielt die Oud... und endlich, endlich herrscht mal wieder Ruhe im teuersten Konzerthaus der Welt

„Souvenance“, Anouar Brahem, Tallinn Chamber Orchestra, Risto Joost,  Elbphilharmonie, 5. Februar 2020

Elbphilharmonie, 5. Februar 2020
„Souvenance“

Anouar Brahem Oud
Tallinn Chamber Orchestra
Leitung Risto Joost

von Andreas Schmidt

Die Elbphilharmonie im Hamburger Hafen ist mit Baukosten von 866 Millionen Euro das teuerste Konzerthaus der Welt – finanziert ausschließlich von den Hamburger Steuerzahlern und ein paar Sponsoren. Am 25. Februar 2020 wird die weltbeste Sopranistin Anna Netrebko singen, gemeinsam mit ihrem musikalisch gesehen mittelmäßigen Gatten Yusif Eyvazov. Es ist eines der wenigen Konzerte im Großen Saal in der Elphi, die noch nicht ausverkauft sind…. es gibt noch Karten für bis zu 494,40 Euro – das ist selbst für die Reichen in einer der reichsten Städte der Welt zu teuer. Die Presse ist größtenteils von diesem „Event“ ausgeschlossen. Der Veranstalter Elbklassik Konzerte GmbH (eine Tochter der DEAG Classic AG) bemüht sich das Maximum herausholen…. Im vergangenen Sommer waren die teuersten DEAG-Anna-Karten noch um 70 Euro billiger.

Am Mittwoch dieser Woche konnte ich eine wunderbare Entdeckung in dieser Elphi machen. Nach drei mitunter leidgeprüften Jahren und mehr als 120 Konzerten, in denen kulturferne Menschen immer wieder laut störten, laut husteten, fotografierten, zwischen den Sätzen klatschten und vorzeitig das Konzert verließen, war es ein Abend vorbildlichen Verhaltens.

Da spielt der Tunesier Anouar Brahem auf der Oud, begleitet von einem Orchester, und die Menschen im Großen Saal lauschen gespannt und ruhig den Klängen dieses wunderbar weichen, sanften und herzöffnenden Instruments. Wer in Hamburg eine noch magischere Oud hören möchte, dem ist zu empfehlen, das Zwischenspiel zwischen den Akten der Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi anzuhören. Es spielt Abed Harsony in der Staatsoper Hamburg.

Foto: Anouar Brahem  Quelle: Elbphilharmonie Hamburg

Dass es nun plötzlich ruhig ist im großen Saal der Elbphilharmonie dürfte auch daran liegen, dass die Elphi-Macher – ENDLICH – dazu übergegangen sind, vor Konzertbeginn eine Lautsprecheransage im Saal erschallen zu lassen, in der um Ruhe gebeten wird und darum, die Handynutzung zu unterlassen und wenn möglich nur leise zu husten.

Im Namen zahlreicher Leser von klassik-begeistert.de und Klassik-Freunden, Dirigenten und Musiker aus der ganzen Welt bedankt sich der Herausgeber dafür, dass die schöne Elphi– ENDLICH – anfängt, auch beim Publikumsverhalten auf Exzellenz zu setzen und eine pseudodemokratische Verbrüderung mit klassikfernen, die große Mehrheit störenden Menschen ad acta legt.

Wie klassik-begeistert.de immer schrieb: Auch in einer Dorfkneipe und auf einem Fußballplatz gelten Regeln. Warum dann so lange nicht im teuersten Konzerthaus der Welt? In der Heimat des Generalintendanten Christoph Lieben-Seutter – im schönen Wien – wären die Musikliebhaber schon nach wenigen Tagen auf die Barrikaden gestiegen, wenn es ihnen zugemutet worden wäre, drei Jahre mit einem teilweise absolut kulturfernen, lauten, unruhigen Publikum teure Konzerte zu verbringen.

Der Tunesier Anouar Brahem ist neben dem Ägypter Mohamed Abozekry und Altmeister Rabih Abou-Khalil aus dem Libanon einer der großen Virtuosen auf der Kurzhalslaute Oud, die in der modernen arabischen Musikkultur allgegenwärtig ist. Auf seinen Alben stellt Brahem, 1957 in Tunis geboren, das ehemalige Begleitinstrument in den Mittelpunkt einer vielseitig inspirierten Musik zwischen arabischer Klassik, Folktraditionen und Jazz.

Andreas Schmidt, 8. Februar 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Anouar Brahem oud
Klaus Gesing bass clarinet
Björn Meyer bass
François Couturier piano
Tallinn Chamber Orchestra
Leitung Risto Joost
»Souvenance«

 

2 Gedanken zu „„Souvenance“, Anouar Brahem, Tallinn Chamber Orchestra, Risto Joost,
Elbphilharmonie, 5. Februar 2020“

  1. Statt einer Konzertkritik wieder nur das leidige Gezeter über sich schlecht benehmende Mitmenschen (und Baukosten und Ticketpreise, die niemanden mehr interessieren) – wirklich schade!

    Jessica

  2. Liebe Jessica,

    oui… die Baukosten kennen einige, mais non: Konzertpreise von 500 Euro pro Person sind weithin unbekannt und überaus berichtenswert für das komplett steuerfinanzierte Hamburger Konzerthaus, in das die meisten Hamburger Steuerzahler noch nicht einmal gekommen sind. Und das „Gezeter“ über die depperten Klassikbanausen in HH bleibt so lange aktuell, bis es einigermaßen zivilisiert zugeht im teuersten Konzertsaal der Welt… in dem es oft so schlimm zugeht. Aber jetzt scheint ja Besserung in Sicht in der Elphi… Die kurze „Kritik“ über das Konzert war indes überaus positiv. Herzlich, Andreas Schmidt, Herausgeber

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