Niemand singt die Tosca so intensiv, so gefühl- wie kraftvoll, so überirdisch und himmlisch wie Anja Harteros

Tosca, Giacomo Puccini, Anja Harteros,  Deutsche Oper Berlin

Foto: Anja Harteros und Andreas Schmidt (c), Herausgeber klassik-begeistert.de

Ein Hohelied auf die beste Tosca-Darstellerin der Welt

Tosca, Giacomo Puccini
Deutsche Oper Berlin, 4. Oktober 2018

„Vissi d’arte, vissi d’amore“ – „Ich lebte für die Kunst, ich lebte für die Liebe… keiner Seele tat ich je was zu Leide.“ So lauten die wunderschönen Worte in einer der schönsten Arien der Operngeschichte, gesungen von Tosca in der gleichnamigen Oper von Giacomo Puccini im zweiten Akt. An diesem Abend an der Deutschen Oper Berlin ist Anja Harteros die Tosca. Sie singt diese unsterblichen Worte. Und sie macht sich vor den 1850 Zuschauern an der Bismarckstraße – wie auch vor zwei Jahren im November 2016 – unsterblich.

Selten hat eine Sopranistin in der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt Berlin, jener gesegneten Hauptstadt mit drei phantastischen Opernhäusern, die Tosca so intensiv, so gefühl- wie kraftvoll, ja: so überirdisch und himmlisch dargeboten wie die 46 Jahre alte Deutsch-Griechin. Ihre tieferen Töne kamen butterweich und samten daher, die höheren waren von einer Strahlkraft getragen, die auf der Welt ihresgleichen sucht. Das war einsame Weltklasse!

Allein das „Vissi d’arte…“ war den Eintritt zehnfach wert. Wer diese Ausnahmeerscheinung, diese Primadonna assoluta, diese Sängerin der Sängerinnen, bei der 393. Aufführung seit der Premiere am 13. April 1969 gehört hat, der möchte sie immer wieder als Tosca erleben. Tickets ab 31 Euro gab es noch am Aufführungstag – auch so etwas gibt es nur in einer an klassischen Angeboten überbordenden deutschen Metropole wie Berlin. An der Wiener Staatsoper, einer von drei Opernhäusern in der 1,8 Millionen-Einwohner-Metropole an der Donau, wären beide Tosca-Aufführungen mit der Harteros Wochen vorher schon ausverkauft – und der Schwarzmarkt würde blühen.

Anja Harteros als Tosca in Berlin: Hier singt eine Sopranistin auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft, hier offenbart sich stimmliche Vollkommenheit und Genauigkeit und paart sich mit spielerischer Freude.

Anja Harteros war an diesem Abend stimmlich umwerfend, sinnlich, weich, aber auch kapriziös, manchmal mit angenehmer Schärfe in den Eifersuchtsszenen. Das „Vissi d’arte“ hatte an Wärme und Wohlklang nicht seinesgleichen.

„In der Tosca habe ich bei Anja Harteros immer den Eindruck, sie spielt sich selbst und ihre Erscheinung wird der großen Diva ja auch wahrhaftig gerecht“, sagte eine Berliner Opern-Begeisterte. „Sie ist eindeutig die schönste Tosca, die ich kenne. Sie ist für mich die einzige Sängerin, die zur Zeit das Prädikat ‚Primadonna assoluta’ verdient.“

Wer Anja Harteros an der Deutschen Oper Berlin verpasst hat, der kann sie in Deutschland in dieser Saison nur noch einmal als Tosca erleben: in ihrem Stammhaus, der Bayerischen Staatsoper in München, ab 4. Mai 2019. Sonst singt sie die Tosca noch ab 16. Mai 2019 in Paris.

Ich stimme den Worten von klassik-begeistert.de-Autor Sebastian Koik nach Harteros’ Auftritt in der Staatsoper Hamburg am 17. April 2018 voll zu: „Die Star-Sängerin spielt die Star-Sängerin. Es ist ihre Rolle: Anja Harteros ist als Floria Tosca eine Sensation! Besser als sie kann man diese Rolle nicht singen und spielen. Tosca ist eine der am häufigsten aufgeführten und meist besuchten Opern. Und niemand auf der Welt gibt diese leidenschaftliche, eifersüchtige und starke Bühnenfigur Tosca besser als die Deutsch-Griechin.

Beim ersten Auftritt löst sie in Sekunden Gänsehaut aus. Ihre ungemein dichten Höhen strahlen mannigfaltig, funkeln komplex und wundersam in viele Richtungen. Ihre Mittellagen und Tiefen sind ebenfalls vollkommen. Anja Harteros begeistert in der Staatsoper Hamburg mit Intensität, herrlicher Cremigkeit und exzellenter dramatischer Ausgestaltung und Nuancierung. Frau Harteros’ Stimme klingt golden und warm. Die Wunder-Sopranistin kann auch die höchsten Höhen sehr geerdet klingen lassen. Alles hat ein solides Fundament, alles ist genau richtig. Und alles klingt bei ihr absolut natürlich, sieht so unfassbar leicht aus. Anja Harteros‘ Tosca ist vollkommen souverän, von grandioser Selbstverständlichkeit … und unglaublich schön. Diese Frau kann alles. Ihre Sangeskunst ist ohne Schwächen.

Anja Harteros singt und redet wie eine Italienerin, sie bewegt sich wie eine temperamentvolle Italienerin, sie strahlt Leidenschaft, Feuer und Kraft aus, sie spielt die launische Diva mit Perfektion in jeder Geste, Toscas Eifersucht gestaltet sie bis ins kleinste Detail. Harteros wirft Blitze der Eifersucht in den Saal und füllt die Staatsoper bis in die kleinsten Winkel mit Tosca-Emotionalität.

Ihre Bühnenpräsenz ist gewaltig! Diese Frau hat Aura und verzückt in jedem Augenblick das Publikum, löst immer wieder Gänsehaut und Kälteschauer aus. Wenn diese Floria Tosca ihrem Mario am Ende erzählt, wie sie dem Peiniger Scarpia das Messer ins Herz stach, dann sind das nicht nur Worte! Es hört und fühlt sich an, als wäre man noch einmal dabei, wie sie Scarpia erdolcht, diesmal mit der gewaltigen Kraft ihrer Stimme.“

Andreas Schmidt, 6. Oktober 2018, für
klassik-begeistert.de

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