Diese „Götterdämmerung“ ist voller Schönheit – ein musikalisches Fest von kathartischer Wirkung

Foto: Wilfried Hösl (c)
Richard Wagner, Götterdämmerung
Bayerische Staatsoper, München, 11. Februar 2018

Von Sebastian Koik

Nina Stemme. Der Name löst bei Wagner-Freunden schon auf dem Papier schönste Erinnerungen und größte Vorfreude aus. Und die große Dame des Wagner-Soprans erfüllt die höchsten Erwartungen auch an diesem Abend wieder. Ihre Stimme ist groß, kraftvoll und ausdrucksstark. Es fasziniert, sie Schwierigstes singen zu hören – mit einem Gefühl von Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit. Ihre Stimme beherrscht jeden Moment und hat von der höchsten bis zur tiefen Lage souveräne Autorität. Nina Stemme ist eine sensationelle dramatische Sopranistin und ist als Brünnhilde zusammen mit Catherine Foster die Weltspitze. „Richard Wagner, Götterdämmerung,
Bayerische Staatsoper“
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"Siegfried" in München: Okka von der Damerau singt wunderschön erdig, Nina Stemme Weltklasse

Foto: Hösl (c)
Bayerische Staatsoper,
München, 3. Februar 2018
Richard Wagner, Siegfried  

von Tim Theo Tinn

„Dort wo die Brünste brennen“: Dahin will der Titelheld gemäß Richard Wagners Dichtung und Komposition „Siegfried“. Wird Brunst (geschlechtliche Erregtheit, Zeit der Paarung) im musikdramatischen Kampf um die Weltherrschaft zum beherrschenden Thema? Zumindest endet der zweite Tag des Bühnenfestspiels hier.

Der über fünfstündige Abend in der Bayerischen Staatsoper war in weiten Teilen großartig – die erfüllte inspirierende Dichte, das tiefensensible metaphysische Erfühlen in der vorangegangenen „Walküre“ erreichte den Rezensenten aber nicht in Gänze, bei aller Begeisterung. „Richard Wagner, Siegfried,
Bayerische Staatsoper“
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Madama Butterfly in München ist ein wertvoller Publikumserfolg

Foto: Hösl (c)
Bayerische Staatsoper, München, 24. Januar 2018
Giacomo Puccini: Madama Butterfly

von Tim Theo Tinn

Diese Inszenierung aus dem Jahre 1973 wurde vom Rezensenten vor etwa 25 Jahren einige Male beobachtet. Diese Fassung war schon damals in die Jahre gekommen, ambitionsfrei, aber handwerklich sauber vom ehemaligen Regieassistenten/Spielleiter Wolf Busse auf die Bühne gebracht: eine saubere Plattform im heute hausbacken wirkenden Farbambiente der 1970er-Jahre – braun bis ocker mit einem aufwendigen naturalistischen japanischen Haus in Nagasaki um 1900. „Giacomo Puccini: Madama Butterfly,
Bayerische Staatsoper“
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Eine Walküre der Superlative in München

Foto: Hösl (c)
Bayerische Staatsoper,
München, 19. Januar 2018
Richard Wagner, Die Walküre

von Tim Theo Tinn

Musiktheaterbesuche sind vitale Erlebnisse – da wollen auditive und visuelle Sinne angesprochen, angeregt werden – mit wachsendem Verständnis der Quantenphysik erlaubt man einen weiteren menschlichen Sinn: Körperempfindung, Tiefensensibilität, metaphysisches Erfühlen. Was löst Hören und Sehen aus? Münden diese formalen Wahrnehmungen in Empfinden – in unbewusst tiefem Empfinden?

Das war riesengroß – großartig – einzigartig! „Richard Wagner, Die Walküre,
Bayerische Staatsoper“
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Hier eine schnelle Pirouette, dort eine feine Drehung: Gouneo schwebt im Luftraum der Bayerischen Staatsoper wie ein farbenfroher Gasluftballon, der stetig in neue Sphären aufsteigt

Foto: Hösl (c)
Bayerische Staatsoper,
München, 5. Januar 2018
Yuri Grigorovich/Aram Chatschaturjan, Spartacus
Ensemble des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Karen Durgaryan
Osiel Gouneo (Spartacus); Jinhao Zhang (Crassus); Ivy Amista (Phrygia); Ksenia Ryzhkova (Aegina); Erik Murzagaliyev (Gladiator)

von Raphael Eckardt

Mit Yuri Grigorovichs „Spartacus“ läuft derzeit in München eine Ballettproduktion über die Bühne, die nicht nur im Süden Deutschlands auf sich aufmerksam macht. Dies liegt wohl nicht nur am mittlerweile auf Weltniveau agierenden Münchner Ballettensemble, sondern auch daran, dass man sich ausgerechnet im konservativen Bayern vor gut einem Jahr mit als erstes (westliches Opernhaus) getraut hat, dieses im Kalten Krieg entstandene, monumental-politische Werk ins Repertoire aufzunehmen. Die Geschichte des Sklaven Spartacus, der sich heldenhaft gegen seine Unterdrücker auflehnt und am Ende trotz unbändiger Tapferkeit doch unterliegt, kann durchaus als die einer ausgebeuteten Arbeiterschaft interpretiert werden, die im – dem kapitalistischen Westen trotzenden – Sozialismus hart für ihre Freiheiten kämpfen musste. „Yuri Grigorovich/Aram Chatschaturjan, Spartacus,
Bayerische Staatsoper, München“
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Puccinis "Il Trittico" in München: Der Bass Ambrogio Maestri rettet einen durchwachsenen Opernabend

Foto: Hösl (c)
Bayerische Staatsoper,
23. Dezember 2027
Giacomo Puccini, Il Trittico
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko

von Ulrich Poser

Götz Friedrich war bekanntermaßen genial. Seine Berliner Ring-Inszenierung aus dem Jahre 1984 mit dem berühmten Tunnel auch. Die Münchner Inszenierung von „Il Trittico“ mit dem daran angelehnten Minitunnel von Lotte de Beer und dem Bühnenbild von Bernhard Hammer konnte indes deutlich weniger überzeugen. Dunkel, phantasielos und kitschig. „Giacomo Puccini, Il Trittico, Kirill Petrenko,
Bayerische Staatsoper“
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Jonas Kaufmann brilliert als Andrea Chénier in der Bayerischen Staatsoper

Foto: Hösl (c)
Anja Harteros reicht derzeit keine Sopranistin das Wasser

Umberto Giordano, Andrea Chénier
Bayerische Staatsoper, München, 2. Dezember 2017

von Ulrich Poser

Schlechte Nachrichten gibt es leider genug. Aus diesem Grunde schreibt der Autor nichts über den anfänglichen „Schwabenterror“ im Parkett (“I woisch net, wiet Oper heißt, in der mer heit san”), über lautstarke Störungen liebenswerter, aber leider schon etwas seniler Zeitgenossen (“Ist das der Johann Kaufmann?”). Auch über das Einheitsgesicht der reifen Damen der Münchner Schickeria (“Grüßen Sie bitte Professor Mang ganz herzlich”) wird ebenso wenig geschrieben, wie über das unsagbar kindische Bühnenbild von Philipp Stölzl und Heike Vollmer: Fehlte nur noch eine Eisenbahn, und die Harz-Romantik wäre vollkommen gewesen; der Holzmichl lässt grüßen. „Umberto Giordano, Andrea Chénier,
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Ein südsommerlicher Abend von fantastischer musikalischer Klasse

Foto: Hösl (c)
Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra
Bayerische Staatsoper
, München, 30. November 2017

von Raphael Eckardt

Tragische Schicksalsschläge, zwielichtige Machtspiele, temperamentvolle italienische Familienstreitereien. Mit Giuseppe Verdis wohl düsterster Oper steht in München derzeit eine verheißungsvolle Produktion auf dem Spielplan, die einen südsommerlichen Abend im kalten deutschen November verspricht. Nicht zuletzt, weil Dmitri Tcherniakov eine alte Thematik als modernes, mafioses Machtspiel inszeniert. Mit jeder Menge Intrigen und einer gewaltigen Portion Spannung. „Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra,
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Anna Karenina:
Für Augen und Ohren ein Hochgenuss

Foto: Hösl (c)
Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina
Bayerische Staatsoper, München, 25. November 2017
Christian Spuck Choreographie

von Raphael Eckardt

Mit „Anna Karenina“ steht in München derzeit eine Ballettproduktion auf dem Spielplan, die rein themenbezogen aktueller kaum sein könnte: Eine Frau nimmt sich selbst ihre (auch durch andere Frauen erkämpften) Freiheiten und bringt damit die russische Gesellschaft gegen sich auf. Dass Leo Tolstoi bereits 1878 in seinem Roman „Anna Karenina“ auf derartiges Themenmaterial zurückgriff, zeigt nicht nur die scheinbare Zeitlosigkeit von Gesellschaftsproblemen in Osteuropa auf, sondern stellte an diesem Abend auch den Choreographen Christian Spuck vor eine Herkulesaufgabe. Denn: Besonders komplex ist Lew Tolstois Literatur zwar selten, aber durch ihre oft unüberschaubare Länge und schier endlose Anzahl von handelnden Personen ist sie als Bühnenspielumsetzung durchaus eine szenische Herausforderung. „Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Anna Karenina,
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Durch Anja Harteros erhält "Tosca" 100 Punkte mehr Lieblings-Oper-Potenzial

Foto: Hösl (c)
Silbriges Glänzen und #meetoo-Feeling

Giacomo Puccini – Tosca
Bayerische Staatsoper, 14. November 2017
Musikalische Leitung – Daniele Callegari
Inszenierung – Luc Bondy
Floria Tosca – Anja Harteros
Mario Cavaradossi – Joseph Calleja
Baron Scarpia – Željko Lučić
Cesare Angelotti – Goran Jurić
Bayerisches Staatsorchester
Chor, Kinderchor und Statisterie der Bayerischen Staatsoper

von Maria Steinhilber

München friert. Die oft so sonnige Stadt fröstelt sich von Akt zu Akt des Melodramas „Tosca“ von Giacomo Puccini. Das Libretto stammt von Giuseppe Gicosa und Luigi Illica. Grundlage der Oper ist das Drama „La Tosca“ von Victoire Sardou, uraufgeführt 1887. „Giacomo Puccini, Tosca, Anja Harteros, Joseph Calleja, Daniele Callegari
Bayerische Staatsoper“
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