Zwei unterschiedliche musikalische Welten prägen dieses Thielemann-Konzert

Thielemann, Buchbinder, Staatskapelle Berlin  Philharmonie Berlin, 8. September 2026

Christian Thielemann © Stephan Rabold 

Symphoniekonzert I

Staatskapelle Berlin

Wolfgang Amadeus Mozart, Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur
Anton Bruckner, Symphonie Nr. 4 Es-Dur

Christian Thielemann   Dirigent
Rudolf Buchbinder   Klavier

Philharmonie Berlin, 8. September 2026

von Peter Sommeregger

Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, mutiert am Flügel innerhalb weniger Minuten zu einem feurigen Jugendlichen, allerdings mit der Erfahrung und Souveränität eines langen Pianistenlebens.

Ziemlich genau einhundert Jahre liegen zwischen der Komposition der beiden Werke, die in diesem Konzert erklangen. Der spätbarocke Klaviervirtuose Mozart schuf mit seinem späten C-Dur-Konzert eines seiner populärsten Werke, das Andante daraus erkennt wohl jeder musikaffine Mensch sofort.

Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, mutiert am Flügel innerhalb weniger Minuten zu einem feurigen Jugendlichen, allerdings mit der Erfahrung und Souveränität eines langen Pianistenlebens.

Christian Thielemann gibt energische Tempi  in den Ecksätzen vor, zelebriert das wehmütige Andante aber gemeinsam mit Buchbinder als Kontrapunkt zu dem fröhlichen Grundton des Werkes. Das war Musizieren auf höchstem Niveau!

Rudolf Buchbinder wird stürmisch gefeiert, und liefert mit einer Zugabe, dem Finale aus Beethovens Sturm-Sonate, dem Publikum noch weiteren Grund zum Jubel.

Nach der Pause taucht man mit dem Dirigenten in seine spezielle Domäne ein, dem symphonischen Werk Anton Bruckners. Dessen vierte Symphonie, auch die „Romantische“ genannt, hat zeitlich noch nicht ganz das ausladende Format der späteren Symphonien, ist aber in ihrer Konstruktion bereits ein „typischer Bruckner“. Faszinierend immer wieder die majestätische Architektur dieser Symphonie, die beinahe sakrale Grundstimmung, die wohl der tiefen Gläubigkeit des Komponisten geschuldet ist.

Seit über zwei Jahren ist Thielemann nun der Chefdirigent der Staatskapelle, die er mehr und mehr nach seinen Vorstellungen formt. Sein Vorgänger Daniel Barenboim hat mit dem Orchester vor Jahren sämtliche Symphonien Bruckners für die Schallplatte eingespielt, aktuell setzt nun der neue GMD seine Akzente. Die langjährige intensive Beschäftigung mit dem Komponisten trägt reiche Früchte, führt auch zu einer permanenten Verfeinerung und Perfektionierung seiner Klangvorstellungen. Das erzeugt wunderbare Momente und Details, aber beinhaltet auch die Gefahr, an manchen Stellen zu überdehnen, den Fluss der Musik zu verzögern, und damit zu hemmen. Am Ende überwältigt Thielemanns „Bruckner-Kathedrale“ aber die so gut wie ausverkaufte Philharmonie, und animiert das Publikum zu minutenlangen Ovationen.

Peter Sommeregger, 9. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Johannes Brahms, Christian Thielemann, Augustin Hadelich Großes Festspielhaus, Salzburg, 22. August 2026

Richard Wagner, Das Rheingold II, Christian Thielemann Bayreuther Festspiele, 4. August 2026

Berliner Staatskapelle, Christian Thielemann, Igor Levit, Klavier Philharmonie Berlin, 19. Mai 2026

Brahms und Beethoven, Rudolf Buchbinder Wolkenturm, Grafenegg, 22. August 2026 

Rudolf Buchbinder, Klavier/Franz Schubert Musikverein, Wien, 26. Februar 2025

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