Foto: Rudolf Buchbinder © Marco Borggreve
Es ist ja mittlerweile allseits bekannt, dass der „Geburtshelfer“ des Grafenegg-Festivals genau zum zwanzigjährigen Jubiläum die Schlüssel an seinen Nachfolger Johannes Neubert übergibt. Aber die Intendanz aufzugeben heißt sicher nicht, dass Rudolf Buchbinder als Musiker aufhört. Und man kann nach diesem Konzert nur sagen – hoffentlich noch lange nicht!
Johannes Brahms:
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op.15
Ludwig van Beethoven:
Symphonie Nr. 3 Es-Dur op.55 „Eroica“
Rudolf Buchbinder, Klavier
Rotterdam Philharmonic Orchestra
Lahav Shani, Dirigent
Wolkenturm, Grafenegg, 22. August 2026
von Herbert Hiess
Ursprünglich sollte bei diesem Konzert das Israel Philharmonic Orchestra spielen aber aus „organisatorischen“ Gründen hatte das Spitzenorchester absagen müssen. Es würde nicht überraschen, wenn der Grund hierfür sicherheitspolitische Fakten waren.
Mittlerweile kritisch zu betrachten ist die Entartung der gegenwärtigen Cancel Culture, deren Auswüchse letztlich zulasten des Publikums gehen.
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Aber bleiben wir beim Konzert vom 22. August und dem Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der musikalischen Leitung von Lahav Shani.
Der in Israel 1989 geborene Dirigent und ausgebildete Pianist hat im Wolkenturm gezeigt, dass er Weltklasse-Format hat.
Er machte Brahms monströses Klavierkonzert Nr. 1 und Beethovens „Eroica“ zu einem echten Erlebnis.
Man hörte es schon bei der Einleitung; dem kräftigen d-Moll Akkord, der schon zeigt, wie das ganze Konzert laufen wird. Das knapp 50-minütige Werk ist sowohl für Pianisten als auch Orchester und Dirigenten eine Mammutaufgabe. Shani leuchtete gekonnt die klanglichen Schattierungen des Werkes aus und das ganze Spektrum vom dreifachen Piano bis zum dreifachen Fortissimo riss das Publikum förmlich mit. Traumhaft auch die Übergänge, die das Werk zu einem phantastischen Ganzen formte.

Rudolf Buchbinder, ein exzellenter Solist, lieferte auswendig mit traumhafter Sicherheit eine perfekte Interpretation. Und das Orchester war hier nicht nur ein Begleiter, sondern – wie auch von Brahms gedacht – ließ hören, dass das Werk eher eine Symphonie mit Klavierbegleitung ist.
Danach kam Beethovens „Eroica“; hier waren viele aus dem Publikum überrascht, dass das Trio des Scherzos die „Signation“ des Festivals ist; bedeutet man hört diese Phrase der Hörner bei jedem Ende einer Konzertpause.
Manchmal hat man den Eindruck, dass die Aufführung von Beethovens dritter Symphonie im Konzertbetrieb schon etwas abgenutzt ist– zumindest gewinnt man diesen Eindruck, bei manchen Interpretationen die man sich anhören muss. Nicht so bei diesem Konzert.
Hier überraschte Shani mit einer erfrischenden Sichtweise und trieb das Orchester zu Höchstleistungen an. Beeindruckend, wie er die Übergänge gestaltete und wie er Instrumente erklingen ließ, die man ansonsten nie hört – beispielsweise die beiden Klarinetten im ersten Satz.
Auch der fast formlose Trauermarsch (zweiter Satz) war immer für Überraschungen gut; und keinesfalls auch nur ein bisschen langweilig.
Die grandiose Oboe zeigte die Qualität des Orchesters. Der Oboist, der bis dahin schon brillierte, machte aus der Coda des Finalsatzes ein Erlebnis.
Buchbinders Nachfolger Johannes Neubert erhält hier von Rudolf Buchbinder ein wohlbestelltes „Haus“, das er aufgrund seiner langjährigen Professionalität sicher im Sinne Buchbinders so weiterführen wird.
Mit großer Freude übernimmt er diese Verantwortung, besonders für das Festival und das Publikum.
Herbert Hiess, 24. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
20. Grafenegg Festival, Beethoven und Carl Orff Grafenegg, Wolkenturm, 14. August 2026
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