Riccardo Muti holt mit Bruckner die Sterne vom Himmel

Bruckner 8, Wiener Philharmoniker, Riccardo Muti  Musikverein Wien, 4. Oktober 2026

Riccardo Muti, Neujahrskonzert 2025 © ORF 

Konzert der Wiener Philharmoniker am  4. Oktober 2026  im Musikverein Wien

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 8 in c-moll
Dirigent: Riccardo Muti

Als Vorbereitung für eine größere Tournee nach Japan und China fallen natürlich für das Wiener Publikum einige Konzerte ab. Und an diesem Wochenende gab es das Doppelkonzert (Samstag Nachmittag und Sonntag Vormittag); dieses Mal mit Anton Bruckners 8. Symphonie. Ein denkwürdiges Konzert, von dem man noch lange zehren können kann.

Bei Bruckners achter Symphonie liegt in Wien bei den Philharmonikern die sogenannte „Benchmark“ extrem hoch. Unvergleichliche Maestri wie Herbert von Karajan, Sir Georg Solti, Carlo Maria Giulini, Lorin Maazel oder Bernard Haitink setzten sich mit dieser Symphonie einzigartige Denkmäler, die wahrscheinlich nie zu übertreffen sind.

Doch Riccardo Muti gelang es, sich an diese Reihe anzuschließen. Man braucht sich nichts vormachen; die Szene der exzellenten Bruckner-Dirigenten ist – höflich gesagt – sehr übersichtlich.

Aber in Kombination mit diesem unvergleichlichen Orchester gelang eine veritable Sternstunde. Schon großartig, was für Facetten und Klangfarben der Maestro mit diesem Kollektiv hörbar macht. Da könnte man vieles aufzählen, was hier in schriftlicher Form sowieso nicht nachvollziehbar ist. Denn ein Klang ist für das subjektive Empfinden nicht beschreibbar. Da geht es nicht nur um gespielte Noten, die dieses Orchester sowieso perfekt kann. Vielmehr geht es um die einzigartigen Klangschattierungen und vor allem um die vielen, vielen Übergänge von den vielen Partiturpassagen bei Bruckner, die für so ein Ereignis mehr als notwendig sind.

Vor allem im berühmten Adagio gibt es einen Übergang nach dem anderen. In diesem Konzert war es eine Freude, das so perfekt  vernehmen zu können. In diesem monumentalen Satz mit einer Spieldauer von fast 30 Minuten gibt es ja in dieser Hinsicht viele Sollbruchstellen, die Riccardo Muti und das Orchester meisterhaft umwunden haben.

Großartig war im Scherzo (2. Satz), dass es fast wie ein Landler geklungen hat (was auch so sein sollte). Mit kräftigen Strichen der Celli und Kontrabässe vernahm man mit Freuden die ländliche Inspiration für den oberösterreichischen Komponisten Anton Bruckner. Endlich traut sich das so ein Maestro, was immer geflissentlich vermieden wird. Es herrscht ja bei vielen Dirigenten offenbar die Ansicht, dass man  die Landlerpassagen nivellieren muss. Nicht so bei Riccardo Muti; er betonte einige Stimmen zur Überraschung, die man bisher in vielen Aufführungen vermisst hatte; so die Fagottstelle im Scherzo (Allegro moderato).

Mehr als berührend die Stellen mit den Harfen (sowohl im Trio des zweiten Satzes als auch im Adagio). Muti machte hier das Zuhören zu einem wunderbaren Erlebnis.

Ja, wunderbar waren auch die großartigen Wiener Philharmoniker. Schon fast langweilig, dass man das immer wieder betonen muss. Das gehört halt zu einem Review. Phantastisch die Holzbläser, das exzellente Blech und und … Und zusätzliche waren hier auch Horntuben (auch Wagner-Tuben genannt) mit dabei, die in den letzten drei Symphonien von Bruckner ihren fixen Platz haben.

Also – es war ein Konzert der seltenen Spitzenklasse, das man sich merken sollte. Und Muti ist mit 85 Jahren nicht mehr der Allerjüngste. Da ist jede Gelegenheit, ihn live zu erleben, ein Muss!

Herbert Hiess, 4. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Giuseppe Verdi, Messa da Requiem, Riccardo Muti Dirigent Salzburg, Großes Festspielhaus, 16. und 18. August 2026

„Cantare amantis est“, Riccardo Muti, Leitung Palazzo Mauro de André, Ravenna, 1./2. Juni 2026

Wiener Philharmoniker, Riccardo Muti, Joseph Haydn Musikverein Wien, 21. Mai 2026

Kirsten Liese,  Maestro Muti klassik-begeistert.de, 18. August 2026

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