Der Wildschütz © Matthias Creutziger
In der heutigen Zeit wird „Spielopern“, wie „Wildschütz“, „Waffenschmied“, um einige aufzuzählen, oft nicht mehr der gebührende Platz im Repertoire der Opernhäuser eingeräumt. Sie gelten als altmodisch, verstaubt und nicht mehr zeitgemäß. Völlig zu Unrecht!
Diese Inszenierung aus dem Jahre 2015 beweist das muntere Gegenteil.
Semperoper Dresden, 24. Oktober 2026
Wiederaufnahme „Der Wildschütz“
Albert Lortzing Der Wildschütz
Komische Oper in drei Akten
Libretto vom Komponisten nach Der Rehbock oder Die schuldlos Schuldbewussten von August Friedrich Ferdinand von Kotzebue
Graf von Eberbach: Philipp Jekal
Die Gräfin: Kathrin Göring
Baron Kronthal: Maximilian Schmitt
Baronin Freimann: Maria Perlt-Gärtner
Nanette: Ekaterina Chayka-Rubinstein
Baculus: Georg Zeppenfeld
Gretchen: Louise McClelland Jacobsen
Pankratius: Gerald Hupach
Musikalische Leitung Christoph Gedschold
Sächsiche Staatskapelle Dresden
Inszenierung Jens-Daniel Herzog
Bühnenbild Mathis Neidhardt
Kostüme Sibylle Gädicke
von Henriette Müller
Regisseur Jens-Daniel Herzog hat sich mit viel Liebe diesem „Wildschütz“ gewidmet. Er zeichnet die unterschiedlichen Charaktere glaubhaft und unterhaltsam nach.
So kommen Spaß und Unterhaltung für das Publikum nie zu kurz. Publikumsliebling, und auch mein Favorit: Georg Zeppenfeld in der Rolle des Baculus! Zeppenfeld enttäuscht nie. Sein Repertoire ist breit gefächert. Der philosophische Hans Sachs, der dämonische Kaspar im „Freischütz“, der entsagende König Marke …

Aber auch im komödiantischen Fach ist der Sänger zu Hause. Dieser Baculus scheint für ihn komponiert worden zu sein! Seine ansteckende Spielfreude ist ihm ins Gesicht geschrieben. Sein makelloser, kräftig erklingender Bassbariton meistert diese Rolle sowieso mühelos. Hinzu kommt seine besonders gute Artikulation. Übertitel sind bei ihm überflüssig.
Louise Mc Clelland Jacobsen ist das perfekte Gretchen für diesen Baculus. Mit jugendlicher, frischer Stimme gestaltet die Sängerin ein munteres und durchaus selbstbewusstes junges Mädchen, das sich allerdings wohl lieber einen jüngeren Ehegatten erwählt hätte.
Maximilian Schmitt besitzt einen feinen, lyrisch gefärbten Tenor, der ihn aber auch Partien wie Hans (Verkaufte Braut) und Erik (Fliegender Holländer) glaubhaft gestalten lässt. Als Baron Kronthal zeigt sich seine Stimme von der verführerischen Seite. So gibt er alles, um seine Angebetete zu gewinnen.
In der Rolle des Grafen: Philipp Jekal. Er meistert diese Rolle stimmlich wie darstellerisch mühelos. Schade: Sein berühmtes „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ wurde von der Regie fast als Parodie angelegt. Jekal spielt gerade bei diesem Paradestück eines Sängers einen sturzbetrunkenen Grafen. So wurde eine große Chance vergeben, diese Rolle voll auszusingen.
Ich möchte keinesfalls die Leistungen Kathrin Görings und Maria Perlt-Gärtners schmälern! Beides sind hervorragende Sängerinnen, die über durchsetzungsfähige lyrisch-dramatische Stimmen verfügen. Auch darstellerisch gelingt es ihnen, zu punkten. Hier die lebensfrohe Baronin und andererseits die etwas exaltierte Gräfin.

In dieser Inszenierung hatte ich allerdings manchmal fast Schwierigkeiten, Baronin und Gräfin zu unterscheiden. Beide Rollen waren ähnlich angelegt, optisch wie stimmlich. Frühere gräfliche Sängerinnen waren meist im tieferen und dramatischen Stimmfach verortet. Aber vielleicht ist das inzwischen völlig überholt.
Die Staatskapelle mit Christoph Gedschold am Pult musizierte Lortzing wie „aus dem Bilderbuch“.
Der große Teil dieses Orchesters ist momentan mit Chefdirigent Daniele Gatti auf Europatour. Der daheimgebliebene, kleinere Teil ließ sich davon keinesfalls entmutigen. Schon die Ouvertüre war ein Genuss. Die Musiker spielten mit sehr viel Liebe zum Detail. Die tänzerischen Momente wurden bravourös hervorgehoben.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals so einen hervorragend musizierten Lortzing gehört zu haben.
Das Publikum dankte Dirigent und Orchester völlig verdient mit Bravo-Rufen.
Henriette Müller, 26. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Giuseppe Verdi, Un ballo in maschera Semperoper Dresden, 4. Oktober 2026
Albert Lortzing, Der Wildschütz, Staatstheater am Gärtnerplatz, München 23. Februar 2018