Bernard Haitink fasziniert mit seiner reifen Bruckner-Interpretation

Berliner Philharmoniker, Bernard Haitink, Paul Lewis,  Philharmonie Berlin, 10. Mai 2019

Foto: © Monika Ritterhaus

Philharmonie Berlin, 10. Mai 2019

Berliner Philharmoniker
Bernard Haitink Dirigent
Paul Lewis Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester B-Dur KV 595

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 7 E-Dur

von Peter Sommeregger

Ein Konzert unter der Leitung des inzwischen 90 Jahre alten Bernard Haitink besitzt durchaus Ausnahmecharakter und das ist nicht nur dem hohen Alter des Dirigenten geschuldet. Seit weit über 50 Jahren ist er regelmäßig Gast des Orchesters und hat es über diese Zeit verstanden, zu einer festen Größe, nicht zuletzt für die Symphonien Anton Bruckners zu werden.

Dass er bei diesem Konzert ein Klavierkonzert Mozarts der 7. Symphonie von Bruckner voranstellt, erscheint vielleicht ungewöhnlich, entbehrt aber nicht eines gewissen Reizes. Als Solist für das Klavierkonzert Nr.27 in B-Dur, Mozarts letztes Werk dieser Gattung, hat er den britischen Pianisten Paul Lewis, einen Schüler Alfred Brendels gewählt. Lewis, der zum ersten Mal mit den Berlinern konzertiert, erscheint schon äußerlich als introvertierter Typ, entsprechend gerät seine Interpretation verhalten und ist von großem Ernst geprägt.

Trotz dem freundlichen B-Dur fehlt auch diesem Werk Mozarts, speziell im langsamen Satz, nicht eine gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit, die der Solist stark ins Zentrum seiner Interpretation stellt. Als er dann als Zugabe ein kurzes Stück von Schubert wählt, stellt dies schon eine kluge Überleitung zu Bruckners monumentaler Symphonie dar.

Haitink, der seit Jahrzehnten zu Recht den Ruf eines der besten Bruckner-Dirigenten besitzt, ist hier in seinem Element. Vergessen der Gehstock, mit dem der Neunzigjährige bedächtig das Podium erklimmt. Gemessen und hoch konzentriert beginnt er die gewaltige Architektur dieser Symphonie aufzubauen. Er lässt die Musik fließen, lässt die Wendungen und Übergänge organisch entstehen. Nur allzu willig folgt ihm das Orchester, mit seinem Stil schließlich seit vielen Jahren vertraut.

Breit angelegt schon der erste Satz, feierlich und getragen. Das Adagio, geschrieben unter dem Eindruck des Todes Richard Wagners „zum Andenken an den hochseligen, heißgeliebten, unsterblichen Meister“ gerät in seinem entrückten, klagenden Grundton zum Höhepunkt des Abends. Das Scherzo und der Finalsatz sind im Gegensatz zu den meisten Symphonien Bruckners erstaunlich kurz gehalten, verfehlen aber in ihrer raffinierten Instrumentierung nicht ihre Wirkung.

Haitink hinterlässt tiefen Eindruck. Der begeisterte Applaus nach dieser Symphonie ist vielleicht nicht so heftig, wie man es von einem jüngeren Publikum für einen jüngeren Pultstar gewohnt ist, das ohnehin notorisch überalterte Publikum der Philharmonischen Konzerte scheint diesmal noch einen erhöhten Altersdurchschnitt aufzuweisen.

Es ist seine über die Jahrzehnte gewachsene Fan- Gemeinde, die mit ihm alt geworden ist. In der kommenden Spielzeit ist kein Konzert mit Haitink angesetzt, trotzdem hofft man, dass dieser Abend nicht die letzte Begegnung mit diesem großen Dirigenten war.

Peter Sommeregger, 11. Mai 2019, für
klassik-begeistert.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.