Sommereggers Klassikwelt 238: Anton Dermota war ein Pfeiler des Wiener Mozart-Ensembles

Foto: wikipedia.org

von Peter Sommeregger 

Bis heute ist zumindest allen geschichtsbewussten Wiener Opernfreunden der Name Anton Dermotas ein Begriff.

Geboren wurde Dermota am 4. Juni 1910 im heutigen Slowenien, damals noch Teil der Donaumonarchie. Er entstammte einer armen Familie, verdiente sich das Geld für ein Studium der Orgel und der Komposition am Konservatorium von Ljubljana mit Hilfsarbeiten. 1934 debütierte er am Theater von Cluj, und erhielt anschließend ein Stipendium für die Fortsetzung seines Studiums in Wien. Seine dortige Gesangslehrerin war Maria Radó. „Sommereggers Klassikwelt 238: Anton Dermota war ein Pfeiler des Wiener Mozart-Ensembles
klassik-begeistert.de, 5. Juni 2024“
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Auf den Punkt 13: An der Hamburger Staatsoper beweist Georges Delnon Stehvermögen und Matteo Beltrami verabreicht dem Laeiszhalle Orchester [sic] einen kräftigen Schluck reinsten Belcanto-Zaubertranks

Fotos Archiv © 2008 Brinkhoff/ Mögenburg

Laeiszhalle Orchester X Staatsoper Hamburg“, das ist seit Ende der  70er Jahren eine Erfolgsgeschichte, seinerzeit initiiert im Operettenhaus durch Ballettchef John Neumeier. Unter Chefdirigent  Heribert Beissel begleiteten die Symphoniker Hamburg dann Ballettaufführungen am Dammtor. In den 80er bis Anfang der 90er Jahre bis zu 52 Vorstellungen pro Spielzeit einschließlich Opern wie Don Pasquale, Madama Butterfly,   Zar und Zimmermann oder Il turco in Italia. Allein, was nützen derlei künstlerische Großtaten, wenn es sich nicht verkauft. Die Auslastung der Staatsoper lag an diesem Tag bei < 50%, gefühlt waren es  maximal 40%. Tipp: Vielleicht nächstes Mal Dottore Dulcamara fragen, der weiß, wie man verkauft.

Gaetano Donizetti  (1797 – 1848)
L’elisir d’amore
Libretto – Felice Romani

Uraufführung –  12. Mai 1832, Mailand (Teatro della Canobbiana)

Symphoniker Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper

 Matteo Beltrami– Musikalische Leitung

Inszenierung und Bühnenbild nach Jean-Pierre Ponnelle
Kostüme – Pet Halmen

Staatsoper Hamburg, 2. Juni 2024

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten

von Jörn Schmidt

Seit der Premiere am 18. Juni 1977 wird L’elisir d’amore an der Hamburger Staatsoper in einer Inszenierung nach Jean-Pierre Ponnelle gegeben. Das Bühnenbild ist ganz und gar herrlich, es versetzt zurück in die Zeit der Uraufführung. Zugleich erwartet man, dass jeden Moment Pavarotti und die Freni auf die Bühne steigen, aber das sind leider tempi passati. Die Botschaft ist unmissverständlich, man muss nicht jede Oper auf Krampf  in die Jetztzeit katapultieren, und billigen, überzogenen Klamauk  braucht es sowieso nicht. „Auf den Punkt 13: Georges Delnon beweist Stehvermögen
klassik-begeistert.de, 3. Juni 2024“
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Klein beleuchtet kurz Nr 35: Die Frauenpower geht weiter: Statt Christian Thielemann versetzt Mirga Gražinytė-Tyla den Saal in Verzückung

Lang Lang und Mirga Gražinytė-Tyla; Foto Patrik Klein

Samstag Abend noch brachten zwei Frauen aus den USA und Großbritannien die schönste und bestklingendste Konzerthütte des Globus in wahre Rauschzustände. Jess Gillam und Marin Alsop zeigten in der Elbphilharmonie, was musikalisch heutzutage möglich ist und vor wenigen Dekaden noch verboten und geächtet war. Nun stand eine junge Litauerin am Pult eines der renommiertesten Orchester überhaupt und ließ die Absage von Christian Thielemann vergessen.

Da konnte sogar der Weltstar am Klavier, Lang Lang, trotz sensationellem Spiel kaum von der zarten Person mit klarem und raumgreifenden Taktstockansagen ablenken. „Klein beleuchtet kurz Nr 35: Die Frauenpower geht weiter: Statt Christian Thielemann versetzt Mirga Gražinytė-Tyla den Saal in Verzückung
klassik-begeistert.de, 2. Juni 2024“
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Klein beleuchtet kurz 34: Jess Gillams Saxophonspiel glänzt im Zentrum des Konzerts mit dem überragend auftrumpfenden NDR Elbphilharmonie Orchester Hamburg

NDR Elbphilharmonie Orchester Hamburg, Marin Alsop Dirigentin;
Foto Patrik Klein

Erfolgreiche Frauen dominierten das Konzert in der ausverkauften Elbphilharmonie Hamburg. Auch wenn das Saxophonkonzert des schottischen Komponisten James MacMillan nur fünfzehn Minuten dauerte, brannte es sich doch in die Synapsen des Zuhörers ein.

Da das Saxophon erst im Jahr 1840 erfunden wurde, reichte entsprechend auch die Tradition großer Solokonzerte für dieses Instrument nicht in die Tiefen der Musikgeschichte zurück. Erst im 20. Jahrhundert verwendeten einige Komponisten dieses wohlklingende Instrument, wie zum Beispiel in den Ballettsuiten des letzten Stück des Abends, indem sie es solistisch in ihre Werke implementierten. „Klein beleuchtet kurz Nr 34: Jess Gillams Saxophonspiel glänzt im Zentrum des Konzerts
klassik-begeistert.de, 1. Juni 2024“
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Rudis Klassikwelt 4: Mit Schönberg Liebe hören

Arnold Schönberg: Grünes Selbstportrait, 1910 © Arnold Schönberg Center

Jubiläumsausstellung anlässlich des 150. Geburtstags von
Arnold Schönberg

“… alles, was in der Kunst von höchstem Wert ist, muss sowohl Gefühl als auch Verstand zeigen.” (Arnold Schönberg, 1946)

Ausstellung „Mit Schönberg Liebe hören“ im Arnold Schönberg Center, Wien, vom 29. Mai 2024 – 14. Februar 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Nicht selten wird die Musik Arnold Schönbergs, und ganz besonders seine Zwölfton-Kompositionen, als konstruiert und kühl-rational angesehen.

Die zweite Ausstellung des Jubiläumsjahres im Arnold Schönberg Center will uns eine andere Seite des Meisters zeigen, die des liebenden, leidenden, mitfühlendenden Menschen, dessen Musik durch alle Wandlungen hinweg seelische und emotionale Vorgänge erkundet und hörbar macht. „Rudis Klassikwelt 4: Mit Schönberg Liebe hören, Ausstellung im Arnold Schönberg Center
klassik-begeistert.de, 30. Mai 2024“
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Auf den Punkt 12:  Sir András Schiff kuriert einen mächtigen Schüttelfrost, im Übrigen gehen Dirigent und Solist getrennte Wege und vor der Pause heißt es gar: Dirigent verzweifelt gesucht.

András Schiff © Olaf Malzahn

Chamber Orchestra of Europe
Sir András Schiff – Klavier und Leitung

Olivier Stankiewicz - Oboe
Rie Koyama - Fagott
Lorenza Borrani - Violine
Richard Lester - Violoncello

Johannes Brahms – Variationen über ein Thema von Joseph Haydn op. 56a

Joseph Haydn – Sinfonia concertante B-Dur Hob. I:105

Johannes Brahms – Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15


Laeiszhalle, Großer Saal, 28. Mai 2024

von Jörn Schmidt und Regina König

Von Joseph Joachim ist überliefert, Johannes Brahms habe das Eingangsthema seines ersten Klavierkonzerts an einen „mächtigen Schüttelfrost“ angelehnt, durchlebt „infolge der Nachricht von Schumanns Selbstmordversuch“. Zuweilen lohnt die Lektüre von Programmheften, das ist ein brillanter Vergleich, den man nicht so oft liest. Sonst geht es meistens eher um die lebenslangen Selbstzweifel im Leben des Komponisten, der Beethoven stets wie einen Riesen hinter sich marschieren sah. Im zweiten Satz ist nichts mehr geblieben vom Schüttelfrost, auch dazu gibt es ein sehr schönes Zitat: „Ich male an einem sanften Porträt von Dir“, erklärte Brahms seiner Freundin Clara Schumann im Jahr 1856 das Adagio. Der dritte Satz nimmt dann den Riesen in Bezug, das Rondo erinnert an Beethovens drittes Klavierkonzert. „Auf den Punkt 12:  Sir András Schiff kuriert einen mächtigen Schüttelfrost, im Übrigen gehen Dirigent und Solist getrennte Wege und vor der Pause heißt es gar: Dirigent verzweifelt gesucht
klassik-begeistert.de, 29. Mai 2024“
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Sommereggers Klassikwelt 237 : Der große Wagner-Sänger George London verstummte viel zu früh

George London 1953

von Peter Sommeregger

Der gefeierte Bassbariton George London wurde am 30. Mai 1920 als George Burnstein in Montreal in eine russisch-jüdische Familie geboren – seine Jugend verlebte er allerdings in Los Angeles.

Bereits mit 21 Jahren betrat er zum ersten Mal eine Opernbühne, er debütierte als George Burnson in einer kleinen Nebenrolle in Verdis „La Traviata“. „Sommereggers Klassikwelt 237 : Der große Wagner-Sänger George London verstummte viel zu früh
klassik-begeistert.de, 29. Mai 2024“
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Schweitzers Klassikwelt 115: Auf welche Weise wir unsre Kritiken im Nachhinein kritisch betrachten

Titelbild:  Eigene Kritik. Andere Rezensentin

Ein (Opern)Erlebnis ist zu einem erkennenden und denkenden Ich gehörend, geht also von einem Un-Teilbaren (In-Dividuum) aus, das sich aber in der Absicht eines Berichts mit-teilen will. Es lässt sich dabei nicht vermeiden, dass die Eindrücke auch von persönlichen Gefühlen bestimmt werden, was bei der Lektüre nicht ganz ohne Interesse ist, aber das aufwendige Lesen mehrerer Essays empfiehlt.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Das ist von ein und demselben Abend, wenn es sich nicht um eine Premiere oder Wiederaufnahme handelt, meistens nicht realisierbar. Der Dichter, Komponist und Sänger Leonard Cohen (siehe Schweitzers Klassikwelt 26) empfand jeden gelungenen Abend als Glück und Gnade. Trotz bestens zusammengeschweißtem Team könnte ein Abend auch stimmungslos missglücken. „Schweitzers Klassikwelt 115: Auf welche Weise wir unsre Kritiken im Nachhinein kritisch betrachten
klassik-begeistert.de, 28. mai 2024“
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Rising Stars 54: Maximilian Haberstock – ein 19-jähriger Dirigent erntet Begeisterungsstürme

 © Ralf Dombrowski

Die Entwicklung und Karriere vielversprechender NachwuchskünstlerInnen übt eine unvergleichliche Faszination aus. Es lohnt sich dabei zu sein, wenn herausragende Talente die Leiter Stufe um Stufe hochsteigen, sich weiterentwickeln und ihr Publikum immer wieder von neuem mit Sternstunden überraschen. Wir stellen Ihnen bei Klassik-begeistert jeden zweiten Donnerstag diese Rising Stars vor: junge SängerInnen, DirigentInnen und MusikerInnen mit sehr großen Begabungen, außergewöhnlichem Potenzial und ganz viel Herzblut sowie Charisma.

von Dr. Lorenz Kerscher

Der 2004 in München geborene Maximilian Haberstock zählt schon seit Jahren zu den Mitwirkenden der Münchner Festivalserie Stars & Rising Stars. Zunächst beeindruckte er als talentierter Nachwuchspianist, doch im vergangenen Jahr trat er mit seinem eigenen, selbst gegründeten Symphonieorchester in Erscheinung. Konzertstücke von Tschaikowski, Wieniawski, Saint-Saëns und am Ende die Schottische Symphonie von Mendelssohn standen auf dem Programm und auch hier in „Klassik begeistert“ erschien eine lobende Rezension des leider nicht besonders gut besuchten Konzerts.

 

Maximilian Haberstock dirigiert Mendelssohn Symphonie Nr. 3 „Die Schottische“ (München, Mai 2023)

Dieses Jahr nun war der 600 Plätze fassende Carl-Orff-Saal so gut wie ausverkauft und gefüllt mit Leuten, die ein reines Brahms-Programm erleben wollten. „Ein Neunzehnjähriger traut sich zu, mit einem Jugendorchester anspruchsvollste Symphonik darzubieten?“ „Rising Stars 54: Maximilian Haberstock – ein 19-jähriger Dirigent erntet Begeisterungsstürme
klassik-begeistert.de, 22. Mai 2024“
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Auf den Punkt 11: Pene Pati ist kein Pavarotti 2.0, sondern ein Tenore intuitivo und auf dem  Weg zum „Bro Big P.P.“. Bereits jetzt sind Giedrė Šlekytė und Pene Pati ein Dreamteam

Benjamin Bernheim und Elbenita Kajtazi (Foto 2022/RW)

Jules Massenet  (1842 – 1912)
Manon

Libretto – Henri Meilhac und Philippe-Emile-François Gille
(nach Antoine François Prévost d’Exiles’ „Histoire du chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut aus den Mémoires et aventures d’un homme de qualité qui s’est retiré du monde“)

Uraufführung –  19. Januar 1884, Paris  (Opéra-Comique, Salle Favart)

Chor und Orchester der Staatsoper Hamburg

Giedrė Šlekytė – Musikalische Leitung

David Bösch – Inszenierung
Patrick Bannwart und Falko Herold – Bühne und Kostüm

Staatsoper Hamburg, 22. Mai 2024

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten

von Jörn Schmidt und Regina König

Thomas Baltensweiler titelte 2022 in der  NZZ (Neue Zürcher Zeitung), Pene Pati sei eine Art „YouTube-Pavarotti“.  Das weckt schlimme Assoziationen, es gab da vor gar nicht langer Zeit einen Paul Potts, der allerhand Alben an den Mann brachte, dies indes nicht tenoralem Talent, sondern einer britischen Casting-Show verdankte. Man kann sich das und insbesondere sein „Nessun dorma“ auf eigene Gefahr bei YouTube ansehen, künstlerisch ist es jedenfalls ohne Bedeutung. „Auf den Punkt 11: Pene Pati ist kein Pavarotti 2.0, sondern ein Tenore intuitivo und auf dem  Weg zum „Bro Big P.P.“
klassik-begeistert.de, 23. Mai 2024“
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