Così fan tutte: Man spürt die Freude der Sänger, dem Publikum Intrigen, Treueschwüre, sportliche Einlagen und ganz viel Liebe vorzugaukeln

Così fan tutte Hamburg © Hans Jörg Michel

Verehrtes Hamburger Publikum, wo waren Sie denn eigentlich an diesem großartigen Abend??  Sie haben wirklich etwas verpasst – es gibt in der Besetzung glücklicherweise noch ein paar Aufführungen – einzig die Musikalische Leitung wird dann von William Kelley übernommen.

Wolfgang Amadeus Mozart – Così fan tutte

Inszenierung und Bühnenbild: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Licht: Carsten Sander
Dramaturgie: Johannes Blum

 Musikalische Leitung – Omer Meir Wellber

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper

Staatsoper Hamburg, Großes Haus, 20. Juni 2024 

 von Iris Röckrath

Willkommen zur Opera buffa! Am heutigen Abend darf das Publikum der Staatsoper eine Commedia dell’arte par excellence erleben. Das Gesamtpaket bestehend aus einem quietschbunten Bühnenbild, kreativen Licht- und Regieeffekten, einem spiel- und sangesfreudigen Ensemble, einem bestens aufgelegten Philharmonischen Staatsorchester und einem entschlossenen Dirigenten überzeugt vollends.

„Wolfgang Amadeus Mozart – Così fan tutte
Staatsoper Hamburg, 20. Juni 2024“
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Korngolds Oper „Die tote Stadt“ ist inhaltlich, milde gesagt, anstrengend

Daniel Schmutzhard (Frank/Fritz), Vida Miknevičiūtė (Marietta, Die Erscheinung Mariens), Yoel Gamzou (musikalische Leitung), Klaus Florian Vogt (Paul), Katja Pieweck (Brigitta) (Foto: RW)

Es gibt wohl nur wenige Opern, die über die gesamte Spieldauer so wenig leise Passagen aufweisen. Dazu gehörte der zum Niederknien schön gesungene Schlussgesang Vogts, aber auch das Aberglaube-Glaube Duett im dritten Bild. Bei letzterem gelangen auch Vida Miknevičiūtė berührende Töne.

Die tote Stadt, Oper in drei Bildern
nach dem Roman von Georges Rodenbach

Musik von Erich Wolfgang Korngold

Inszenierung: Karoline Gruber
Bühnenbild von Roy Spahn, Kostüme von Mechthild Seipel

Staatsoper Hamburg, 19. Juni 2024

von Dr. Ralf Wegner

Das morbide Sujet dieser Oper fesselte mich leider nicht. Ich empfand die Stimmen von Klaus Florian Vogt und Vida Miknevičiūtė weitgehend als zum Brüllen verurteilt und damit vergeudet. Erst zum Ende hin, als Vogt auf den zunächst aufgesetzten, leicht verwirrten Gesichtsausdruck verzichtetet, kam so etwa wie innere Sängerspannung auf, die mich berührte. „Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt
Staatsoper Hamburg, 19. Juni 2024“
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„Carmen“ in HH: Deiner Stimme Gewalt!

J’Nai Bridges © Staatsoper Hamburg

Carmen
Georges Bizet

Inszenierung und Bühne: Herbert Fritsch
Kostüme: José Luna
Licht: Carsten Sander
Dramaturgie und Dialogfassung: Sabrina Zwach
Chor: Christian Günther
Kinder- und Jugendchor: Luiz de Godoy

Premiere am 17.09.2022

Staatsoper Hamburg, 14. Juni 2024

von Harald Nicolas Stazol

„Die letzte Carmen hier war Jessye Norman“ – „The last Carmen here…“, flüstert mir nach der Pause der nette Koreaner Platz 19, Reihe 16, und ganz am Schluss, da sind wir vom Klatschen schon sehr erschöpft, und die J’Nai Bridges ist in ihrem Goldkleid schon drei-, nein viermal, und völlig zu Recht  nach vorne gestrebt, umtost, beglückwünscht, bewundert, mit Blumen beworfen (nicht wirklich, aber mit so einer Meisterleistung hat ja auch keiner gerechnet?!) – kein Zweifel, gerade eben, ab 19.35 Uhr, wird die Hamburger Staatsoper eben mal Bizet-mäßig zum Nabel der Welt.

Ich habe nachgeguckt in den Zeitzonen der Welt, gerade findet keine andere Carmen auf dem Planeten statt.

„Georges Bizet, Carmen
Staatsoper Hamburg, 20. Juni 2024“
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Das Hamburg Ballett tanzt großartig zu Gustav Mahlers III. Sinfonie

Aus dem I. Satz: Männerensemble (Foto: Kiran West)

Zum Erfolg des Abends trug auch die einfühlsame musikalische Begleitung unter der Leitung von Simon Hewett bei, und Katja Pieweck sang zu Herzen gehend das Altsolo Oh Mensch! Gib Acht!

Dritte Sinfonie von Gustav Mahler
Ballett von John Neumeier (Choreographie, Kostüme und Lichtkonzept)

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
musikalische Leitung  Simon Hewett

Mezzosopran:  Katja Pieweck

Staatsoper Hamburg, Hamburg Ballett, 11. Juni 2024

193. Vorstellung des Hamburg Balletts seit der Premiere am 14. Juni 1975

von Dr. Ralf Wegner

Was soll man sagen nach solch einer großartigen Tanzaufführung. Vielleicht: Zu Herzen gehende Musik und Gesang verschmelzen mittels Tanzkunst zu einer die Seele berührenden Einheit.

Auch dieses rein abstrakte sinfonische Neumeier-Ballett ist schon knapp 50 Jahre alt und fasziniert das Publikum wie am ersten Tag. Die Nettospielzeit von 2 Stunden (keine Pause) verging wie im Fluge. „Dritte Sinfonie von Gustav Mahler, Ballett von John Neumeier
Staatsoper Hamburg, Hamburg Ballett, 11. Juni 2024“
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„Oh Freund, das Glück, das mir verblieb…“ -

Foto: Archiv © Bernd Uhlig 2015

Eine späte Kritik

Erich Wolfgang Korngold
Die tote Stadt

Inszenierung: Karoline Gruber
Bühnenbild: Roy Spahn
Kostüme: Mechthild Seipel
Licht: Hans Toelstede
Dramaturgie: Kerstin Schüssler-Bach
Choreografie: Stefanie Erb

Staatsoper Hamburg, 5. Juni 2024

von Harald Nicolas Stazol

Dies ist die Oper einer Psychose – und damit kenne ich mich nun wirklich aus, das können Sie mir glauben! Und zudem eine der Schönsten, die ich je gehört habe, auch das ist hoffentlich glaubbar, und vielleicht fällt mir deshalb dieser Essay so schwer, wie ich vertraulich der Direktion gestehe. „Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt
Staatsoper Hamburg, 5. Juni 2024“
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Manon – encore une fois? Mais sûrement, et sans dôute!

Pene Pati (Chevalier Des Grieux) und Elbenita Kajtazi (Manon Lescaut) (Foto: RW)

Da küsst sich vor der Oper in der Pause ein blutjunges Liebespaar fein gewandet und grenzübergreifend und minutenlang, ein junger Hamburger und eine hauchfeine Japanerin, anrührend ist das, und schön zu sehen, ganz ohne Neid, naja, mit ein wenig doch, aber wie sollten sie auch nicht, bei dieser Manon?


Jules Massenet
Manon

Musikalische Leitung:  Giedrė Šlekytė (Hausdebüt)

Inszenierung:  David Bösch
Bühnenbild:  Patrick Bannwart
Kostüme:  Falko Herold
Licht:  Michael Bauer
Video:  Patrick Bannwart, Falko Herold
Dramaturgie:  Detlef Giese

Chor:  Eberhard Friedrich

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper

Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024

 von Harald Nicolas Stazol

Manondie ich dank der Güte der Direktion noch einmal hören und sehen darf, auf meine dringliche Bitte, „Ich MUSS!!!“, und meinem Wunsche wird gütigst entsprochen, und ich kann nur jedem Leser dieser Zeilen den Freitag empfehlen, denn womöglich sind Elbenita Kajtazi und Pene Pati NOCH besser als heute, am Sonntagnachmittag. Kaum vorstellbar? Ich sage, mit Sicherheit!!!

„Jules Massenet, Manon
Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024“
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Manon? Mais oui!

© Foto: Brinkhoff/Mögenburg

Jules Massenet
Manon

Musikalische Leitung:  Giedrė Šlekytė (Hausbedüt)

Inszenierung:  David Bösch
Bühnenbild:  Patrick Bannwart
Kostüme:  Falko Herold
Licht:  Michael Bauer
Video:  Patrick Bannwart, Falko Herold
Dramaturgie:  Detlef Giese

Chor:  Eberhard Friedrich

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Chor der Hamburgischen Staatsoper

Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024

von Harald Nicolas Stazol 

Was für ein Debüt! Ach was, was für Debüts! Mademoiselle Elbenita Kajtazi, die Manon, sich aufschwingend, wie eine Lerche, leicht und wundersam und virtuos, und beglückend – die Hamburger hingerissen, nach jeder ihrer Arien, sie spielt ja eine träumerisch-romantische blutjunge 16-Jährige, die man ihr völligst abnimmt, der Kosovarin, bezaubernd und verzaubernd ihr Lebensweg, zur Naiven, zum Luxus-Weibchen, dann der Verhafteten, dann der Sterbenden, in den Armen – noch einmal Debüt! – des Pene Pati, schon auf anderen Bühnen als Ausnahme-Tenor gefeiert, und nun in der Hansestadt, die ihr Glück ob dieser Sänger, rein am Applaus gemessen, nach jeder Arie kaum fassen kann! „Jules Massenet, Manon
Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024 “
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Elbenita Kajtazi und der neue Tenor am Opernsternenhimmel Pene Pati adeln Massenets Manon zu einer Sternstunde des Gesangs, unbedingt hingehen!

Pene Pati (Chevalier Des Grieux) und Elbenita Kajtazi (Manon Lescaut) (Foto: RW)

Als dann aber Pene Pati in das Gasthaus (erster Akt) eintrat und zu singen begann, war es um uns geschehen: Was für eine schöne Stimme, welch weicher Tonansatz, welches goldfarbene Piano, welche Strahlkraft bei den stimmlichen Attacken und welche schönen Legatobögen standen diesem 37-jährigen Tenor aus Samoa zur Verfügung.

Manon
Oper in fünf Akten
Musik von Jules Massenet

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Leitung Giedrė Šlekytė

Inszenierung: David Bösch
Bühnenbild von Patrick Bannwart, Kostüme von Falko Herold

Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024

Von Dr. Ralf Wegner

Massenets Manon gehört sicher nicht zu den Werken der Opernliteratur, die sich zum wiederholten Besuch anbieten. Um Elbenita Kajtazi erneut in einer ihrer Paraderollen zu erleben, waren wir trotzdem gekommen. Als dann aber Pene Pati in das Gasthaus (erster Akt) eintrat und zu singen begann, war es um uns geschehen: Was für eine schöne Stimme, welch weicher Tonansatz, welches goldfarbene Piano, welche Strahlkraft bei den stimmlichen Attacken und welche schönen Legatobögen standen diesem 37-jährigen Tenor aus Samoa zur Verfügung. „Jules Massenet, Manon, Oper in fünf Akten, Musik von Jules Massenet
Staatsoper Hamburg, 20. Mai 2024“
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Staatsoper Hamburg: Das war wohl die beste bisher von mir gesehene und gehörte Figaroaufführung

Ruzan Mantashyan als Contessa d’Almaviva, Julia Lezhneva als Cherubino und Katharina Konradi als Susanna (Foto: RW)

Trotz Anneliese Rothenbergers Silberklang als Susanna oder Gundula Janowitz und Elisabeth Grümmer als elegisch leidende Contessa war die  Aufführung am Freitag wegen der intelligenten Inszenierung von Stefan Herheim und der musikalisch durch die Bank sehr guten bis herausragenden Leistungen aller Mitwirkenden die wohl beste bisher von mir gesehene und gehörte Aufführung dieser Mozart-Oper.

Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro
Musikalische Komödie in vier Akten von Lorenzo Da Ponte

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
musikalische Leitung Louis Lohraseb

Inszenierung: Stefan Herheim
Bühnenbild: Christoph Hetzer, Kostüme: Gesine Völlm
Video: Momme Hinrichs und Torge Møller (fettfilm)

Staatsoper Hamburg, 17. Mai 2024

von Dr. Ralf Wegner

Mozarts Le nozze di Figaro hat mit gut drei Stunden Nettospielzeit fast Wagnersche Ausmaße und lässt das Publikum schon ab und an durchhängen. Bereits Lorenzo Da Ponte soll von einer bei aller Mühe unvermeidbar gewesenen Länge gesprochen haben.

Die Herheim’sche Inszenierung macht diese Längen aber mehr als wett. Schon die Videoprojektion während der Ouvertüre stimmt auf das Thema ein: Aus Noten der auf den Bühnenvorhang projizierten Partitur Mozarts entwickeln sich männliche und weibliche Strichfiguren, sich im Takt der Musik jagend, springend, fallend, wieder aufstehend, sich genussvoll dem Geschlechterkampf hingebend, sich schließlich umwerbend und zueinander findend. „Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro
Staatsoper Hamburg, 17. Mai 2024“
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Mir ist heut’ blutrünstig zumut’ – da tun zwei Morde richtig gut!

Photos © Monika Rittershaus (Photos der Premiere  22.1.2023)

Dmitri Schostakowitsch
Lady Macbeth von Mzensk

(1934)
Oper in vier Akten (neun Bildern)
Libretto von Alexander Preis und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow

Staatsoper Hamburg, 12. Mai 2024


von Harald Nicolas Stazol

„Ich geriet in St. Petersburg in eine Schießerei – die russische Gesellschaft ist einfach eine der Gewalt“, sagt der nette Herr in der Pause am Stehtisch im oberen Foyer zur Pause gerade, offenbar hat er überlebt, da sind in der Schostakowitsch-Oper schon zwei Morde passiert, und merke:

Wenn Du das Missfallen Stalins erregst, schläfst Du im Anzug und mit Koffer unterm Bett, monatelang, weil Du jederzeit abgeholt werden kannst! So geschieht es Dmitri Schostakowitsch, nachdem ein seine bis dahin so erfolgreiche Oper vernichtender Artikel in der „Prawda“ erscheint, und schon ist der Arme auf der Abschussliste… „Dmitri Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk
Staatsoper Hamburg, 12. Mai 2024“
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