Reif, altersweise und trotzdem feurig: Herbert Blomstedt dirigiert Mozart

CD-Besprechung: Herbert Blomstedt, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Wolfgang Amadeus Mozart,  klassik-begeistert.de

CD-Besprechung
Wolfgang Amadeus Mozart

Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 550
Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Herbert Blomstedt
BR Klassik 900164

Der In Amerika geborene Schwede Herbert Blomstedt ist heute der Doyen unter den Internationalen Dirigenten. Es ist aber keineswegs nur sein rekordverdächtiges Alter von mittlerweile 92 Jahren, das Blomstedt zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Wer auch nur einmal den Dirigenten am Pult eines der großen Orchester beobachtet, wird Zeuge eines emphatisch geführten Dialoges zwischen den einzelnen Musikern und dem– zumeist ohne Taktstock dirigierenden – Kapellmeister. Mit seinen Händen scheint Blomstedt die musikalischen Linien eines Stückes gleichsam in den Raum zu schreiben, lesbar für jeden, der ihm folgen will.

Es kann nicht verwundern, dass ein Musiker seines Formats und seiner uneitlen, charismatischen Ausstrahlung auch ein Liebling der Orchester ist. So findet man  den scheinbar unermüdlichen Blomstedt am Pult aller bedeutenden Orchester. Auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist ihm seit langem freundschaftlich verbunden.

Als Dokument aus jüngerer Zeit legt das BR-Klassik-Label nun Aufnahmen der beiden letzten Mozart-Symphonien vor, entstanden bei Konzerten in den Jahren 2011 und 2017. Diese beiden, in geringem zeitlichen Abstand komponierten Werke wirken wie ungleiche Geschwister und dürften die verschiedenen Aspekte von Mozarts Wesen abbilden.

Bei der großen g-moll-Symphonie tritt ein deutlich depressiver Grundton in Erscheinung, den Blomstedt prominent herausstellt. G-moll ist auch die Tonart der Pamina-Arie in der Zauberflöte, welche die Verzweiflung des Mädchens ausdrücken soll. Das Menuetto nimmt der Dirigent streng, mit stampfendem Rhythmus , das finale Allegro klingt ruhelos vorwärtsdrängend. Hier gibt es kein versöhnliches Ende.

© Martin U. K. Lengemann

Die c-dur, auch Jupiter genannte Symphonie ist von weit positiverer Anmutung und Wirkung. Blomstedt nimmt die beiden Kopfsätze sehr energisch, wuchtig, das Andante mit breiten, wehmütigen Tempi. Hier kommt wieder der Grübler zum Vorschein. Nach einem sehr zierlich ausmusizierten Menuetto prunkt das Finale mit geballter Energie und zeigt ihren Schöpfer auf der Höhe seines Lebens und seiner  Kunst. Blomstedt und das wunderbar differenziert aufspielende Orchester verstehen sich offenbar großartig, so gelingt eine von Reife und Altersweisheit geprägte, trotzdem feurige Realisierung der Partituren.

Ad multos annos, Herbert Blomstedt!

Peter Sommeregger, 24. März 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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