Ein Agnostiker schreibt eine Messe

CD-Rezension: Leoš Janáček, Glagolitic Mass, Sinfonietta,  klassik-begeistert.de

CD-Rezension:

Leoš Janáček

Glagolitic Mass
Sinfonietta

Warner Classics 0190296280634

von Peter Sommeregger

Diese Messe des großen Mährischen Komponisten weist gleich mehrere Besonderheiten auf, die sie von anderen geistlichen Chorwerken grundlegend unterscheidet. Leoš Janáček war erklärter Agnostiker, trotzdem entschloss er sich gegen Ende seines Lebens, den Auftrag für die Komposition einer Messe anzunehmen. Einen früheren Versuch in dieser Richtung hatte er abgebrochen, verwendete aber schließlich Teile jener Komposition für die so genannte Glagolitische Messe.

Glagolitisch bedeutet eine Form des Altslawischen, in dieser Sprache sind auch die Messtexte abgefasst. Bei der Einstudierung des Werkes für die Uraufführung in Brünn im Dezember 1927 ergaben sich Vereinfachungen und Veränderungen der Partitur, die den speziellen Umständen dieser Aufführung geschuldet waren. Die hier vorgelegte Einspielung rekonstruiert in weiten Teilen Janáčeks ursprüngliche Partitur, was sie von anderen Aufnahmen unterscheidet. Dem Dirigenten Marko Letonja stehen mit dem Orchestre philharmonique de Strasbourg und dem Czech Philharmonic Choir of Brno Klangkörper der ersten Garnitur zur Verfügung, im Falle des Chores aus Brno ist auch die idiomatische Korrektheit gewährleistet.

Das vorzügliche Solistenquartett, bestehend aus Malin Byström (Sopran), Jennifer Johnston (Mezzosopran), Ladislav Elgr (Tenor), sowie Adam Plachetka (Bass-Bariton), realisiert die Klangvorstellungen des Komponisten in eindrucksvoller Weise, den Orgelpart übernahm Johann Vexo. Den Beteiligten gelingt eine hochkarätige, sehr geschlossene Aufführung dieses doch etwas spröden Werkes.

Viel mehr als nur ein „Füller“ für die CD ist Janáčeks „Sinfonietta“, ein von der Stimmung her durchaus fröhliches Stück. Entstanden ist es 1926 als Auftragswerk für ein Sportfest in Prag, bei dem es zur musikalischen Untermalung dienen sollte. Das bläserdominierte Stück erweiterte der Komponist schließlich zu einem fünfsätzigen Orchesterwerk, die einleitende Fanfare der Blechbläser wiederholt sich im Finalsatz, die einzelnen, kurzen Abschnitte der Komposition sind straff gehalten und äußerst effektvoll.

In Verbindung mit der Messe demonstriert diese CD erneut die Vielfalt von Janáčeks Werk und ist eine willkommene Erweiterung des Katalogs.

Peter Sommeregger, 27. April 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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