Jurowski entwickelt seinen ganz eigenen, analytischen Stil

CD-Rezension: Ludwig van Beethoven, Brett Dean, Vladimir Jurowski  klassik-begeistert.de

CD-Rezension:

Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr.2

Brett Dean
Testament

Vladimir Jurowski
Bayerisches Staatsorchester

BSOREC  0002

von Peter Sommeregger

Die Bayerische Staatsoper hat inzwischen ein eigenes Label für Ton-und Bildaufzeichnungen herausragender Produktionen gegründet, und folgt damit einem Trend, sich von dem Diktat der wenigen verbliebenen Konzerne unabhängig zu machen.

Als erste CD dieser Reihe erschien Kirill Petrenkos Aufnahme von Gustav Mahlers 5. Symphonie. Inzwischen gab es einen Wechsel an der Spitze der Bayerischen Staatsoper, und so ist es Vladimir Jurowski, der die zweite Veröffentlichung bestreitet. Gewählt wurde der Mitschnitt eines Konzerts vom Oktober 2020, der Beethovens ungewöhnliche 2. Symphonie mit der Komposition des australischen Komponisten Brett Dean „Testament“ kombiniert, einer Hommage an Beethovens legendäres „Heiligenstädter Testament“. Dieses erschütternde Dokument, in dem der Komponist auf sein Gehör-Leiden Bezug nimmt, das zu dieser Zeit begann, seine Tätigkeit zu beeinträchtigen, setzt Dean in eine expressive Tonsprache um. Ursprünglich war das Stück für ein kleineres Streichorchester gedacht, erst in seiner zweiten, hier aufgeführten Fassung wird es von einer vollen Orchesterbesetzung gespielt. Der Bezug zu Beethovens Musik wird durch die nachfolgende Aufführung von dessen 2. Symphonie unterstrichen.

Nach etwas verhaltenem Beginn steigert Jurowski das Tempo rasant, was dem stürmischen Charakter dieses Werkes gut entspricht. Das Larghetto legt er dagegen sehr kleinteilig, fast zierlich an, wogegen das Scherzo mit erstaunlicher Wucht erklingt. Eine gute Überleitung zum höchst temperamentvollen Finalsatz, der fast euphorisch in seiner Grundstimmung ist. Die Symphonie entstand 1801/02, zu einem Zeitpunkt, als Beethoven noch auf Heilung seines Hörnervs hoffte.

Kirill Petrenko hatte dem Bayerischen Staatsorchester einen deutlichen Zugewinn an Orchesterkultur beschert, sein Nachfolger Jurowski führt nun diese Tradition eines transparenten Klangbildes weiter und entwickelt aber seinen ganz eigenen, analytischen Stil.

Man darf auf die zukünftige Zusammenarbeit Jurowskis mit dem Orchester, sei es in Oper oder Konzert, sein. Das Dokument des Einstandes verspricht jedenfalls eine interessante Zukunft!

Peter Sommeregger, 21. Juli 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Blu-ray-Rezension: Claudio Monteverdi, L’Incoronazione di Poppea klassik-begeistert.de

DVD-Rezension: Richard Wagner, Götterdämmerung, Orchestra of the Sofia Opera and Ballet, Erich Wächter Dirigent klassik-begeistert.de

CD-Rezension: Gewandhausorchester Leipzig Herbert Blomstedt  Dirigent, klassik-begeistert.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.