DIE MONTAG-PRESSE – 12. SEPTEMBER 2022

DIE MONTAG-PRESSE – 12. SEPTEMBER 2022

Pekka Kuusisto © Foto: Stephan Rabold

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden –
DIE MONTAG-PRESSE – 12. SEPTEMBER 2022

Berlin
Musikfest Berlin 2022: Du kannst mich mal modern haben
Ein herausfordernder Abend bei den Berliner Philharmonikern mit dem Geiger Pekka Kuusisto und dem dirigierenden Komponisten Thomas Adès
Tagesspiegel.de

Lautstärke garantiert keine gute Musik
Der britische Komponist Thomas Adès dirigiert bei den Berliner Philharmonikern auch eigene Werke.
BerlinerMorgenpost.de

Berlin
71. ARD-Musikwettbewerb. Streichquartett – Finale
Im vorletzten Finale des 71. ARD-Musikwettbewerbs spielten drei Quartette im Münchner Prinzregententheater um die begehrten Preise. Auf dem ersten Platz landet das Barbican Quartet, gefolgt vom Quartet Integra und dem Chaos String Quartet. Zur Aufführung kamen Werke von Béla Bartók und Ludwig van Beethoven.
https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-2965350.html

Daniels vergessene Klassiker Nr. 4: John Knowles Paine – Sinfonie Nr. 1 (1875)
Ah ja, die reichhaltige und berühmte amerikanische Orchestertradition. Da finden sich Perlen und große Namen, die bis heute unser kulturelles Leben prägen. Einer jener Großen ist sicherlich jedermann ein Begriff – oder sollte es zumindest, wenn man bedenkt, welchen Einfluss er nicht nur auf die amerikanische Musikkultur sondern auch auf heutige Komponisten hatte. Aber Hand aufs Herz: Wer hat schon einmal den Namen John Knowles Paine in einem deutschen Konzertsaal gehört? Sie auch nicht? Zeit, sich einmal ein wenig mit ihm zu beschäftigen.
Von Daniel Janz
https://klassik-begeistert.de/daniels-vergessene-klassiker-nr-4-john-knowles-paine-sinfonie-nr-1-1875/

Linz/Landestheater
Anastasia“: Vom Kinderfilm zum Musical
Hat eine Zarentochter die Revolution 1917 überlebt? Das Musical „Anastasia“ am Landestheater Linz erfreut nicht nur Fans des Animationsfilms.
https://www.diepresse.com/6187771/anastasia-vom-kinderfilm-zum-musical

Linz/Brucknerfest
Van der Bellen und Jean Ziegler eröffneten Brucknerfest mit Appellen
Man dürfe sich nicht wieder blindlings mit Russland einlassen, forderte der Bundespräsident – Jean Ziegler wies einmal mehr auf den Hunger in der Welt hin
DerStandard.at..story

Internationales Brucknerfest Linz eröffnet
In Linz ist am Sonntag das Internationale Brucknerfest von Bundespräsident Alexander Van der Bellen offiziell eröffnet worden.
https://ooe.orf.at/stories/3173113/

Herzerwärmend: Musical „Anastasia“ verzauberte Premierengäste
OberösterreichischeNachrichten.tipps.at

Klagenfurt
Aron Stiehl: „Richard Wagner ist ja wie eine Droge“ (Bezahlartikel)
Aron Stiehl, Intendant des Stadttheaters Klagenfurt, inszeniert Wagner „Siegfried“. Ein Gespräch über den Witz in der Oper, Kärntner Bezüge, die Energiekrise und echte Wagnerianer.
KleineZeitung.at

Gneixendorf
Ein Fest für Beethoven in Gneixendorf
Von 16. bis 18. September geht im Schüttkasten von Schloss Wasserhof bei Krems die mittlerweile dritte Ausgabe des „Beethoven-Festivals Gneixendorf“ über die Bühne.
https://noe.orf.at/stories/3173095/

Operngeschichte
Leo Slezak: Koloss mit zarter Seele (Bezahlartikel)
Der weltweit gefeierte Heldentenor gilt als leuchtender Stern, als Publikumsliebling der Wiener Oper, an die ihn Gustav Mahler engagiert. Auch Anekdoten des mächtigen Leo Slezak sind legendär.
https://www.diepresse.com/6188266/koloss-mit-zarter-seele

Gender-Irrgarten im Musiktheater Bezahlartikel
Die laute Minderheit der aktivistischen Transpersonen schickt sich an, auch in der Oper ihre queere Rolle zu finden und zu spielen.
https://weltwoche.ch/story/gender-irrgarten-im-musiktheater/

Links zu englischsprachigen Artikeln

London
Salome review – lethal desires and emotional extremism
Alexander Soddy made an auspicious Royal Opera debut with his wonderful conducting of this revival of David McVicar’s staging: a tragedy of horrifying power
TheGuardian.com

Chicago
An outstanding cast rides over the rough edges of “Ernani” to open Lyric Opera season
chicagoclassicl.review.com

Third Eye Theatre delivers a powerful modern retooling of “Beowulf”
chicagoclassical.review.com

Los Angeles
Interview: It’s a Homecoming at LA Opera for Arturo Chacón-Cruz
https://www.sfcv.org/articles/artist-spotlight/its-homecoming-la-opera-arturo

Seattle
Seattle Opera to Present TRISTAN AND ISOLDE in October
Mary Elizabeth Williams, a longtime Seattle Opera favorite, makes her role debut as Isolde. Joining Williams is world-renowned heldentenor Stefan Vinke, who made headlines at Seattle Opera as Siegfried in the 2013 Ring cycle.
broadwayworld/seattle.com

Recordings
Beethoven: The Symphonies (Chamber Orchestra of Europe, Yannick Nézet-Séguin)
Few surprises here in Yannick Nézet-Séguin’s frankly bland interpretations.
limelightmagazine.com.au

Obituary
Terry Edwards, Former Chorus Master of The Royal Opera & Founder of London Voices, Dies at 83
operawire.com

Ballett/Tanz

Nureyev Legend and Legacy at Drury Lane (and Marquee TV) has much to enjoy and rekindles memories
seenandheardInternational.com

Sprechtheater

Trenklers Tratsch: Burgenländerwitz über das marode Lustspielhaus
Gespenstisch: Hans Peter Doskozil lässt sanierungsbedürftiges Theater aus Holz einlagern, ohne zu wissen, was er damit tun soll
Kurier.at

Güssing/Burgenland
Abschied von Frank Hoffmann
Vor drei Monaten, am 4. Juni, ist der Schauspieler und Intendant des Güssinger Kultursommers Frank Hoffmann im Alter von 83 Jahren gestorben. Freitagabend hat sich bei einer von Freunden und Weggefährten gestalteten Gedenkfeier im Kulturzentrum Güssing das Land Burgenland offiziell von Frank Hoffmann verabschiedet.
https://burgenland.orf.at/stories/3173057/

Literatur/Buch

Spanischer Erfolgsautor Javier Marías gestorben
Mit seinem Bestseller „Mein Herz so weiß“ wurde er auch in Österreich berühmt.
WienerZeitung.at

Ausstellungen/Kunst

Maria Anzbach/Neulengbach/NÖ
Schiele Fest: Schieles Werk und aktuelle Krisen
In Maria Anzbach und in Neulengbach (beide Bezirk St. Pölten) wird am 17. September das Schiele Fest gefeiert. Zu sehen sind an diesem Tag Ausstellungen und Performances mit aktuellen Bezügen, inspiriert vom Schaffen des niederösterreichischen Malers.
https://noe.orf.at/stories/3173079/

„Eklig“
Ein Amerikaner gewinnt einen Kunstwettbewerb mit einem Bild, das von einer KI errechnet wurde. Ist das Betrug?
SueddeutscheZeitung.de

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Unter’m Strich

Lawrow stellt Verhandlungen mit Kiew in Aussicht
Laut US-Experten haben ukrainische Soldaten in fünf Tagen mehr Gelände zurückgewonnen als die Russen seit April besetzt haben. Der letzte Block des Atomkraftwerks Saporischschja wurde vom Stromnetz genommen.
Die Presse.com

Großbritannien: Vor dem Winter des Aufruhrs?
Wer gedacht hatte, Boris Johnsons Rücktritt sei eine Art britischer Zeitenwende, ein klarer Bruch der Konservativen Partei mit dem spezifisch britischen Rechtspopulismus, den Johnson mit dem Brexit auf der Insel eingeführt hat, der wurde schon wenige Tage nach dessen Abtritt eines Besseren belehrt. Dabei war die Hoffnung vieler Briten auf einen „clean break“ zunächst nicht ganz so abwegig, wie sie heute scheint. War doch Johnsons Fall von der eigenen Partei erzwungen worden, nachdem er sich so tief in sein eigenes Lügennetz verstrickt hatte, dass es am Ende auch den konservativen Abgeordneten zu viel wurde.
www.blaetter.de

GB
Elizabeth II: Eine Königin der Millionen Bilder
Unzählige künstlerische Porträts wurden von Queen Elizabeth II hergestellt. Einige gab sie auch selbst in Auftrag.
Kurier.at

GB
Königlich eigenartig: Die 6 verschrobensten Marotten von King Charles III
Er setzt sich für umweltfreundliche Landwirtschaft ein, ist ein Architektur- und Pflanzenliebhaber und hat Angst vor Scheidungen: Seit wenigen Tagen ist Charles der neue König Großbritanniens.
Kurier.at

Schlösser und Juwelen im Millionenwert: Geheimes Queen-Testament
Prinz Andrew soll leer ausgehen
Focus.de.kultur

Prinz Andrew adoptiert verwaiste Corgis der Queen
Die nach dem Tod von Elizabeth II. verwaisten Corgis der Queen haben ein neues Zuhause: Wie eine Sprecherin des Queen-Sohnes Prinz Andrew und dessen Ex-Frau Sarah erklärte, nehmen die beiden die Hunde Muick und Sandy auf.
https://orf.at/stories/3284768/

INFOS DES TAGES (MONTAG, 12. SEPTEMBER 2022)

INFOS DES TAGES (MONTAG, 12. SEPTEMBER 2022)

Quelle: onlinemerker.com

Wiener Staatsoper: LA BOHÈME gestern wieder mit Anna Netrebko: Schlussbeifall 19 Minuten!

https://instagram.com/stories/anna_netrebko_yusi_tiago/2925178592779050516?utm_source=ig_story_item_share&igshid=MDJmNzVkMjY=

Zwei Kameras im Stehparterre (der ORF schneidet für den 18.9. zusammen)

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Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Der „Colline“ der Vorstellung meint: ...sowas von beseelt und stimmig und die Leute hatten auch nicht mehr dieses Gefühl wie am Montag, ob man bei ihr nun klatschen “darf” oder muss. Es war einfach nur ein großes, gemeinsames Erlebnis und alle waren in bester Form.

Wirklich ganz besonders.

G.G.

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Die Wiener Staatsoper weist auf ihrer Webseite auf das Ableben ihres ehemaligen Ensemblemitgliedes Marian Talaba hin, der vor wenigen Tagen im Alter von nur 45 Jahren unerwartet in Wien verstorben ist.

https://www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/medien/detail/news/zum-ableben-von-marian-talaba/

L.L.

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New York/Metropolitan Opera: Die Gattin von Peter Gelb, Kery Lynn Wilson, debutiert am Dirigentenpult der Met

Shostakovich’s searing modern drama Lady Macbeth of Mtsensk had its sitzprobe earlier this week!

Soprano Svetlana Sozdateleva, who makes her Met debut later this month, tenor Brandon Jovanovich, and bass-baritone John Relyea are busy perfecting their parts with the full accompaniment of the MET Orchestra Musicians. Maestro Keri-Lynn Wilson, also making her Met debut, conducts Shostakovich’s intensely colorful score. Performances begin Thursday, September 29.

Learn more: bit.ly/3y33WYh

Photos by Jonathan Tichler / Met Opera

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ZU FACEBOOK
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Am Royal Opera House wird man wohl die Stickerei ändern müssen – statt dem E ein C sticken

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Oder besser doch als Erinnerung an die Queen so belassen. Charles III. wird wohl einverstanden sein!
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Die Wiener Staatsoper hat auf den „Offenen Brief“ von Mag.Ulrike K. reagiert

Mag. K. schreibt an den „Online-Merker“: Danke, daß Sie meinen offenen Brief an Herr Dr Roščić komplett in die Rubrik „Aktuelles“ aufgenommen haben. Mittlerweile wurde ich aus dem Haus kontaktiert.

Der Kartenvertrieb hat sich aufrichtig für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Man bekäme das neue System von Tag zu Tag besser in den Griff… sogenannte Kinderkrankheiten halt.

Eine weitere wichtige Frage, die mich seit dem ersten Besuch am Montag beschäftigte, konnte bei dem Gespräch auch geklärt werden. Derzeit ist es so, daß die ermäßigt erworbenen Karten (mit der BundestheaterCard) nicht personalisiert sind. Es wird beim Einlass keine Vorlage der BundestheaterCard verlangt. Auch können die Karten problemlos weitergegeben werden. Um Missbrauch vorzubeugen, wird man aber eine entsprechende Kontrolle einführen. Beim Scannen der Karten soll demnächst ein Signal bei den Billeteuren aufscheinen, das zur Kontrolle der BundestheaterCard führt. Derzeit werden nur die U27-Karten auf diese Weise überprüft. Sobald sich das Personal mit den Scannern angefreundet habe, würden weitere Kontrollen einprogrammiert, so die Information aus dem Haus. Damit wird dann vermieden, daß die wenigen Karten, die im Vorverkauf angeboten werden, in falsche Hände geraten.

Ulrike K.
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BAYREUTH MAX EMANUEL CENČIĆ „40 Jahre auf der Bühne“ – Markgräfliches Opernhaus Bayreuth; 10.9.

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Max Emanuel Cenčić-Gala. Das Orchester. Copyright: Bayreuth-media

Arien von G.F. Händel für Senesino

Ein Tausendsassa ist er, voller Ideen, unermüdlich, wandelbar, in vielen Gestalten erscheint er so überraschend, wie einst Jupiter das tat. Aber nicht, um gar liebliche Nymphen zu verführen, sondern die Welt des Theaters reicher, fantasievoller, originärer und bunter zu gestalten. Max Emanuel Cenčić ist Impresario, Intendant, Sänger, Regisseur, kurzum, der Mann für alles in der schnörkelig pompösen Welt der Barockoper. Mit dem Singen zu üben begann Max mit drei Jahren, wie mir seine wie der Sohn modebewusst-fesche Mutter, die selbst Opernsängerin war,  anvertraut hat. Mit sechs Jahren war Max schon Sopransolist und hat bei einer Fernsehshow die Königin der Nacht tiriliert. Wer aber hören will, wie urmusikalisch und voller Ernst bei der Sache der junge Cenčić schon als Kind singen konnte, dem sei das Video vom Frühlingsstimmenwalzer des Johann Strauß II aus Belgrad 1987 empfohlen. Link:

https://www.youtube.com/watch?v=RP4AkmVYOto

Von der Persönlichkeit und Begabung her war damals schon alles da, was ihn seine ganze Karriere hindurch und auch an dem Bayreuther Jubiläumsabend auszeichnet. Große Disziplin, eine stupende Musikalität, präzise intonation, eine ebenmäßige und ruhige Stimmführung ohne Registerbruch sowie bei aller stolzen Keckheit im Aufritt doch eine liebenswürdige Schüchternheit.

Mit der Karriere ging es Schlag auf Schlag. Die Laufbahn führte ihn von den Wiener Sängerknaben (Sir Georg Solti schwärmte von seinem Talent, als Max als einer drei Knaben in der legendären Zauberflöteneinspielung für DECCA mitwirkte), bald in viele europäische Länder und bis nach Japan. Zum Gesang gesellte sich die Lust am Inszenieren, was er in Karlsruhe (Handels „Arminio“) aber vor allem in Bayreuth tat, wo Cenčić seit drei jähren künstlerischer Leiter des Festivals Bayreuth Baroque ist. Da gab es als Einstand einen höchst erfolgreich und innovativ inszenierten „Carlo il Calvo“ von Porpora und heuer die bejubelte Premiere von Vincis 300 Jahre nicht mehr aufgeführter Oper „Alessandro nell’Indie“.

Max Emanuel Cenčić ist seit 2001 Countertenor und hat sich insbesondere für die Renaissance der neapolitanischen Barockoper verdient gemacht. Wie tief er in Archiven gegraben hat und dort auch fündig geworden ist, bezeugen eine Vielzahl an erstklassigen CD-Einspielungen: „Rodrigo“, „Faramondo“, „Alessandro“, „Tamerlano“, „Arminio“ und „Ottone“ von Händel, „Farnace“ von Vivaldi oder „Artaserse“ und „Catone in Utica“ von Vinci.

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Max Emanuel Cenčić. Copyright: Bayreuth-media

Cenčić ist ein tief erfahrener, historisch interessiert wissender, mutiger und neugieriger Künstler. Vom Typ her hat er etwas eines Universalisten der Renaissance. Als künstlerische Seele der Agentur „Parnassus“ des quirlig umtriebigen Georg Lang kümmert er sich aber auch um die Entdeckung neuer Talente. Den sängerischen Nachwuchs berät und fördert er, die besten unter ihnen werden für seine Produktionen engagiert. Als Beispiel dafür, welch goldenes Händchen Cenčić dafür hat, möge der Sopranist Bruno de Sá dienen, der das Publikum in Bayreuth nachtigallengleich in höchsten Lagen koloraturwirksam um die Finger gewickelt hat.

Seit dem Frühlingsstimmenwalzer 1987 ist viel Wasser die Donau hinab geflossen. Die Stimme von Max Emanuel Cenčić ist breiter und dunkler geworden, aus der Sopranstimme ist allmählich ein stilmächtiger Mezzo erblüht. Heute singt er am liebsten in der Altlage, was nicht heißt, dass er nicht mit Genuss und wirksam nach wie vor Spitzentöne zu platzieren weiß. Erhalten hat sich Cenčić eine unglaubliche Geläufigkeit der Gurgel, die ihn zu einem legitimen Nachfolger all der Starsänger des 18. Jahrhunderts macht.

Auf dem Programm der Jubiläumsnacht standen acht von Atmosphäre und Temperament her unterschiedliche Arien aus den Opern „Radamisto“, „Giulio Cesare“, „Poro“, „Riccardo Primo“, „Orlando“, „Tolomeo“ und “Ezio“, die Händel Senesino auf den Leib komponiert hat. Der Altkastrat mit bürgerlichem Namen Francesco Bernardi galt zu einer Zeit nicht nur als unberechenbar und launenhaft, sondern ihm wurden wegen seiner Sangeskünste auch die höchsten Gagen seiner Zeit bezahlt. Senesino stand mit den Rival Queens Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni gleich bei fünf Uraufführungen Händels in London gemeinsam auf der Bühne.

Wie das damals gewesen sein könnte, davon gab Max Emanuel Cenčić beim Konzert einen nachhaltigen Eindruck. Vor allem das herzzerreissende „Ombra cara“, das flöten- und hornumflorte  „Se la mia vita“ (Ezio) und der virtuose Reisser „Vile, se mi dai vita“ (Radamisto) entzückten. George Petrou dirigierte das nicht immer lupenreine Originalklangorchester Armonia Atenea um-, jedoch für meinen Geschmack um einen Deut zu vorsichtig.

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Max Emanuel Cenčić. Copyright: Bayreuth-media

Das Publikum war von fern und nah gekommen, um mit dem Sänger zu feiern und ihn für seine bisherige Lebensleistung hochleben zu lassen. Es ist ein kleines Wunder, wie frisch und unverbraucht sich Cenčić seine Stimme bewahrt hat. Eine bestimmte Robustheit, eine kluge Rollenwahl und eine felsenfeste Technik haben das Ihrige dazu beigetragen. Dass er seine Talente im Lauf der Jahre so diversifiziert hat, ermöglicht es ihm aber auch seinem Publikum, die wertschätzende Partnerschaft noch lange fortzusetzen. Wir freuen uns auf neue Rollen ebenso wie auf künftige Regiearbeiten, mastabsetzende Ausgrabungen sowie auf viele weitere bereichernde Begegnungen.

Der Online Merkel gratuliert herzlich zum Bühnenjubiläum!

Dr. Ingobert Waltenberger

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Amici del Belcanto/Stadthalle Ternitz: Verdis „I DUE FOSCARI“ – 10.9.2022

Evviva l’opera in concerto!

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Vittorio Vitelli,
Iano Tamar, Mickael Spadaccini, Dirigent Marian Vach, Stefan Tanzer, Sarah Mair. Foto: „Amici del Belcanto“

Ein aus Belgien gebürtiger Tenor, ein italienischer Bariton, eine georgische Sopranistin, eine Münchner Mezzosopranistin und vier aus Wien und Niederösterreich gebürtige Sänger sowie ein slowakischer Dirigent mit einem slowakischen Chor und Orchester – man erlebte ebenso perfekten wie begeisternden Verdi in der ausverkauften Ternitzer Stadthalle, etwa eine Stunde südlich von Wien.

Ja, man kann in einer Oper leben, dies- und jenseits der Rampe, wenn das richtige Team zusammenkommt. Und das ist bei Giuseppe Verdis 6. Oper, die lange Zeit umstritten war wegen ihrer zu eingleisigen Handlung, keine Selbstverständlichkeit. Wir haben sie hier zuletzt 2014 im Theater an der Wien zu hören und zu sehen bekommen, immerhin mit Plácido Domingo, schon in seiner Baritonzeit, als Francesco Foscari, Doge von Venedig (in einer Coproduktion mit Los Angeles, Valencia und London). Umso erstaunlicher, dass der Inhalt des Musikdramas um nichts weniger im Konzertsaal beeindruckte. Perfekter Gesang in Wort und Ton und eine liebevolle Orchesterbegleitung bewirkten Publikumsjubel nach jeder Musiknummer.

Der persönliche Hass eines einzigen Menschen zerstört eine ganze Familie und Regentschaft – das ist leider in der Menschheitsgeschichte kein Einzelfall. Wenn doch mehr Menschen in aller Welt sich solche Operngeschehnisse zu Gemüte führen würden…

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Die zahlreichen Botschafter aus vielen Ländern der Welt mit dem Amici-Chef Michael Tanzer. Foto: „Amici del Belcanto“

Nachdem „Amici“-Präsident Michael Tanzler die übliche Begrüßung vieler Ehrengäste, vor allem Gesandte diverser Länder aus vielen Teilen der Welt und führende Vertreter der Stadt Ternitz begrüßt hatte, musste er auch eine Besetzungsänderung ankündigen – ausgerechnet der führende Tenor musste ersetzt werden: Statt des verhinderten Luciano Ganci, der immerhin an der Staatsoper schon als Cavaradossi reussiert hatte, konnte in kurzer Zeit Mickael Spadaccini (geb. 1986 und schon weltweit in den unterschiedlichsten Rollen erfolgreich), der die Rolle noch nie zuvor gesungen hatte, als Einspringer gewonnen werden und – vom ersten Ton an begeistern! Mit klarer, kräftiger Stimme, auf natürlicher Mittellagebasis kann der Sänger sich in unterschiedliche tenorale Höhen steigern und die vokale Leuchtkraft mit der vom Komponisten geforderten Eindringlichkeit bieten. Und gerade diese Rolle bedarf ja der hochemotionalen Ausdruckskraft eines Unglücklichen, der seine Familie liebt und sich gegen bösartige Anschuldigungen vergeblich zu wehren versucht.

Die  Jacopo Foscaris menschlich ebenbürtige Ehegattin Lucrezia Contarini verkörpert  Iano Tamar ganz großartig. Die georgische Sopranistin, weltweit in unzähligen stücktragenden Rollen erfolgreich, vermochte auch die menschlich ungemein berührende Rolle von Jacopos liebender Gattin, die ihn, auch Vater ihrer Kinder, zu retten versucht, mit ihrem topsicheren, in allen Lagen sattelfesten, leuchtenden Sopran eindringlich zu verkörpern.

Wenn auch Jacopos Vater nicht unbedingt älter aussah als sein Sohn, so konnte Vittorio Vitelli den Dogen von Venedig, Francesco Foscari,  mit würdiger Haltung und schönem, festem ebenso wie flexiblem Bariton eindringlich gestalten. Bewundernswert auch sein Gesichtsausdruck, ganz besonders am Ende der Oper, nachdem er seinen Tod mit erhobenem Haupt himmelwärts blickend Gott-ergeben akzeptiert hat.

Stefan Tanzer (den wir älteren Merker noch als Stehplatzler und ein paar Jahre dann als Mitarbeiter in Erinnerung haben), neben diversen anderen Auftritten an der Wiener Volksoper als Chorsänger auch mit vielen kleineren Rollen bedacht, konnte mit seinem vollen dunklen Bass dem rachedürstigen Jacopo Loredano Glaubwürdigkeit schenken.

Alexander Gallee, im Hauptberuf Arzt, aber immer wieder bei diversen musikalischen Veranstaltungen Österreich-weit im Einsatz, ließ als Senator Barbarigo wieder einmal seinen schönen Tenor vernehmen. Sarah Mair ließ als Pisana, Freundin und Vertraute, ihren hübschen Mezzo hören. Alexander Gallee (Doppelrolle) war ein guter Diener des Rates der Zehn und Gerhard Motsch ein pflichtbewusster  Diener des Dogen.

Genauso wie bei allen diesen Solisten galt es, den Chor aus Banska Bystrica ob seines wortprägnanten und stimmschönen Einsatzes in allen großen Szenen zu bewundern, für dessen Einstudierung Daniel Simandl großes Lob gebührt. Und nicht zuletzt konnte Marian Vach wieder einmal sein dirigentisches Vermögen unter Beweis stellen. Ohne große Gestik vermag er zugleich prägnant und aussagekräftig die jeweilige Musik Klang werden zu lassen und die einzelnen Musiker lassen ihre Freude darob erkennen.

Wenn bloß die Menschheit aus solchem auf historischer Basis beruhendem tragischen Bühnengeschehen lernen würde! Viel zu wenige kennen es.

Das anwesende Publikum muss jedenfalls aus lauter Wissenden und Liebenden bestanden haben, denn ab der ersten Musiknummer wurde es nicht müde, jede der voll gelungenen Solo- und Gruppenzenen mit kräftigem Beifall und Bravorufen zu bedanken.

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Sarah Mair, Mickael Spadaccini, Iano Tamar, Vittorio Vitelli, Stefan Tanzer, Gerhard Motsch und Alexander Gallee. Foto: „Amici del Belcanto“

Soviel fürs erste.  Details und Fotos folgen im Oktoberheft des „Neuen Merkers“.

Sieglinde Pfabigan

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KÖLN: 33. IAW-Messe (Internationale Aktionswaren- und Importmesse). Jack Opstaele aus Antwerpen/BGT Geschenkartikel. Von Anfang an dabei

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Der BGT-Messestand

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Zu einem der denkwürdigsten Zeitpunkte unserer Geschichte, dem Todeszeitpunkt von Queen Elizabeth II. am 8. September 2022, schloss die 33. IAW-Messe (Internationale Aktionswaren- und Importmesse) in Köln. Aussteller, Mitarbeiter und Besucher erfuhren zum größten Teil aus dem Autoradio nach Abschluss der Messe von der traurigen und zugleich völlig überraschenden Nachricht, da man während des Messetrubels oder gar dem Messeabbau überhaupt keine Zeit für Nachrichten und Ähnliches dieser Art hat. Nicht zuletzt ist dieser Schicksalsschlag so bedeutsam und bewegend für die Menschheit, da er eindeutig einen klaren Generationswechsel im Denken, Benehmen und Verhalten der Menschen aller Nationen darstellt.

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Jack Opstaele aus Antwerpen vor seinem Stand. Copyright: Andrea Matzker

Diesen Generationswechsel stellt auch in persona einer der allerersten Aussteller der IAW-Messe dar. Es handelt sich um den Belgier Jack Opstaele aus Antwerpen, der bereits nach abgeschlossenem Studium im Jahre 1964 zum ersten Mal, damals noch mit seinem Vater, in China war, um für die Firma seines Vaters einzukaufen. Der überaus freundliche Herr erzählt mit Freuden aus dieser Zeit, wo er in Begleitung seines Vaters das Geschäft von der Pike auf lernte. Als er sich dann irgendwann unter dem Firmennamen BGT mit Geschenkartikeln selbstständig machte, und dies war im Jahr 1979 mit gerade mal 6000 € (umgerechnet in die heutige Währung), begann ein blühendes Geschäft. Heutzutage könnte man mit einer solchen Summe nie mehr eine Firma aus dem Boden stampfen. So begründete er sein Lebenswerk, für das er mit seinem Herzblut sein ganzes Leben lang gearbeitet hat. Schon längst hätte er sich nach all den Jahren zur Ruhe setzen können, macht dies aber nicht, da seine Kinder leider kein Interesse für seinen Beruf hegen, er aber auch nicht möchte, dass seine vielen, immer noch vorhandenen Produkte verramscht werden. Die nächste Generation ist nicht mehr an diesen zum größten Teil sehr künstlerisch und liebevoll hergestellten Objekten interessiert, sondern nur am schnöden Mammon. Auch dies ist eben dem zuvor erwähnten Generationswechsel geschuldet. Außerdem stellt zu seinem Leidwesen China sämtliche Produkte zu solch unschlagbaren Preisen her, dass er seine bisher regelmäßig konsultierten Vertragspartner in Italien und anderen Ländern schweren Herzens nicht mehr als Zulieferer behalten kann. Seinen mit Liebe aufgestellten, übersichtlichen und gemütlichen Stand mit den vielen unterschiedlichen kleinen und größeren Kunstwerken betreibt er auf der IAW-Messe lediglich „aus Spaß“, denn er sagt: „Was soll ich mit den Sachen machen? Und was soll ich sonst tun: Zu Hause rumsitzen?!“ Als einer der sicherlich ältesten Aussteller auf der Messe verkauft er seit der ersten Stunde immer noch mit Erfolg katholische Devotionalien nach Köln, Bayern und Lourdes. Wenn man sich überlegt, dass ein von Hand gemachter und bemalter, wunderschöner Terracotta-Teller aus Italien oder ein kunstvoller, farbenfroher, mit Gold durchwirkter Tutanchamun, natürlich inzwischen aus China statt aus Ägypten stammend, für lediglich vier Euro zu erwerben ist, schämt man sich schon fast, diese Produkte zu diesem ungeheuer geringen Entgelt zu kaufen, auch wenn man weiß, dass es sich um Einkaufspreise für womöglich viele 1000 Stück handelt.

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Terracotta Teller aus Italien bei BGT. Copyright: Andrea Matzker

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Tutanchamun bei BGT. Copyright: Andrea Matzker

Der Respekt vor dem Kunstwerk scheint heute nicht mehr zu existieren. Und auch dies geht mit dem Generationswechsel einher, denn die neue Generation scheint nicht mehr viel für diese Dinge übrig zu haben, wie Jack Opstaele ein wenig nostalgisch, aber trotzdem zuverlässig lächelnd sagt. Er freut sich schon auf die nächsten IAW-Messen, an denen er sehr gerne teilnehmen möchte.

Im Großen und Ganzen fand die 33. IAW-Messe nach der harten Corona-Zeit mit viel Erfolg statt. Über 5000 Besucher aus 66 Ländern besuchten an den drei Messetagen die 260 verschiedenen Aussteller aus 22 Nationen, und es wirkte fast, als habe es Corona nie gegeben. Nachhaltige Produkte lagen besonders hoch im Kurs. Ein reichhaltiges Kongressprogramm mit Branchenexperten fand wieder reges Interesse.

Die 34. IAW-Messe ist für den 28. Februar bis zum 2. März 2023 geplant, dann wieder mit einem Trend Award für das beste und originellste Produkt.

Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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Michelangelo-Puzzle am Stand der Rappelkiste. Copyright: Andrea Matzker

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Raffaello-Puzzle am Stand der Rappelkiste. Copyright: Andrea Matzker

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Der Stand von Global Brand Partners mit alten Werbeplakaten. Copyright: Andrea Matzker

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Der Stand von Global Brand Partners mit alten Werbeplakaten. Copyright: Andrea Matzker

Andrea Matzker & Dr. Egon Schlesinger

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„kulturMontag“ am 12. September: Queen-Nachruf, Jean-Michel Basquiat, Wiener Praterateliers, Weltraum-Kammerspiel „Rubikon“
Doku-Premiere „Architektur macht Schule“

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 12. September 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2 widmet sich nach einem Nachruf auf Queen Elizabeth II, der den Einfluss und die Wirkung der Ausnahmeregentin auf die Popkultur würdigt, u. a. dem Künstler Jean-Michel Basquiat, dessen Werke zu den teuersten auf dem Kunstmarkt zählen. Die Wiener Albertina zeigt rund 50 seiner Arbeiten aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Weiters befasst sich die Sendung mit den Wiener Praterateliers. Der historische Gebäudekomplex soll nach einer Revitalisierung zu einem modernen Zentrum für zeitgenössische Kunst werden. Außerdem Thema: der Science-Fiction-Film „Rubikon“ von Leni Lauritsch. Ihr Regiedebüt ist ein dystopisches Kammerspiel in beeindruckendem Weltraum-Look. Anschließend an das Magazin steht die Doku-Premiere „Architektur macht Schule“ (23.15 Uhr) über neue Schularchitektur mit Wohlfühlatmosphäre auf dem Programm.

Details zum „kulturMontag“-Magazin:

Farewell, Queen Elizabeth – Nachruf auf eine royale Pop-Ikone

Helen Mirren oder Olivia Colman brachten sie auf die Leinwand, die James-Bond-Darsteller Sir Sean Connery oder Sir Roger Moore wurden von ihr geadelt, kein Wunder – standen sie doch alle im Dienste ihrer Majestät. Auch die britische Musikszene, von den Beatles bis zu den punkigen Sex Pistols, verewigten Queen Elizabeth II in ihren Songs, selbst Andy Warhol erkannte schon früh ihr Pop-Potenzial. Der „kulturMontag“ bringt eine kulturelle Würdigung des Pop-Stars der Monarchie.

Jean-Michel Basquiat – eine Galionsfigur mit Groove

Jean-Michel Basquiat war Maler, Wortakrobat und Wunderkind der New Yorker Kunstszene der späten 1970er und 1980er Jahre. Er war mit Madonna liiert, mit Andy Warhol befreundet, malte in seinen berühmten Armani-Anzügen, war reich und berühmt und starb im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Doch Basquiat und sein Werk sind viel mehr als dieses Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hat. Seine Arbeiten sind zornig, symbolgeladen, hochkomplex und zutiefst politisch. Beeinflusst von Comics, Kinderkritzeleien, Pop Art, afrikanischer Kunst, Jazz und Hip Hop entwickelte er seinen ganz eigenen expressiven Stil aus Zeichen, Worten, Zahlen, Listen und Symbolen. Er beschäftigte sich mit Themen wie Rassismus, Kolonialismus, sozialer Ungerechtigkeit und Sklaverei. Basquiat reißt mit 17 Jahren von zu Hause aus und lebt teilweise auf den Straßen von New York, wo er gemeinsam mit seinem Freund Al Diaz U-Bahn-Züge und Häuserfassaden besprüht. Mit ihren geheimnisvollen Graffiti-Botschaften über die amerikanische Alltagskultur und ihrem Kürzel SAMO (Same Old Shit) sorgen sie für Aufsehen. In Folge avancierte Jean-Michel Basquiat als erster Afro-Amerikaner vom Undergroundkünstler zum internationalen Superstar. In nicht einmal einem Jahrzehnt schuf er etwa 1.000 Gemälde und mehr als 2.000 Zeichnungen. Seine Werke zählen heute zu den teuersten auf dem Kunstmarkt. In einer umfassenden Retrospektive zeigt die Wiener Albertina rund 50 Arbeiten von Jean-Michel Basquiat aus renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen.

Kaiserlicher Kunstschatz: Die Wiener Praterateliers

Es ist ein verzauberter Garten für die Kunst, wo sich Fuchs und Dachs Gute Nacht sagen. Mitten im Wiener Prater, unweit vom Ernst-Happel-Stadion und der Trabrennrennbahn Krieau, befinden sich die fast 150 Jahre alten Praterateliers, erschaffen 1873 von Carl Hasenauer für die Weltausstellung. Während die Halle nach der internationalen Schau wieder abgerissen wurde, befehligte Kaiser Franz Joseph den Erhalt der Pavillons, da man dringend Platz für die Bildhauer brauchte, um Skulpturen für die Gestaltung der Ringstraße zu schaffen. Eine Entscheidung von baugeschichtlicher Bedeutung, denn damit wurden entscheidende Weichen für die weitere Entwicklung der österreichischen Architektur im späten 19. Jahrhundert gestellt. Das idyllische Architekturjuwel hat längst Patina angesetzt und soll nun endlich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Mit rund elf Millionen Euro aus EU-Mitteln aus dem österreichischen Aufbau- und Resilienzplan sollen die Bildhauerateliers des Bundes saniert und baulich und ökologisch modernisiert werden, um den historischen Gebäudekomplex zu erhalten. Gleichzeitig sollen die Ateliers als modernes Zentrum für zeitgenössische Kunst mit neuen Veranstaltungsräumlichkeiten etabliert werden. Kann die Atmosphäre des in Europa einzigartigen Künstlerparadieses ob der fortschreitenden Gentrifizierung erhalten bleiben?

Der Science-Fiction-Film „Rubikon“, ein Kammerspiel im Weltraum

Ins Jahr 2056 führt das Spielfilmdebüt „Rubikon“ der Kärtner Filmemacherin Leni Lauritsch. Die 24-Jährige hat ein dystopisches Science-Fiction-Kammerspiel geschrieben und inszeniert, angesiedelt in einer Raumstation. Während zwei Wissenschafter und eine Soldatin auf der Raumstation „Rubikon“ nach Methoden forschen, den Fortbestand der Menschheit zu sichern, ereignet sich auf der Erde eine meteorologische Katastrophe. Der Planet versinkt in einer Wolke aus Nebel und Asche, der Kontakt zur Raumstation reißt ab. Sind sie die letzten Überlebenden? Leni Lauritsch beweist in ihrem Regiedebüt großes visuelles Gespür und braucht sich auch vor millionenschweren Hollywoodproduktionen nicht zu verstecken. Johannes Mücke, der schon mit Roland Emmerich zahlreiche seiner Filme und Settings verwirklicht hat, ist für den Weltraumlook bei „Rubikon“ verantwortlich. Ob der Titel des Films eine Metapher auf Julius Caesar ist, werden Lauritsch und Mücke live im Studio verraten.

Dokumentation „Architektur macht Schule“ (23.15 Uhr)

Seit der Bildungsreform 2017 hat sich an Österreichs Schulen einiges verändert. Die Lehrkräfte können ihren Unterricht ganz nach den Bedürfnissen der Schüler/innen gestalten und die Pausenglocke ist vielerorts verstummt. Doch die neuen Lehrmethoden – die Abkehr vom Frontalunterricht hin zum freien Lernen in Kleingruppen – erfordern auch eine neue Schularchitektur. In Österreich sind in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche „Cluster-Schulen“ entstanden: Die Schüler/innen können selbst entscheiden, wo und mit wem sie im Team arbeiten wollen. Das funktioniert nur mit transparenten und überschaubaren Räumen, in denen die Lehrer/innen Kleingruppen managen und ihrer Aufsichtspflicht nachkommen können. Nicola Eller hat für ihre TV-Dokumentation fünf Beispiele innovativer Lernlandschaften besucht: Im Campus Sonnwendviertel und im Campus Schendlingen in Vorarlberg, beides Cluster-Schulen, herrscht ein familiäres Klima. Natürliche und nachhaltige Materialien wie Holz und Schafwolle tragen wesentlich zur Wohlfühlatmosphäre bei. Die Grenzen zwischen Innen und Außen sind auch in der Volksschule Dorf in Lauterach fließend. Sie bietet jedem Kind einen barrierefreien Blick in die Umgebung. So konnten Schüler/innen einander durch die verglasten Räume zumindest sehen, als die Klassen während der Corona-Pandemie nicht gemischt werden durften. Noch einfacher war es im Campus Neustift in Tirol. Dort können die Kinder sogar auf dem begrünten Dach lernen. Im Agrarbildungszentrum Salzkammergut lernen Schüler/innen in und mit der Natur – fast alles ist in diesem Passivhaus aus heimischer Weißtanne. Das Holz wirkt beruhigend und inspiriert die kommenden Landwirtinnen und -wirte, Floristinnen und Floristen sowie Restaurant-Fachleute.

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