Das Festliche Weihnachtskonzert der Dresdner Musikfestspiele lässt barocke Klangwelten erstrahlen

Dresdner Festspielorchester – Bolton – Sabadus Kulturpalast Dresden, 14. Dezember 2018

Foto: © Nikolaj Lund
Dresdner Festspielorchester – Bolton – Sabadus

Kulturpalast Dresden, 14. Dezember 2018

Dresdner Festspielorchester

Ivor Bolton, Dirigent
Valer Sabadus, Countertenor

von Pauline Lehmann

Countertenor Valer Sabadus und das Dresdner Festspielorchester unter der Leitung des Chefdirigenten Ivor Bolton öffnen das musikalische Schatzkästchen des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Konzertsaal des Kulturpalastes erstrahlen Opernpartien und Instrumentalwerke alter Meister im schönsten Glanz.

© Olliver Killig

Das Dresdner Festspielorchester – 2012 als Klangkörper der Dresdner Musikfestspiele gegründet – formiert sich an diesem Abend als Barockensemble. Die freudige und lebendige Musizierweise sowie das hohe Maß an Präzision und interpretatorischem Feingefühl beeindrucken. Bolton übernimmt den Cembalopart und dirigiert von dort aus. Es gelingt ihm, das Klangbild fein zu nuancieren und plastisch wirken zu lassen.

Der erste Teil des Konzerts gebührt Georg Friedrich Händel und seinem regen musikalischen Schaffen in der britischen Hauptstadt. Mit ausgewählten Sätzen aus den Suiten 1 und 2 der Wassermusik entfaltet sich barocke Pracht. Gedanklich schwelgt man bei einer königlichen Bootsfahrt auf der Themse. Die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Stücke sind genau herausgearbeitet.

© Christine Schneider

Sabadus entführt das Publikum in Händels Opernschaffen und lässt die jeweiligen Protagonisten – Ruggiero, Sesto, Ariodante und Rinaldo – lebendig werden. Seine Stimme fügt sich sanft in den Orchesterklang ein und wirkt beinahe schwebend. Die dynamische Stimme, die weich und fließend in allen Lagen ist, begeistert. Die Töne sind filigran und präsent, haben aber in der tieferen Lage nicht immer das notwendige Gewicht.

In Svegliatevi nel core (Erwache in meinem Herzen) aus der Oper Giulio Cesare in Egitto trifft rhythmische Präzision auf große Affekte. Eindrucksvoll schildert Sabadus die Klage und den Rachedrang Sestos, der soeben seinen Vater verloren hat. Die Koloraturen der Bravourarie Venti, turbini (Winde, Stürme) aus der Oper Rinaldo sind kristallklar.

Vom Pausenfoyer des Kulturpalastes eröffnet sich ein imposanter Blick auf das funkelnde Lichtermeer des Dresdner Altmarktes. Inmitten des weihnachtlichen Trubels schafft das Festliche Weihnachtskonzert der Dresdner Musikfestspiele innige, freudvolle Momente.

Zu Beginn der zweiten Konzerthälfte erklingt Johann Sebastian Bachs Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo c-Moll. Der erste Satz gelingt schwungvoll und vital. Dem energievollen dritten Satz schließt sich Antonio Vivaldis Sinfonia F-Dur an, welche eine klare Strahlkraft besitzt.

In der Arie Gelido in ogni vena (Eisig fühle ich das Blut) des Farnace aus Antonio Vivaldis gleichnamiger Oper legt sich der verhaltene Sologesang über das pulsierende Orchester. Sabadus beeindruckt durch seine bescheidene Art. Nach Christoph Willibald Glucks Regensburger Sinfonie in A-Dur überzeugt Sabadus mit Tutto qui mi sorprende (Alles weckt mein Erstaunen) und Le belle immagini (Die süßen Bilder) aus Paride ed Elena, Glucks dritter Reformoper.

Nach Placa lo sdegno o cara (Besänftige deinen Zorn, o Teure), der Arie des Rodrigo aus der Oper Il Cid von Antonio Maria Gaspare Sacchini, eines recht unbekannten Zeitgenossen Glucks, dankt das Publikum mit Bravorufen und Ovationen.

Eine ruhige Zugabe beschließt das stimmungsvolle Konzerterlebnis. Sabadus – begleitet von Cello, Theorbe und Cembalo – schafft nochmals innige, freudvolle Momente. Schade, dass das Publikum dies nicht vollauf zu schätzen weiß und einige Übereifrige den Konzertsaal schon vorzeitig verlassen.

Pauline Lehmann, 19. Dezember 2018,
für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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