Samuel Hasselhorns Schubert-Projekt ist eine bereits erfüllte „Hoffnung“

Franz Schubert, Hoffnung, Samuel Hasselhorn  klassik-begeistert.de, 24. April 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Es ist ein absoluter Hörgenuss, wie der Sänger sensible Stimmungen in den Texten perfekt in kunstvolle Phrasierungen umsetzt, ihnen dadurch eine Tiefe verleiht, ohne sie dabei zu überinterpretieren. Das ist höchste Interpretationskunst, der Anteil des Pianisten Ammiel Bushakevitz daran ist bedeutend.

Franz Schubert
Hoffnung

Samuel Hasselhorn
Ammiel Bushakevitz

HMM 902779

von Peter Sommeregger

Noch vor ein paar Jahren musste man fürchten, der Liedgesang wäre eine sterbende Kunst, die Zahl von Liederabenden ging kontinuierlich zurück, ebenso jene der Sänger, die sich dieser Kunst widmeten.

Inzwischen hat sich dieser Teil der musikalischen Szene aber erfreulich belebt, eine ganze Reihe jüngerer Interpreten widmet sich wieder dem Kunstlied. Unter ihnen hat sich besonders der Bariton Samuel Hasselhorn schnell einen Namen gemacht, der neben Opern auch regelmäßig Liederabende singt.

Gemeinsam mit dem Pianisten Ammiel Bushakevitz verfolgt er ein interessantes Schubert-Projekt: im Vorgriff auf den 200. Todestag des Komponisten 2028 erscheint jedes Jahr eine CD mit Liedern, die vor exakt 200 Jahren geschrieben wurden. Aktuell sind die Künstler beim Jahr 1826 angelangt, und präsentieren eine Auswahl von Liedern jenes Jahres.

1826 war im schwierigen, kurzen Leben des Komponisten eine Phase der Hoffnung, was sich naturgemäß auch in der Grundstimmung der Lieder niederschlägt. Nicht wenige davon zählen zu den Populären, wie z.B. „An Silvia“, „Um Mitternacht“, „Im Freien“, oder „Der Wanderer an den Mond“. Hasselhorns geschmeidiger Bariton verfügt über ein reiches Spektrum an Zwischentönen, die er bei makelloser Textverständlichkeit auch zu nutzen weiß.

Es ist ein absoluter Hörgenuss, wie der Sänger sensible Stimmungen in den Texten perfekt in kunstvolle Phrasierungen umsetzt, ihnen dadurch eine Tiefe verleiht, ohne sie dabei zu überinterpretieren. Das ist höchste Interpretationskunst, der Anteil des Pianisten Ammiel Bushakevitz daran ist bedeutend. Da sind sich zwei Künstler ebenbürtig in ihrem Streben nach Schönheit des Klanges, und Wahrhaftigkeit des Inhaltes. Das ist Liedgesang und Schubert-Interpretation auf höchstem Niveau!

Die Hoffnung auf eine Renaissance des Liedgesanges hat sich also bereits erfüllt. Mit großer Vorfreude sieht man den nächsten Veröffentlichungen des Duos entgegen, ein Konzert mit der „Winterreise“ gab kürzlich in Berlin bereits einen Vorgeschmack darauf!

Peter Sommeregger, 23. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Franz Schubert, Winterreise, Samuel Hasselhorn Pierre-Boulez-Saal, Berlin, 27. November 2025

Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem op. 45, Leitung Christian Thielemann Philharmonie Berlin, 3. April 2026

CD-Rezension: Schubert Lieder with Orchestra, Benjamin Appl

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