Staatsoper Hamburg: Ein Sängerfest der Superlative

Georg Friedrich Händel, Alcina,  Staatsoper Hamburg, 23. Februar 2020

Staatsoper Hamburg, 23. Februar 2020
Georg Friedrich Händel, Alcina
Foto: © Westermann

Ulrich Poser berichtet über die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Alcina“ in der Hamburgischen Staatsoper vom 23. Februar 2020.

Ein fantastischer Abend. Bereits die Inszenierung von Händels Märchen-Ballettoper über die Zauberin Alcina, die verflossene Liebhaber in Tiere, Pflanzen und Steine verwandelt, war mehr als unterhaltsam und kurzweilig. Christof Loy (Inszenierung) und Herbert Murauer (Bühnenbild und Kostüme) haben hier wunderbar kooperiert. Ein schlichtes, modernes Bühnenbild, in dessen Zentrum meist Alcinas riesiger Palast steht. Ein solch beeindruckendes geschmackvolles Bühnenbild mit geschickt dramatischer Ausleuchtung und mit teilweise nach hinten offener Bühne wünschte man sich bei anderen Inszenierungen auch; etwa für Teile des ersten Aktes der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner.

Auch die Choreografin Beate Vollack schuf Überzeugendes. Das aus Damen, Pagen, Dienerinnen, Rittern, Zauberwesen und Geistern aus der Unterwelt bestehende Ballett hätte ohne Weiteres in ein aktuelles R&B-Video von Alicia Keys integriert werden können. Mit solch aktuellen Ausdrucksmitteln kann übrigens auch die Jugend für das Genre Oper begeistert werden, weshalb die Taktik von Frau Vollack voll aufging: Neben dem üblichen Publikum der Firma Weißkopf-Reisen waren an diesem Abend im vollbesetzten Haus viele Jugendliche anwesend, die ihrer Begeisterung in Form starken Applauses und Begeisterungsrufen lautstarken Ausdruck verliehen. Es war Stimmung im Haus.

Dank an den Intendanten Georges Delnon dafür, dass er seit einiger Zeit – endlich  – erstklassige Sänger an das Haus holt. Die Sängerbesetzung an diesem Abend war wieder einmal ausnahmslos hervorragend!

Die kandadische Künstlerin  Layla Claire gab eine Parade-Alcina. Sie bewältigte die händelschen Koloraturen mühelos und überzeugte mit ihrem glasklaren, reinen und stimmstarken Sopran. Dank ihrer hervorragenden Textverständlichkeit erntete sie am Schluss verdienten Riesenapplaus.

Obwohl alle Sängerinnen und Sänger an diesem Abend hervorragend waren, verdiente sich die aus Russland stammende Sopranistin Julia Lezhneva als Morgana das Prädikat „Star des Abends“. Diese bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnete Künstlerin leistete mit ihrem aberwitzigen Koloratursopran a la Gruberova schier Unglaubliches: Ihre messerscharfen Spitzentöne in der höchsten Lage und ihre technische Perfektion bei der Bewältigung der aberwitzigen Koloraturen ließen das Haus am Ende Kopf stehen. Jubel, Jubel, Jubel!

Hervorzuheben ist auch die fabelhafte Leistung des Schweizer Tenors Fabio Trümpy, den Frau Vollack für seine Rolle als Oronte wohl eher unfreiwillig optisch in Supertramps Roger Hodgson verwandelt hat. Herr Trümpy besitzt einen lyrischen, klaren und kräftigen Tenor, der die Partie des Oronte in reinen Wohlklang verwandelte. Auch dafür gab es schließlich stürmischen Applaus und viele Bravos. Von diesem Sänger möchte man mehr hören.

Hervorragend auch der Rest des Ensembles: Maite Beaumont als ebenfalls sehr koloratursicherer Ruggiero, Katarina Bradić als verführerische in der Mittellage nicht zu übertreffende Bradamante, Narea Son als Oberto und Nikolay Borchev als Melisso.

Die kleine Technikpanne gegen Ende der Aufführung schadete dem großartigen Opernerlebnis nicht. Eine Wand, die nach einer Detonation einstürzen sollte, tat gerade dies nicht. Ein beherzter Bühnenarbeiter erledigte diesen Job dann aber entschlossen mit der Hand und stürzte sie um. Heiteres Geschmunzel und Szenenapplaus waren die Folge.

Ein mehr als unterhaltsamer Abend auf höchstem künstlerischen Niveau.

Ulrich Poser, 24. Februar 2020, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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