Foto: Ewa Płonka, Luca Micheletti © J.Berger_ORW-Liège
Oper als Gesamtkunstwerk, das Musik, Schauspiel, Bühnen- und Kostümkreationen und auch Tanz umfasst. Dies ist das Ziel des Regisseurs Stefano Poda. Und das Mindeste was man sagen kann über die Aufführung der Oper MACBETH zur Saisoneröffnung 2026/2027 in Lüttich ist, dass es hier total gelungen ist. Stefano Poda zeichnet verantwortlich für Regie, Bühnenbild, Kostüme, Lichtregie und Choreografie, Generalmusikdirektor Giampaolo Bisanti für die musikalische Leitung. Das mordende Königspaar wird von Luca Micheletti und Ewa Płonka überzeugend gesungen und dargestellt.
Lüttich, Opéra Royal de Wallonie, 18. September 2026
Giuseppe Verdi (1813-1901)
MACBETH
Oper in vier Akten (Libretto von Francesco Maria Piave)
Musikalische Leitung: Giampaolo Bisanti
Inszenierung, Bühnenbild,
Kostüme, Licht & Choreografie: Stefano Poda
von Jean-Nico Schambourg
Oper als Gesamtkunstwerk, das Musik, Schauspiel, Bühnen- und Kostümkreationen und auch Tanz umfasst. Dies ist das Ziel des Regisseurs Stefano Poda. Und das Mindeste was man sagen kann über die Aufführung der Oper MACBETH zur Saisoneröffnung 2026/2027 in Lüttich ist, dass es hier total gelungen ist. Stefano Poda zeichnet verantwortlich für Regie, Bühnenbild, Kostüme, Lichtregie und Choreografie.
Der Motor seines Regiekonzepts ist die Eitelkeit, die die Opernfiguren antreibt. Die Sucht nach immer mehr Macht ist, wie im echten Leben, die Eitelkeit der Eitelkeiten: “Vanitas! Vanitatum Vanitas!”
Das königliche Mörderpaar agiert bei Poda mit einer extremen Brutalität, die sie selbst mit Momenten scheinbar zu erschrecken scheint und sie zu weiteren Bluttaten verleitet. Angestachelt werden sie dabei andauernd von den Hexen, dargestellt von Chor und Tänzer. Letzteren gebührt ein besonderes Lob für ihre großartige Darstellung. Aus einem riesigem dampfenden Loch, das sich in der Mitte der Bühnen auftut und das einen Hexenkessel verkörpert, kriechen sie hervor oder segeln an Seilen von oben auf die Bühnen herunter. Sie fügen sich mit ihren tollen Einlagen ganz natürlich in das Bühnengeschehen ein. Die moderne Tanzchoreografie von Poda unterstreicht dabei die Brutalität der Opernhandlung und erfasst mit Momenten nicht nur Tänzer, sondern auch Solisten und Chorsänger.

Die ganze Handlung spielt auf einer Bühne umrahmt drei Mauern bestehend aus einer Anhäufung versteinerter menschlicher Körper, die die Gräueltaten u.a. der beiden Protagonisten im Kampf um die absolute Macht bezeugen. Treppen führen an diesen Wänden zu Türen, die zum Teil wieder zu anderen Türen leiten und so den Eindruck erwecken, dass die Figuren nie an ihr Ziel kommen. Auch andere Elemente, wie ein herabgelassener Käfig, bekräftigen den Eindruck, dass es hier kein Entkommen gibt.

Kein Entkommen gibt es auf jeden Fall für den Zuschauer der mit Faszination diese Aufführung erlebt, besonders da auch im Orchestergraben das Orchester der Opéra Royal de Wallonie unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Giampaolo Bisanti zu Hochform aufläuft.
Auf der Bühne wird das mordende Königspaar von Luca Micheletti und Ewa Płonka überzeugend gesungen und dargestellt. Mit schwarzer Baritonstimme zeichnet Luca Micheletti einen düsteren Aufsteiger Macbeth. Seine Darstellung lässt einen exzellenten Schauspieler erkennen, der nicht davor scheut in einigen Szenen in Sprechgesang zu verfallen, was ganz im Sinne Verdis ist. Seine Arie “Pietà, rispetto, amore”, singt er mit gutem Legato und großer Phrasierungskunst.

Ewa Płonka gibt mit dramatischem Sopran die Lady Macbeth. Sie ist die führende Kraft des Königspaares und setzt sich mit metallischem Klang und vollen Spitzentönen durch. Klingt in ihren mörderischen Szenen die Kälte der Lady Macbeth durch, so sickert in ihrer Wahnszene am Ende auch eine gewisse Menschlichkeit durch und sie beschließt die Arie mit einem fast sanften hohen Schlusston.
Gianluca Buratto singt den Banco mit großer klangvoller Stimme. Seine manchmal ein wenig dröhnende Stimme beherrscht die Ensembleszene am Ende des ersten Aktes. Matteo Desole zeigt als Macduff eine schöne lyrische Tenorstimme, die allerdings gegenüber den anderen Solisten ein wenig abfällt.
Die kleineren Rollen werden sauber von ihren Interpreten gesungen, die teilweise aus dem Chor der Lütticher Operstammen. Musikalisch vorbereitet von Denis Segond überzeugt der Chor sowohl gesanglich als auch schauspielerisch.
Das Publikum bejubelt am Schluss vor allem Luca Micheletti, Ewa Płonka, sowie Giampaolo Bisanti mit seinem Orchester. Aber auch die Tänzer werden ganz speziell gefeiert. Stefano Poda und sein Assistent werden ebenfalls mit viel Applaus bedacht.
Jean Nico Schambourg, 20. SEptember 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Giuseppe Verdi, Macbeth Hamburgische Staatsoper, PREMIERE, 12. September 2026