Foto: Macbeth 2026 A.Grigorian G.Finley © Geoffroy Schied
Verdis Macbeth in der Inszenierung von Martin Kušej steht wieder einmal auf dem Spielplan der Münchner Opernfestspiele. Zugpferde sind in diesem Jahr Asmik Grigorian und Gerald Finley in den Rollen der Lady Macbeth und ihres Ehegatten. Auch die kurzfristige Besetzung der Rolle des Macduff mit Jonathan Tetelman besitzt Festspielcharakter. Die Zuhörer werden an diesem Abend nicht enttäuscht und erleben eine packende Aufführung unter der musikalischen Leitung von Andrea Battistoni.
Giuseppe Verdi (1813-1901) MACBETH
Melodramma in vier Akten
Libretto von Francesco Maria Piave
Musikalische Leitung: Andrea Battistoni
Inszenierung: Martin Kušej
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Werner Fritz
Bayerisches Staatsorchester
Bayerischer Staatsopernchor
Nationaltheater München, 5. Juli 2026
von Jean-Nico Schambourg
Das Inszenierungskonzept des Regieteams um Martin Kušej ist hinlänglich bekannt, da die Oper seit der Premiere im Oktober 2008 regelmäßig auf dem Spielplan der Bayerischen Staatsoper mit wechselnden Gesangsolisten erscheint.
Die Hexe werden von einer Gruppe gestylter Kindern ersetzt. Der Chor singt öfters unsichtbar von der Bühnenseite her, während Statisten auf der Bühne kopulieren und urinieren.
Einige beeindruckende Bilder bleiben allerdings im Gedächtnis zurück. So zum Beispiel die Szene mit dem riesigen Kronleuchter der während der Arie “La luce langue” der Lady Macbeth wie ein Pendel hin-und-her schwingt. Allerdings besteigt seit Najda Michael, der Premierenbesetzung keine Lady mehr den Kronleuchter.
Asmik Grigorian tut dies auch nicht. Dies hat sie auch nicht nötig, denn ihre Interpretation der Lady Macbeth ist auch so vokal und szenisch eine Attraktion für sich. Mit vollem Elan wirft sie sich in ihre Partie und scheut dabei auch nicht manchen “unschönen” Ton, sowie Verdi es verlangte (“voce brutta”).

Hässlich ist ihre Stimme allerdings beileibe nicht! Sie sucht nicht den Schönklang per se, sondern weiß ihre Stimme der gegebenen Situation anzupassen: blutrünstig in “Vieni t’affretta”, einschmeichelnd bei “La luce langue”, geistig umnachtet in “Una macchia è qui tuttora”. Ich habe über die Jahre hinweg mehrere Ladys in dieser Inszenierung erlebt. Allerdings konnte mich seit Najda Michael keine so fesseln wie jetzt Asmik Grigorian!

Ihr Macbeth wird von Gerald Finley meisterhaft gesungen. Seine Herangehensweise an seine Rolle zeugt vomgroßartigen Liedinterpreten, der er ist. Er gibt jeder Phrase seiner Partitur die richtige Farbe und nötige Kraft. Stimmlich nicht so explosiv wie Grigorian, zeigt er auch gesanglich, dass Macbeth seiner Frau untertänig ist. Er gibt sich ihren Wünschen nicht immer aus eigener Überzeugung hin, vielleicht auch, um sie vom Schmerz der Kinderlosigkeit zu erlösen, die hier bei Kušej eine zentrale Idee ist. Bei der Schlussarie “Pietà, rispetto, amore” lässtFinley seinen warmen, dunklen Prachtbariton fließen, auf langem Atem mit perfektem Legato. Ein Meisterstück an sich!
Für die Rolle des Macduff konnte die Bayerische Staatsoper kurzfristig Jonathan Tetelman engagieren. Eine Luxusbesetzung! Tetelman enttäuscht seine Anhänger nicht. Trompetenhaft überstrahlt sein Tenor die Ensembles, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Seine Arie “O figli miei – Ah, la paterna mano” trägt er gefühlvoll mit viel tenoralem Schmelz in der Stimme vor und erntet natürlich riesigen Applaus.

Die vierte großartige Gesangleistung kommt von Roberto Tagliavini, der mit rundem, warmem Bass den Banco singt. Seine imposante Bühnenerscheinung und seine kraftvolle Stimme machen ihn zu einem sehr glaubwürdigenRivalen von Macbeth.
Alle anderen Sänger passen sich dem hohen musikalischen Niveau des Abends an, mit besonderer Note für Jinxu Xiahou als Malcolm. Nicht zu vergessen sei auch der spontane Szenenapplaus, den der Hund erntet, der Bancos Kopf von der Bühne holt!

Musikalisch wird der Abend geformt von Andrea Battistoni, der mit präzisen Gesten das Bayerische Staatsorchester zu instrumentaler Hochleistung anregt. Auch der Bayerische Staatsopernchor trägt seinen wichtigen Teil zum Erfolg des Abends bei.
Jean-Nico Schambourg, 6. Juli 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Asmik Grigorian, Sopran, Hyung-ki Joo, Klavier und Gesang Wiener Staatsoper, 2. Dezember 2025
Richard Strauss, Salome, Hamburgische Staatsoper, 9. Oktober 2025
Giuseppe Verdi, Luisa Miller Wiener Staatsoper, 20. Februar 2026
Umberto Giordano, Fedora Deutsche Oper Berlin, 30. November 2025