Krzysztof Bączyk: „Ich habe etwas von Leporello in mir“

klassik-begeistert im Gespräch mit dem polnischen Bass Krzysztof Bączyk  klassik-begeistert.de, 23. Oktober 2026

Krzysztof Bączyk © Ksenia S. Photography

Krzysztof Bączyk begann seine Gesangsausbildung an der Jerzy-Kurczewski-Chorschule in Posen. Anschließend absolvierte er ein Gesangsstudium an der dortigen Ignacy-Jan-Paderewski-Musikhochschule und bildete sich an der Opernakademie des Teatr Wielki – Nationaloper weiter. Im Jahr 2011 debütierte er am Teatr Wielki in Posen als Pope in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“.

Jolanta Łada-Zielke im Gespräch mit dem polnischen Bass Krzysztof Bączyk

klassik-begeistert: Sie waren zwölf Jahre lang Mitglied des Posener Knabenchors „Polskie Słowiki“ (Polnische Nachtigallen). Was hat Sie dazu bewogen, eine Solokarriere einzuschlagen?

Krzysztof Bączyk: Der unmittelbare Anstoß war eine Sehnsucht nach dem Singen, die ich nach einer einjährigen Pause verspürte. Ich besuchte nämlich eine Grundschule, die mit einem Gymnasium verbunden war [1]. Nach dem Unterricht fanden dort Chorproben statt, sodass ich dreimal wöchentlich von acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends in der Schule verbrachte. Es kamen natürlich öffentliche Auftritte und Konzertreisen hinzu. Oft beneidete ich meine Freunde aus der Nachbarschaft, die nach der Schule Fußball spielen gingen und irgendwann hatte ich einfach genug von dieser Musik. Die Chorschule dauerte insgesamt neun Jahre. Danach habe ich an ein allgemeinbildendes Lyzeum gewechselt, doch schon nach einem Jahr habe ich das Singen vermisst. Deshalb bin ich mit meinen Bekannten zu einem Theater- und Musikfestival nach Bad Hersfeld gefahren, wo ich anschließend fünf Jahre in Folge im Festspielchor mitgewirkt habe.

klassik-begeistert: Sie haben sich schon damals zum Chor hingezogen gefühlt?

Krzysztof Bączyk: Ja, zu dieser Zeit bin ich in den Stimmbruch gekommen, und es hat sich herausgestellt, dass in meiner Stimme das gewisse „etwas“ steckt – also ein Potenzial für eine Solokarriere. Zuvor war ich eher durchschnittlich; als Junge habe ich nacheinander im zweiten Sopran, dann im ersten, und schließlich im Alt gesungen. Bei den Männerstimmen habe ich als Tenor angefangen. Später habe ich die Aufnahmeprüfung für die Gesangsfakultät der Musikakademie bestanden und dann wurde ich in die Opernakademie in Warschau aufgenommen. Während meines dritten Studienjahres habe ich am Teatr Wielki in Poznań als Pope in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ debütiert. Das war genau zwei Tage vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag.

klassik-begeistert: Viele Bässe spielen gern Rollen, die mit ihnen als Menschen wenig gemeinsam haben. Wie ist es mit Leporello – einer Partie, die Sie bereits mehrfach gesungen haben, zuletzt an der Hamburgischen Staatsoper?

Krzysztof Bączyk: Die Rolle von Leporello liegt mir sehr, und ich mag sie außerordentlich, da ich der Interpretation dieser Figur nicht allzu viel hinzufügen muss. Ich glaube, ein wenig von ihm steckt auch in mir. Es geht nicht um die Beziehung zu Don Giovanni, der Leporello wie einen Laufburschen behandelt, sondern vielmehr um seine Gerissenheit, seine Fähigkeit, in schwierigen Situationen zurechtzukommen, sowie um eine gewisse Ehrlichkeit, die seinem Herrn fehlt. Als Don Giovanni würde ich mich nicht wohlfühlen; ich bin einfach nicht der Typ für die Rolle des Liebhabers – auch nicht in meinem Privatleben.

klassik-begeistert: Ist Leporello Ihrer Meinung nach eine humorvolle oder eher eine unglückliche Figur – schließlich muss er seinen Herrn schützen und bekommt oft für ihn Schläge ab?

Krzysztof Bączyk: Ich glaube, in ihm stecken sowohl Humor als auch ein Gefühl des Unglücklichseins. Da der „Don Giovanni“ zum Genre der dramma giocoso gehört, enthält er humoristische Elemente. Leporello erscheint die meiste Zeit über als komische Figur; dass er zugleich unglücklich ist, wird jedoch am Ende besonders deutlich. In der Hamburger Inszenierung hat man allerdings die letzte Szene gestrichen, in der Leporello beschließt, sich einen neuen Herrn zu suchen, um irgendwie weiterleben zu können – denn nach Don Giovannis Tod hat sein Leben seinen Sinn verloren. Er sieht keine Möglichkeit mehr, selbst zu einem Adligen aufzusteigen und niemandem mehr dienen zu müssen – ein Wunsch, den er noch in seiner ersten Arie besungen hat.

Krzysztof Bączyk (in der roten Sportkleidung) nach der Vorstellung von „Don Giovanni“ an der Hamburgischen Staatsoper © Dr. Ralf Wegner

klassik-begeistert: Ihr bisheriges künstlerisches Schaffen ist so vielfältig, dass das Publikum Sie in keine bestimmte Schublade – für eine einzige Rolle oder einen einzigen Komponisten – stecken könnte.

Krzysztof Bączyk: Nein, diese Gefahr besteht bei mir nicht, schon allein wegen der enormen Anzahl und Vielfalt der Partien, die ich singen kann. Das Spektrum ist breit – es reicht von Sarastro bis zum Torero. Hinzu kommen großartige Wagner-Partien für Bass.

Ein weiterer Pluspunkt ist derzeit mein Alter: Junge Sänger haben Lust zu experimentieren, Neues auszuprobieren und in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen – man kann sie also gar nicht in eine Schublade stecken. Ich habe noch nicht alle Bass-Partien gesungen, die für mich infrage kommen und bin bereit für weitere, die ich erst noch einstudieren muss. Manchmal kenne ich zwar eine oder zwei Arien aus einer Partie, habe sie aber noch nicht vollständig erarbeitet – das steht also noch aus. Ich glaube, wenn man uns – junge Sänger – überhaupt einmal in eine Schublade stecken würde, dann erst in etwa 15 bis 20 Jahren, wenn wir den Großteil der Partien unseres Stimmfachs bereits gesungen haben und unsere Position in der Branche gefestigt ist.

klassik-begeistert: Im Netz findet man ein Video mit Ihnen in Händels „Alcina“. Wie fühlen Sie sich im Barockrepertoire, das die Technik fördert; schließlich sind Koloraturen ein hervorragender Prüfstein für die Beweglichkeit der Stimme?

Krzysztof Bączyk: In „Alcina“ habe ich vor acht Jahren in Paris gesungen, unter anderem an der Seite von Cecilia Bartoli. Seitdem hatte ich keine Gelegenheit mehr, Barockrepertoire zu interpretieren. Doch demnächst stehe ich in Rossinis „La Cenerentola“ auf der Bühne – einem Werk, das eine ähnlich ausgeprägte stimmliche Beweglichkeit von mir verlangt.

klassik-begeistert: Wie oft treten Sie in Polen auf?

Krzysztof Bączyk: Dieses Jahr bin ich glücklicherweise dreimal in Polen aufgetreten. Gemeinsam mit Andrzej Filończyk habe ich im „Don Giovanni“ in der Nationalphilharmonie gesungen, danach bei einer Aufführung von Mozarts Requiem beim Warschauer Mozart-Festival mitgewirkt. Vor Kurzem gab ich – zusammen mit meiner Verlobten, der Sopranistin Katarzyna Drelich – einen Opernarien- und -Duetten-Abend am 35. Adam-Didur-Festival in Sanok (Südostpolen). Im nächsten Jahr werde ich die Partie des Stolnik in Moniuszkos „Halka“ auf dem Zentralen Musikplatz in Warschau singen. Diese muss ich allerdings noch einstudieren.

klassik-begeistert: Vielen Dank für das Gespräch, und viel Erfolg weiterhin!

Jolanta Łada-Zielke, 23. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

kb im Gespräch mit Andrzej Filończyk, Bariton Hamburgische Staatsoper, 20. Oktober 2026

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Zwischen den Sätzen 3: Zum Teufel mit der Longevity Hamburgische Staatsoper, 19. September 2026

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Krzysztof Bączyk begann seine Gesangsausbildung an der Jerzy-Kurczewski-Chorschule in Posen. Anschließend absolvierte er ein Gesangsstudium an der dortige Ignacy-Jan-Paderewski-Musikhochschule und bildete sich zudem an der Opernakademie des Teatr Wielki – Nationaloper weiter. Im Jahr 2011 debütierte er am Teatr Wielki in Posen als Pope in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“. Er trat unter anderem an den Theatern wie: Metropolitan Opera, Royal Opera House Covent Garden, Opéra de Paris, dem Teatro Real, Opernhaus Zürich, Teatro San Carlo, Gran Teatre del Liceu, Moskauer Bolschoi-Theater, Arena di Verona sowie Lyric Opera of Chicago auf. Zudem ist er regelmäßig bei dem Festival d’Aix-en-Provence, den Salzburger Festspielen und dem Glyndebourne Festival zu Gast. Zu seinem bisherigen Repertoire zählen unter anderem die Rollen des Sarastro („Die Zauberflöte“), Colline („La Bohème“), Leporello („Don Giovanni“), Raimondo („Lucia di Lammermoor“), Ramfis („Aida“), Ferrando („Il trovatore“), Melisso („Alcina“), Mefistofele („Mefistofele“) sowie zuletzt Escamillo („Carmen“) an der Semperoper Dresden. Krzysztof Bączyk arbeitete mit bedeutenden Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Tugan Sokhiev, Manfred Honeck, Marco Armilliato, Daniel Oren und Nello Santi zusammen.

Auch oratorische Partien gehören zu seinem Repertoire. Er nahm an Aufführungen von Mozarts „Requiem“ an der Opéra national de Lorraine sowie mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, von Rossinis „Stabat Mater“ mit dem Orchestre National du Capitole de Toulouse und dem Philadelphia Orchestra sowie von Beethovens 9. Sinfonie mit dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester teil.

[1] In Polen war das damalige dreijährige „Gymnasium“ eine Fortsetzung der sechsjährigen Grundschule. Das deutsche Gymnasium entspricht dem polnischen „allgemeinbildenden Lyzeum“, an dem der Unterricht vier Jahre dauert und mit dem Abitur abschließt.

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