© Theater Lübeck – Olaf Malzahn
Wie verändert die Gier nach Macht die Menschen? Wie weit gehen Despoten, um ihren Absolutheitsanspruch durchzusetzen? Leider sind das allzu aktuelle Fragen. Da bietet Claudio Monteverdis Oper „Die Krönung der Poppea“ ein sehr gutes Beispiel, um eine Brücke von Machiavellis 500 Jahre alten Ratschlägen an Fürsten zur Erlangung und Festigung von größtmöglicher Macht in die Jetztzeit zu schlagen. In seiner Inszenierung des Werks am Theater Lübeck mit Premiere am 14. März 2026 rekurriert Regisseur Johannes Pölzgutter auf eine mögliche Herrscherkritik des Komponisten.
Claudio Monteverdi
Die Krönung der Poppea (L’incoronazione di Poppea)
Statisterie des Theaters Lübeck
Takahiro Nagasaki, Dirigent
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Johannes Pölzgutter, Inszenierung
Theater Lübeck, 14. März 2026 Premiere
von Dr. Andreas Ströbl
Von der Antike über den Barock ins Jetzt
An lebenden Vergleichen herrscht derzeit kein Mangel: Ein absoluter Herrscher, der seine Macht immer weiter ausbaut, über Leichen geht und dem bei der Erinnerung an seine Verantwortung und Eingebundenheit in das gesellschaftliche Gesamt nur „Senat und Volk sind mir egal“ entgegnet. Das ist Monteverdis Nerone, dessen Schandtaten er aber gegenüber dem historischen Vorbild noch deutlich abgemildert hat. Ansonsten wäre dem Publikum nach dem abschließenden Liebesduett des Kaisers und seiner neuen Gattin, „Pur ti miro“, der Beifall wirklich schwergefallen. Johannes Pölzgutter hält es für gut möglich, dass Monteverdi von der Republik Venedig aus ein kritisches Herrscherbild entworfen hat, fernab von Machtzentren, wie Rom oder anderen von absoluten Fürsten regierten italienischen Stadtstaaten. „Claudio Monteverdi, Die Krönung der Poppea
Theater Lübeck, Premiere, 14. März 2026“ weiterlesen