Abrahams Melodien zünden wie das Streichholz im Heu und verbreiten schlagartig gute Laune im Saal

Paul Abraham, Die Blume von Hawaii, Conference  Andreja Schneider,  Komische Oper Berlin, 19. Dezember 2021

Foto: Blume von Hawai (c) Jan Windszus Photography

Paul Abraham
Die Blume von Hawaii
Conference  Andreja Schneider

Orchester der Komischen Oper Berlin
Lindenquartett Berlin
Koen Schoots Dirigent

Komische Oper Berlin, 19. Dezember 2021 (Halbszenische Premiere)

von Peter Sommeregger

Im  Advent an der Komischen Oper eine Operette halbszenisch zu präsentieren, ist seit 10 Jahren eine von Barrie Kosky eingeführte Tradition. In den vergangenen Jahren wurden vergessene Operetten von Kalman und Paul Abraham zum Teil neu entdeckt.

Barrie Kosky, dessen Intendanz im nächsten Jahr endet, bringt als letztes Stück Paul Abrahams „Blume von Hawaii“. Einige der Lieder daraus haben einen hohen Bekanntheitsgrad, neu ist die Erkenntnis, wie stark Abraham Jazz-Elemente und Swing in die Musik eingebaut hat. Er war damit ganz nahe am Zeitgeist, ehe ihn ein Wandel desselben in die Emigration zwang.An diesem 4. Advent, der mit Nieselregen und Wind das Stimmungsbarometer unter Null fallen lässt, zünden Abrahams Melodien und der Witz des Librettos beim Winter- und Corona-müden Publikum wie das Streichholz im Heuhaufen. Die peppige Conference von Andreja Schneider, bekannt als Teil der Geschwister Pfister, stellt schlagartig Stimmung im ausverkauften Haus her.

In den folgenden 90 Minuten wird getanzt, gelacht, parodiert, charmiert, geflirtet, was das Zeug hält. Erstklassig unterstützt vom Orchester der Komischen Oper unter Koen Schoots und dem Lindenquartett Berlin ziehen die sieben Solisten alle Register ihres Könnens. Es ist nicht zu übersehen, dass sie auch selbst ihren Spaß bei der Sache haben.

In der Doppelrolle als Prinzessin Laya und Suzanne Provence gelingt Alma Sade eine fulminante Leistung, kein Wunder, dass sich gleich zwei Tenöre um sie streiten, der Kapitän in Gestalt von Johannes Dunz und Tansel Akzeybek als Prinz Lilo -Taro, wetteifern dabei mit tenoralem Schmelz.

Die kessere Gegenspielerin der Prinzessin ist beim Hausgewächs  Mirka Wagner in besten Händen, und in der besten Gurgel. Das sprüht nur so vor guter Laune, die sich von der Rampe aus schnell im Zuschauerraum verbreitet. Nicht nur stimmlich  sondern auch als höchst beweglicher Tänzer macht Jörn-Felix Alt bella Figura, so wie auch  Julian Habermann ausreichend Pepp für den John Buffy mitbringt. Josefine Mindus aus dem Opernstudio vervollständigt das Ensemble, das am Schluss begeistert gefeiert wird. Einmal mehr erweist sich die Komische Oper in der Behrenstraße als der Garant für gute Laune, selbst in trüben Zeiten.

Prinzessin Laya /Suzanne Provence  Alma Sade
Prinz Lilo-Taro  Taksel Akzeybek
Reginald Harold Stone  Johannes Dunz
Joker Jim  Jörn-Felix Alt
Bessie Worthington  Mirka Wagner
John Buffy  Julian Habermann
Raka  Josefine Mindus

Peter Sommeregger, 19. Dezember 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Jacques Offenbach, Orpheus in der Unterwelt, Komische Oper Berlin, 7. Dezember 2021 (PREMIERE)

Leoš Janáček, Katja Kabanowa, Komische Oper Berlin, 27. November 2021 (PREMIERE)

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