Petrenko begeistert mit einer fulminanten Saisoneröffnung

Saisoneröffnung Kirill Petrenko, Tschaikowski und Elgar  Philharmonie Berlin, 21. August 2026

Kirill Petrenko, Berliner Philharmoniker. Foto: © Monika Rittershaus

Das traditionelle Eröffnungskonzert der Berliner Philharmoniker, mit dessen Programm das Orchester anschließend bei den Salzburger Festspielen und in Luzern gastiert, war diesmal zwei Komponisten gewidmet, deren Werke unterschwellige Parallelen aufweisen.

Edward Elgar
Enigma Variationen op. 36

Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr.4 f-Moll op.36

Kirill Petrenko, musikalische Leitung
Berliner Philharmoniker

Philharmonie Berlin, 21. August 2026

von Peter Sommeregger

Für den Briten Elgar bedeuteten die 14 Variationen über ein eigenes Thema, die erst später den Namen „Enigma-Variationen“ erhielten, den Durchbruch als Komponist. Er charakterisierte darin ihm nahestehende Personen, was heute nicht mehr nachzuvollziehen ist, bediente sich aber einer reichen musikalischen Sprache und gibt dem ausführenden Orchester reichlich Gelegenheit, zu glänzen. Kirill Petrenko holte aus den Philharmonikern ein Optimum an klanglicher Brillanz und gleichzeitiger Transparenz heraus, was beim Publikum einen ersten Jubel auslöste.

Peter Tschaikowskys vierte Symphonie ist laut eigener Aussage ebenfalls als Ausdruck der seelischen Befindlichkeit des Komponisten zu verstehen. Dieser war Zeit seines zu kurzen Lebens von der Problematik seiner Homosexualität belastet, die damals gesellschaftlich noch längst nicht akzeptiert war. In dieser Symphonie dominiert ein mehrfach auftauchendes, aggressives Thema der Blechbläser, welches das fordernde Schicksal charakterisieren soll. Dazwischen ertönen aber immer wieder liedhafte, lyrische Passagen, ein besonderes Detail ist eine von den Streichern pizzicato gespielte Passage im Scherzo, das wuchtige Finale baut Petrenko mit perfektem Gespür für die Architektur des Werkes gekonnt auf, und führt die Symphonie in das rauschende Finale.

Vielleicht nicht zufällig tragen beide Werke dieses Konzertes die Opuszahl 36. Eine weitere, indirekte Parallele ist die im Falle Tschaikowskys eingestandene, im Falle Elgars nur latent vorhandene Homosexualität beider Komponisten.

Beide Werke gaben dem Orchester reichlich Gelegenheit, sich als wahrhaft virtuoser Klangkörper zu präsentieren.

Nach mehreren Jahren der Zusammenarbeit erweist sich die Wahl Kirill Petrenkos zum Chefdirigenten als fortdauernder Glücksgriff, es gelingt ihm, seine positive Energie an das Orchester weiterzugeben, mit beglückendem Ergebnis auf dem Podium und im Saal.

Peter Sommeregger, 22. August 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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