Sommereggers Klassikwelt 102: Happy birthday, Julia Varady

Sommereggers Klassikwelt 102: Happy birthday, Julia Varady

Für das Label Orfeo ging sie auch mit ihrem Ehemann Dietrich Fischer-Dieskau des Öfteren ins Studio, wobei der Ehemann als Dirigent ein sensibler Begleiter seiner Ehefrau war.

von Peter Sommeregger (Text und Fotos)

Dass diese verehrte Künstlerin und Pädagogin an diesem 1. September ihren 80. Geburtstag feiert, will man gar nicht glauben. Ihr Charme und ihre persönliche Ausstrahlung lassen sie bis heute alterslos erscheinen.

Geboren 1941 im rumänischen Cluj als Tochter eines Ungarn und einer Siebenbürgen-Deutschen erhielt das musikalische Kind am Konservatorium ihrer Heimatstadt anfangs Violin-, später Gesangsunterricht. Noch vor dem Ende ihrer Ausbildung wurde die Sängerin an das Nationaltheater engagiert, wo sie etwa zehn Jahre lang Partien aus dem Sopran- und Mezzosopran-Fach sang. Nach dem Gewinn eines Wettbewerbes in Italien wurde Varady auch an westeuropäische Bühnen engagiert. Nach einem Gastspiel in Köln verpflichtete Christoph von Dohnanyi sie an das Opernhaus Frankfurt. In den folgenden Jahren teilte die Sängerin ihre Auftritte zwischen den Opernhäusern  in Frankfurt und Köln.

Ab 1971 war sie auch an der Bayerischen Staatsoper zu hören. Für eine Neuproduktion von Puccinis „Der Mantel“ wurde sie 1973 als Partnerin von Dietrich Fischer-Dieskau verpflichtet. Diese Aufführung sollte für beide Sänger schicksalhaft werden. Das Paar heiratete und begann eine fruchtbare künstlerische wie private Beziehung, die bis zu Dieskaus Tod 2012 andauerte. Die Verbindung schränkte aber keineswegs Varadys Eigenständigkeit als Künstlerin ein.

In fast allen großen Opernhäusern der Welt wurde Julia Varady als unverwechselbare Ausnahmekünstlerin gefeiert. Auftritte in London, Paris, New York sowie bei den Festspielen von Edinburgh und Salzburg machten sie auch international bekannt. Ab Ende der 1970er Jahre wurde die Deutsche Oper Berlin neben der Bayerischen Staatsoper ihr zweites Stammhaus. Als die Sängerin sich Mitte der 1990er Jahre plötzlich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurückzog, löste dies bei ihren Verehrern großes Bedauern aus. In Konzerten war Julia Varady noch längere Zeit zu erleben, bevor sie sich endgültig auf ihre Lehrtätigkeit konzentrierte. Seit dem Jahr 2000 wirkte sie nahezu zwanzig Jahre als Gastprofessorin an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin, wo sie ihr künstlerisches Wissen an die nächste Sängergeneration weiter vermittelte.

Man muss bedauern, dass Julia Varady nicht häufiger für Schallplattenaufnahmen herangezogen wurde. Bei den großen Labels war sie deutlich unterrepräsentiert, aber durchforstet man die Kataloge, finden sich doch viele interessante Einspielungen. Für das Label Orfeo ging sie auch mit ihrem Ehemann Fischer-Dieskau des Öfteren ins Studio, wobei der Ehemann als Dirigent ein sensibler Begleiter seiner Ehefrau war.

Ihre eher dunkel timbrierte Sopranstimme eignete sich auch vorzüglich für Zwischenfach-Partien, selbst sehr dramatische Rollen wie die Abigail in Verdis „Nabucco“ und die Santuzza in Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ wurden von ihr herausragend interpretiert. Julia Varadys Stimme gehört zu jenen, die man bereits nach dem ersten Ton zweifelsfrei erkennt.

Zu ihrem runden Geburtstag sei ihr herzlich gratuliert!

Peter Sommeregger, 31. August 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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