Sommereggers Klassikwelt 151: Tatiana Troyanos war unter den bedeutenden Mezzosopranistinnen ihrer Zeit eine der Vielseitigsten

Sommereggers Klassikwelt 151: zur Erinnerung an Tatiana Troyanos  klassik-begeistert.de, 14. September 2022

Foto: Tatiana Troyanos

von Peter Sommeregger

Die Mezzosopranistin Tatiana Troyanos, Tochter eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter, wurde am 12. September 1938 in New York City geboren. Während sie als Brotberuf beim Verlag Random House arbeitete, nahm sie Gesangsunterricht zuerst an der Brooklyn Music School, später an der berühmten Juilliard School.

Nach ersten Bühnenauftritten an der City Centre Opera in New York wurde sie 1967 an die Hamburgische Staatsoper engagiert. Hier erarbeitete sie sich ein breites Repertoire an Mezzo-Partien, wie den Komponisten in „Ariadne auf Naxos“ oder den Cherubino in „Nozze di Figaro. In die etwa zehn Jahre dauernde Zeit in Hamburg fielen auch einige bedeutende Uraufführungen, an denen Troyanos mitwirkte. Als Jeanne in Pendereckis „Teufel von Loudon“ machte sie Furore, die Uraufführung dieser Oper erschien später auch auf Schallplatten.

Ihre ersten Auftritte an der Metropolitan Opera ihrer Heimatstadt New York hatte sie im Rahmen eines Gastspiels der Hamburgischen Staatsoper. Es sollte aber noch bis 1976 dauern, dass man sie dort zum Ensemblemitglied machte. Ausgedehnte Gastspiele führten Troyanos nach München, wo sie unter Karl Böhm als Carmen großen Erfolg hatte, nach London an das Covent Garden Opera House, nach Paris und Montreal. Auch an der Wiener Staatsoper trat sie in dieser Zeit in mehreren Partien auf. Bei den Festspielen in Aix-en-Provence hatte sie großen Erfolg als Komponist in Strauss’ „Ariadne auf Naxos“, diese Partie wurde zu einer ihrer erfolgreichsten Rollen, sie sang sie auch in zwei Schallplatten-Aufnahmen unter Karl Böhm und Georg Solti.

An der Metropolitan Opera sang sie ab 1976 ein breites Repertoire. Ihr Spektrum reichte von Monteverdi bis Wagner, von Verdi bis Richard Strauss. Insgesamt trat Tatiana Troyanos am Haus in mehr als 200 Aufführungen in etwa zwei Dutzend Rollen auf. Mehrfach gastierte die Troyanos auch an den Opernhäusern von Chicago und San Francisco. Große Erfolge konnte sie auch im Konzertsaal feiern, mit Musik von Mahler, Brahms, Schönberg, u.v.a.

Die Schallplatten-Industrie sicherte sich den vollen, technisch perfekten Mezzosopran für zahlreiche Einspielungen. Eine Liste ihrer Aufnahmen würde diesen Rahmen sprengen, aber bis heute sind die meisten der Produktionen noch erhältlich. Von Aufführungen der Met existieren auch einige Video-Mitschnitte, die einen Eindruck auch von der physischen Attraktivität der Sängerin geben.

Bereits Mitte der 1980er Jahre wurde bei der Sängerin Brustkrebs diagnostiziert. Tapfer kämpfte sie gegen die heimtückische Krankheit und setzte ihre Karriere scheinbar ungebrochen fort.

Im Juni 1993 trat sie an der San Francisco Opera als Clairon in Richard Strauss’ „Capriccio“auf. Diese Aufführungsserie sollten ihre letzten öffentlichen Auftritte werden. Nach kurzem Krankenhausaufenthalt starb Tatiana Troyanos am 21. August 1993 in New York. Noch am Tag ihres Todes soll sie für Mitpatienten gesungen haben.

Unter den großen Mezzosopranistinnen ihrer Zeit war sie eine der Vielseitigsten. Mit immensem Stilgefühl erspürte sie die Eigenheiten der einzelnen Komponisten und konnte so in den verschiedensten Rollen überzeugen. Bis heute hat sie in ihrem Fach kaum überzeugende Nachfolgerinnen gefunden. In Erinnerung wird sie durch ihre vielen Bild- und Tonaufzeichnungen bleiben.

Peter Sommeregger, 14. September 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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