Was uns „Unter den Linden“ in der Saison 2026/27 erwartet

Spielzeitpräsentation 2026 Staatsoper Unter den Linden  klassik-begeistert.de, 2. September 2026

Staatsoper Unter den Linden Foto: © Marcus Ebener

Die eben beginnende neue Spielzeit in der Staatsoper Unter den Linden ist die dritte der Intendantin Elisabeth Sobotka und des Generalmusikdirektors Christian Thielemann. Nachdem der- in größeren personellen Turbulenzen befindliche- Berliner Kultursenat die Etats der Opernhäuser empfindlich gekürzt hat, muss auch das Berliner Vorzeigehaus sparen.

von Peter Sommeregger

Der Reigen von sechs Neuproduktionen wird mit Gaspare Spontinis „La Vestale“ eröffnet, als Hommage an den ersten Generalmusikdirektor des Hauses im 19. Jahrhundert. In der Regie von Lydia Steier und dem Dirigat von Carlo Rizzi gibt Sonya Yoncheva ihr Debüt in der Titelrolle. Premiere ist am 26. September.

Im Rahmen der nach einer Pause wieder stattfindenden Barocktage hat am 8. November Francesco Cavallis „La Callisto“ von Stefan Herheim inszeniert Premiere. Christina Pluhar leitet das Ensemble L’Apeggiata und die Akademie für Alte Musik Berlin. In der Titelrolle ist Vera-Lotte Boecker zu erleben.

Eine „Fledermaus für Kinder“ wird am 21. Januar 2027 von einem jungen Nachwuchsteam auf die Bühne gebracht, wobei man an der Eignung des Stückes für Kinder seine Zweifel haben darf.

Am 21. März 2027 wird Asmik Grigorian die Manon Lescaut in einer Neuinszenierung der Puccini-Oper im Rahmen der Festtage verkörpern. Ihren Liebhaber Des Grieux singt Joshua Guerrero, Bertrand de Billy wird dirigieren, Johannes Erath inszenieren.

GMD Christian Thielemann hat sich für eine Produktion von Engelbert Humperdincks „Königskinder“ entschieden. Das 1910 an der New Yorker Met uraufgeführte Werk wird heute nur noch selten gespielt. Es droht, ebenso wie Strauss‘ „Schweigsame Frau“ von Thielemann forciert, zum Kassengift zu werden. Am 1. Mai 2027 hat die Inszenierung von David Bösch mit Diana Damrau und Sebastian Kohlhepp ihre Premiere.

Für die Liebhaber von Verdis Opern wird am22. Mai 2027 mit einer neuen „Forza del Destino“ in glanzvoller Besetzung gesorgt. Philippe Jordan dirigiert, Superstar Lise Davidsen und Freddie De Tomasso singen die Hauptrollen, die Regie übernimmt Vasily Barkhatov, Ehemann Asmik Grigorians und am Haus schon mit einer missglückten Norma-Inszenierung in Erinnerung.

Von den acht Symphoniekonzerten der Staatskapelle wird Christian Thielemann vier leiten, die restlichen übernehmen Marie Jaquot, Petr Popelka, Philippe Jordan und Jakub Hrůŝa.

Für das abwechslungsreiche Repertoire kann das Haus auf zahlreiche Inszenierungen aus dem Fundus zurückgreifen, wobei einige davon doch schon sehr in die Jahre gekommen sind. Diskret hat die Intendantin Sobotka zwei Mozart-Inszenierungen in der völlig missglückten Regie von Vincent Huguet durch die Vorgänger-Inszenierungen von Jürgen Flimm (Figaro) und bereits im Vorjahr von Claus Guth (Don Giovanni) ersetzt. Weniger nachvollziehbar ist der Rückgriff auf die ungeliebte Tristan-Inszenierung Harry Kupfers für die drei Tristan-Aufführungen, die Thielemann im Februar in wenig glanzvoller Besetzung dirigieren wird.

In den Besetzungen der Repertoire-Aufführungen tauchen mehrfach prominente Namen auf, so Jonathan Tetelman als Samson, Benjamin Bernheim als Cavaradossi, Anna Netrebko als Abigaille.

Nach wie vor ist Christian Thielemann im Spielplan nicht so umfangreich präsent, wie es sich seine Verehrer wünschen würden. Außer den „Königskindern“ wird er jeweils drei „Tristan“- und „Tannhäuser“-Aufführungen neben den vier Symphoniekonzerten leiten. Dafür beglückt er China mit drei „Rosenkavalieren“ und Japan mit Konzertprogrammen, auch in Frankfurt/Main, Dresden und Wien wird die Staatskapelle unter seiner Leitung gastieren.

Im großen Saal sind insgesamt 5 Liederabende geplant, sie werden von Ludovic Tézier, Rachel Willis- Sꝋrensen, Joyce DiDonato, Xabier Anduaga und Nadine Sierra bestritten.

Das Programm ist ausgewogen, wobei eine leichte Dominanz des italienischen Repertoires auszumachen ist, aber das kommt dem Publikumsgeschmack ja durchaus entgegen.

Man darf auf viele interessante Abende gespannt sein!

Peter Sommeregger, 2. September 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Claude Debussy, Pelléas et Mélisande Staatsoper Unter den Linden, 3. Juli 2026

W.A. Mozart, Die Entführung aus dem Serail Staatsoper Unter den Linden, Premiere, 27. Juni 2026

René Pape, Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“ Staatsoper Unter den Linden, 20. Mai 2026

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