Schmale Kost in der Philharmonie Berlin: Nach knapp 70 Minuten war Ende im Gelände, die Hälfte der Sitze blieben leer

Susan Graham, Klaus Florian Vogt, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Donald Runnicles,  Philharmonie Berlin

Stürmischer Herbst – vokal unterbelichtet: Die Deutsche Oper Berlin gastiert beim Musikfest Berlin. Der Startenor Klaus Florian Vogt hat nicht seinen besten Abend.

Foto: © Klaus Florian Vogt
Philharmonie Berlin
, 17. September 2019

Ludwig van Beethoven Ouvertüre zu „Coriolan“ op.62
Hector Berlioz   La mort de Cléopatre; Les Troyens Auszüge
Susan Graham  Cléopatre, Didon
Klaus Florian Vogt  Enée
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Donald Runnicles  Dirigent

von Peter Sommeregger

Traditionell gastiert die ja selbst in Berlin ansässige Deutsche Oper beim Musikfest mit einem speziellen Programm in der Philharmonie. Dieses Jahr schloss man sich der Huldigung für den Jubilar Berlioz an und präsentierte Ausschnitte aus „Les Troyens“, die vor gar nicht langer Zeit noch auf dem Spielplan des Opernhauses zu finden waren.

Vorangestellt wurde Beethovens Coriolan-Ouvertüre, etwas beliebig ausgewählt und präsentiert, als Überleitung die Kantate Le mort de Cléopatre, ein frühes und noch nicht wirklich ausgereiftes Werk des jungen Berlioz. Als Solistin konnte man die Mezzosopranistin Susan Graham erleben, die – gewandet in ein stilisiertes orientalisches Gewand – die unglückliche Ägyptische Königin verkörperte. Die Künstlerin blickt auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurück, fast jeder erinnert sich an große Abende mit ihr. Aktuell befindet sie sich aber eindeutig im Herbst ihrer Karriere. Immer noch gelingen ihr schöne Kantilenen, die Stimme trägt durchaus noch, aber ganz vermag sie nicht an frühere Leistungen anzuknüpfen.

Der Einstieg in die Troyens mit dem Orchestervorspiel „Königliche Jagd und Sturm“ will so recht zu diesem ersten stürmischen Herbsttag in Berlin passen. Donald Runnicles hat einzelne Blechbläser auf verschiedenen Emporen der weitläufigen Philharmonie platziert, ein blendender Einfall – es entsteht eine ungeheuer plastische Wirkung dieser eindrucksvollen Musik, die eindeutig den Höhepunkt dieses Abends markiert. Nach Ausschnitten aus der Ballettmusik der Oper geht es mit dem berühmten Liebesduett und Arien des Enée und der Dido weiter.

Susan Graham ist Dido, als Enée versucht sich Klaus Florian Vogt. Leider zeigt er sich der Rolle nicht gewachsen, die doch recht heldische Qualitäten verlangt. Die Partie liegt sehr hoch, was Vogt eigentlich liegen müsste, aber sein weißes Timbre und seine höchst vage Diktion bilden einfach keinen Widerpart zu der immer noch üppigen Stimme Grahams. Das Duett  klingt stellenweise wie ein Zwiegesang zwischen Mezzo und lyrischem Sopran, Vogts Stimme fehlt der Kern, das maskuline Timbre. In der anschließenden großen Arie des Helden kommt er nur mühsam über die Runden und setzt einen reichlich unschönen, für meine Ohren auch transponierten Schlusston. Die große Arie der Dido versöhnt wieder etwas, aber auch das hat man von Graham schon besser gehört.

Damit endet das Konzert auch schon – knapp 70 Minuten sind für einen Konzertabend dann aber doch ein wenig dürftig. Dazu passt, dass der Saal beinahe halb leer bleibt. Bei der schwergewichtigen Konkurrenz während des Musikfestes müsste sich die Deutsche Oper Berlin schon ein attraktiveres Programm ausdenken!

Peter Sommeregger, 18. September 2019 für
klassik-begeistert.de

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