Achim Freyers "Zauberflöte" in Dresden: ein kindlich naiver Klamauk

Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte,  Semperoper Dresden, 19. April 2019

Foto: © Matthias Creutziger

Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte
Semperoper Dresden, 19. April 2019

Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Achim Freyer

Sarastro: Tilmann Rönnebeck
Tamino: Joseph Dennis
Königin der Nacht: Antonina Vesenina
Pamina: Magdalena Risberg
Erste Dame: Ute Selbig
Zweite Dame: Angela Liebold
Dritte Dame: Sabrina Kögel
Papageno: Sebastian Wartig
Papagena: Tania Lorenzo
Monostatos: Simeon Esper

Sächsische Staatskapelle Dresden
Sächsischer Staatsopernchor Dresden

von Pauline Lehmann

Mozarts letzte Oper – uraufgeführt am 30. September 1791 im Freihaustheater auf der Wieden in Wien, neun Wochen vor seinem Tod – enthält ins Wunderbare und Fantastische entrückte Lehren darüber, was den Menschen ausmacht. Regisseur Achim Freyer agiert auf der Ebene des kindlich Naiven und Märchenhaften und spürt dem Unterhaltungsgestus des Schikanederschen Vorstadttheaters nach. Ohne diese seichte Ebene zu verlassen, bewirkt die Inszenierung aber dennoch eine Reflexion über moralisch richtiges Handeln.

Seit der Premiere am 3. Juni 2006 war Die Zauberflöte in der Inszenierung des Brecht-Schülers Achim Freyer nun zum 228. Mal in der Semperoper Dresden zu erleben. Auch Bühnenbild und Kostümentwurf entstammen seiner Feder. Zuvor hatte Achim Freyer Die Zauberflöte bereits in Hamburg und bei den Salzburger Festspielen auf die Bühne gebracht. Die Dresdner Inszenierung ist eine Koproduktion mit der Opéra national du Rhin Straßburg und den Schwetzinger Festspielen.

Vernunft. Natur. Weisheit. Die großen, schwungvollen Schriftzüge über der Bühne verweisen auf die drei Tempel Sarastros und sollen auch die drei Türen bezeichnen, welche durch ihre Größe einen überdimensionalen Raum schaffen. Inmitten dieses riesigen Raumes wirken die Protagonisten wie hineingesetzte Puppen.

Hinter der mittleren und größten Tür, deren Klinke so hoch ist, dass keine Menschenhand, nur „Sarastro, der göttliche Weise“, sie erreichen kann, eröffnen sich neue Welten. Dort verbergen sich das Sonnenreich Sarastros und die Wasser der Königin der Nacht, von denen funkelnde Tropfen den Bühnenraum besprenkeln. Die Figuren erscheinen auch mal kopfüber vom Bühnenhimmel oder steigen aus der Tiefe.

Regisseur Achim Freyer arbeitet mit einer klaren Farb- und Formensprache. Der Bühnenraum erscheint in warmen Rot- und Ockertönen, die überdimensionalen Türen sind aufgemalt. Die Kostümierung und die weiß geschminkten Gesichter lassen an Clowns denken. Auch durch die viel zu großen Hosen wirken die Protagonisten klein. Einzig Sarastro überragt alle in seinem sonnengelben Priestergewand. Sein Schritt ist bedächtig und schwer.

Papageno bläst eine Gummiente auf, eine bunte Vogelschar baumelt im Takt von „Ein Vogelfänger bin ich ja“ vom Bühnenhimmel und als Strafe für seine Lüge bekommt Papageno von den drei Damen ein Märchenschloss aus Pappe über den Kopf gestülpt. Die drei Damen erhalten die Nachrichten der Königin der Nacht über einen Spielzeughubschrauber, der schwarze Sklavenaufseher springt Springseil und Sarastro bekommt zwei hechelnde Plüschlöwen an die Seite gestellt.

Die Effekte orientieren sich am kindlich Naiven und lassen an die Possen und an den Klamauk des 18. Jahrhunderts denken. Die Pointen sind einfach. Sie kommen beim Publikum an, sind aber größtenteils im ersten Aufzug verbraucht.

So ist auch die Rachearie der Königin der Nacht ohne große Szenerie. Der Phallus – schaute er doch aus Papagenos Kostüm als rotes Vöglein heraus – wird zwar spielerisch eingesetzt, aber auch überstrapaziert.

Die klein besetzte Sächsische Staatskapelle fühlt sich in die Mozartsche Tonsprache ein. Der musikalische Leiter des Abends, Christoph Gedschold, nimmt Mozarts Musik sehr filigran.

Schauspielerisch übertrumpfen sich Simeon Esper als neckischer Monostatos, Joseph Dennis als aufrichtiger Tamino und vor allem Sebastian Wartig als quirliger Papageno, der nonstop aktiv ist. Für die erkrankte Christiane Hossfeld übernahm kurzfristig Tania Lorenzo die Rolle der Papagena. Die Spanierin ist Mitglied des Jungen Ensembles der Semperoper Dresden und gab in der Spielzeit 2017/18 als Papagena ihr Hausdebüt.

Antonina Vesenina bekommt für die Rachearie der Königin der Nacht Szenenapplaus und begeistert mit klaren, kraftvollen Koloraturen. Joseph Dennis lässt Taminos Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ mit seinem warm timbrierten Tenor erstrahlen. Tilmann Rönnebeck überzeugt mit seinem souveränen Bass und verleiht Sarastro eine weihevolle Aura.

Pauline Lehmann, 22. April 2019, für
klassik-begeistert.de

3 Gedanken zu „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte,
Semperoper Dresden, 19. April 2019“

  1. Diese Inszenierung war wohl eher für eine Kindervorstellung gedacht. Weder Kulisse noch Kostüme haben mir gefallen. Einzig die Stimmen waren hörenswert, habe daher zwischendurch einfach die Augen geschlossen, um die Musik genießen zu können.

    Mechthild Ültzhöfer

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