Yuja Wang und Jakub Hrůša gestalten einen glanzvollen aber nicht makellosen Abend

Yuja Wang, Jakub Hrusa, WDR Sinfonieorchester,  Kölner Philharmonie

Foto: Kirk Edwards (c)
Kölner Philharmonie,
15. Juni 2018
Yuja Wang, Klavier

WDR Sinfonieorchester
Jakub Hrůša, Dirigent

Sergej Prokofjew 
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 G-Dur op. 55 (1931–32)
Richard Strauss 
Ein Heldenleben op. 40 TrV 190 (1897–98)

von Daniel Janz

Unter dem Titel „Heldenleben“ präsentierte die Kölner Philharmonie dem Publikum am Freitagabend ein zweigeteiltes Programm. Der erste Teil des Abends war ganz der chinesischen Starpianistin Yuja Wang (30) gewidmet. Im Anschluss erlebte das namengebende Werk von Richard Strauss durch das WDR Sinfonieorchester unter dem Gastdirigenten Jakub Hrůša (36) eine wuchtige Aufführung. Und doch zeigte sich, dass große Namen alleine nicht ausreichen, um einen perfekten Abend zu gestalten.

Die Pianistin Yuya Wang wurde 1987 in Peking als Tochter einer Tänzerin und eines Perkussionisten geboren. Heute gehört sie zu den regelmäßig aufspielenden Gästen in der Philharmonie Köln. An diesem Abend beweist sie mit einer brachialen Aufführung von Prokofjews fünftem und letztem Klavierkonzert einmal mehr, dass neben ihren extravaganten und wohl inzwischen zu ihrem Markenzeichen gewordenen Kleidern auch ihr Spiel für Aufsehen sorgt.

Dieses 1932 uraufgeführte Werk Prokofjews, das untypischerweise über 5 Sätze verfügt, gilt als Glanzstück der Pariser Zeit des russischen Komponisten. Dabei sind Parallelen zum Zeitgenossen Strawinsky nicht nur zu erahnen, sondern geradezu intendiert.

Deutlich werden diese Parallelen insbesondere im ersten aber auch im dritten Satz des Werkes. Das ist wenig eingängige Musik, die mit teilweise bizarren Klängen um sich wirft und vor allem durch die Kontraste lebt. Somit steht und fällt alles mit Yuja Wang und die meistert das Stück bravourös.

Die perfekte Grundlage dafür schafft das unter dem tschechischen Dirigenten Jakub Hrůša stark aufspielende WDR Sinfonieorchester. Zu den immer wieder durch Trommeln verstärkten Episodenklängen springen Wangs Finger verspielt über die Klaviatur. Im dritten Satz erinnert manche Passage gar an Hochleistungssport. Da kann sie spielerisch glänzen.

Gänsehautgefühl löst aber erst der vierte Satz aus. Seine eingängigen und lyrischen Passagen bilden eine Insel der Ruhe in einem Meer aus teils chaotisch wirkenden Einzelphrasen. Auch die darauffolgende Steigerung entfalten Wang und Hrůša zur vollkommenen Perfektion. Schade, dass sie dieses Gefühl nicht in den letzten Satz hinüberretten können, der durch einen Rückfall in das chaotische Treiben wieder abebbt.

Das Publikum ist dennoch begeistert von diesem kurzweiligen und sehr sprunghaften Werk. Exstatisch applaudierend drängt es Wang zu gleich mehreren Zugaben, in denen sie rasant übers Klavier rast und bewegt. Als sie Liszts Klavierfassung von Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ performt, entfaltet sie hier neben technischer Perfektion auch äußerstes Feingefühl.

Das zweite Werk des Abends bietet zu diesem Potpourri aus Einzelepisoden einen denkbar großen Kontrast. Kaum ein Komponist gestaltete Musik so plastisch und gleichzeitig malerisch, wie Richard Strauss seinerzeit. In seiner sinfonischen Dichtung „Ein Heldenleben“ stellt er 1898 gar sich selbst in den Mittelpunkt.

Als glorifizierter Held ist er es, der in einem großen Kampf seine Widersacher und Kritiker zu Boden wirft, bevor er nach einer Reihe von Selbstzitaten unter dem Titel „Des Helden Friedenswerke“ die Abgeschiedenheit und Weltflucht sucht.

Jakub Hrůša kann hier sein Können als Dirigent voll entfalten. Dem enormen Orchesterapparat entlockt er mal zauberhafte, mal dramatische, mal romantische und mal verklärende Klänge. Allen Beteiligten verlangt der tschechische Dirigent ihr Bestes ab. Dadurch zaubert er immer wieder überwältigende Gesamtklänge hervor.

Jedoch sind dabei die Einzelstimmen nicht immer aufeinander abgestimmt. Für einen perfekten Klang sind die Klarinetten immer wieder zu laut und fallen gelegentlich sogar störend auf. Flöten und Trompeten sind im Tutti hingegen stellenweise zu leise.

Besonders ärgerlich: Die Solo-Violine, die im Mittelpart die Gefährtin des Helden vertonen soll, trifft mehrmals nur unsauber die Töne. Es sind die kleinen Details, die den Unterschied zwischen „nur gut“ und perfekt ausmachen.

Weltmeisterliche Klasse kann man stattdessen den unter ihrem Stimmführer Přemysl Vojta aufspielenden Hörnern attestieren. Besonders Vojtas Soli überstrahlen alles. Grandios auch die Schlagzeuggruppe, die besonders im Part „Des Helden Walstatt“ glänzen kann. Damit ergibt sich insgesamt eine gute Aufführung, die nur ein wenig an den Details krankt.

Daniel Janz, 16. Juni, für
klassik-begeistert.de

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