„Il viaggio“ überzeugt in Salzburg als humorvoll sprühendes Feuerwerk von groteskem Humor

Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims  Salzburger Pfingstfestspiele, 22. Mai 2026

Mit dieser Premiere der Salzburger Pfingstfestspiele 2026 – unter der Aegide und pointierter Mitwirkung der großen Cecilia Bartoli – hat der renommierte Aufführungsort Salzburg einen fulminanten Start hingelegt.

Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims

Salzburger Pfingstfestspiele, 22. Mai 2026

von Dr. Charles E. Ritterband

Musikalische Leitung: Gianluca Capuano

Regie: Barrie Kosky
Bühne: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Licht: Franck Evin

Corinna:  Cecilia Bartoli
Marchesa Melibea:  Marina Viotti
Contessa di Folleville:  Melissa Petit
Madame Cortese:  Tara Erraught
Cavalier Belfiore:  Edgardo Rocha

Les Musiciens du Prince, Monaco
Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo
Chor-Einstudierung: Stefano Visconti

Die Inszenierung des australischen Star-Regisseurs Barrie Kosky hatte höchste Erwartungen geweckt – und diese wurden nicht enttäuscht, sondern weit übertroffen: farbensprühend, humorvoll, grotesk.

Sängerisch durchwegs überragend, darstellerisch hinreißend komisch und vom Orchester temperamentvoll, hoch musikalisch und in perfektem Stil des Großmeisters Rossini getragen, wurde diese Aufführung zu einem vom Premierenpublikum enthusiastisch bejubelten Großerfolg.

Diese Oper ist eigentlich gar keine richtige Oper, sondern eine Art Anti-Oper, was bereits die eindimensionale Handlung zeigt: Eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, bestehend vorwiegend aus exzentrischen, überaus eitlen Aristokraten, ist 1825 aufgebrochen um der Krönung des kaum sehr bedeutenden Königs Karl X. in der Kathedrale von Reims beizuwohnen – und bleibt samt und sonders unterwegs in einem Provinzhotel stecken, weil es absolut keine Pferde für die Weiterreise zu mieten gibt. Die aus bunten Charakteren zufällig zusammen gewürfelte Gemeinschaft entfaltet Konflikte und amouröse Intermezzi – Rossini hat zu dieser Nicht-Handlung sprühende, farbenfrohe Musik komponiert.

Die Darsteller und -innen werden mit umwerfender Komik, grotesker Mimik und Maske sowie in herrlich knallbunten Kostümen der einmaligen (natürlich frei erfundenen Situation) gerecht: man kommt als Zuschauer aus dem Lachen und Staunen kaum heraus. Da gibt es die sprichwörtliche Drehtür, welche die uniformierten Hotel-Boys schwungvoll in die Lobby katapultiert, da gibt es den überdimensionierten Gala-Hut der überkandidelten Contessa, da kommt es zu Schießereien mit Spielzeug-Pistolen und am Schluss steigt Cecilia alias Corinna überraschend aus einer riesigen Torte.

Phänomenal die höchst originellen Bühnenbilder, als Schwarzweiß-Gravuren, welche die Buntheit der Kostüme erst so richtig zur Geltung bringen

© SF / Monika Rittershaus

Die komisch-darstellerischen Leistungen sind durchwegs ebenso überragend wie die sängerischen: es ist unmöglich, jede individuell zu würdigen.

Die Palme gebührt zweifellos der umwerfend komischen, stimmlich überragenden Contessa di Folleville (nomen est omen!), dem Lord Sidney (stets komplett mit sprichwörtlicher tea-cup) und dem lautstark auf Deutsch polternden Conte di Libenskof.

Dass dieses 1825 tatsächlich zur Krönung von Karl X. komponierte, so überaus charmante, einaktige Meisterwerk bestehend aus neun musikalischen Nummern erst in den 1970er Jahren wieder entdeckt wurde und seither, selten genug, zur Aufführung gelangt, liegt an den überaus hohen Ansprüchen an die Sänger: wie bringt man diese lange Liste von erstklassigen Sängerinnen und Sängern (siehe Besetzung!) für wenige Aufführungen zusammen?

Schlussapplaus (Dr. Charles E. Ritterband)

Nun, Salzburg hat dies in Spitzenqualität mit Weltklasse-Besetzung hingekriegt und man freut sich bereits auf die Wiederaufnahme an den Salzburger Festspielen diesen Sommer!

Dr. Charles E.  Ritterband, 25. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

CD-Rezension: Cecilia Bartoli, UNRELEASED, klassik-begeistert.de

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